Samstag, 13. September 2014

Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.

(Franz Kafka)

 

Auf Facebook kursiert gerade ein Spiel, bei dem man 10 Bücher auflisten soll, die einen besonders beeinflusst oder beeindruckt haben. Oder so. Wobei ich die Anforderung ja schon mal hoch gegriffen finde. Ich bin in mich gegangen, habe mich an die Bücher meiner Kindheit und Jugend erinnert und war erstmal irritiert, dass spontan so viele Romane auftauchten. Dann habe ich beschlossen, mich auf Fiktion zu beschränken und meine Auswahl zu kommentieren.

Wer mitmachen möchte: bitteschön, herzlich willkommen, ich freue mich auf eure Kommentare und/oder Beiträge!

 

  1. Annemarie Selinko: Désirée
    Der erste historische Roman meines damals noch recht kurzen Lebens. Nein, ich habe mich nie in die Rolle von Napoleon Bonapartes erster Verlobter, Désirée, der späteren schwedischen Königin, hineinversetzt. Mir ist auch klar, dass das ein Roman ist, kein Tatsachenbericht, auch wenn die Figur historisch ist. Aber ich erinnere mich, dass dieses Buch in unserem heimischen Bücherschrank stand, und dass ich es viele, viele Male begeistert gelesen habe.
  2. Hermann Hesse: Narziss und Goldmund
    Ja, ich bin auch aus der Generation (oder kurz danach), wo man Hesse gelesen haben musste. Ich also auch. Allerdings muss ich sagen, dass ich mit dem ach so beliebten „Steppenwolf“ nie wirklich warm geworden bin, „Narziss und Goldmund“, „Siddhartha“ und das „Glasperlenspiel“ aber oft und gern gelesen und darüber gegrübelt habe.
  3. Thomas Mann: Die Buddenbrooks
    Es gibt Bücher, die werden einem von anderen nahegebracht. Ohne meine damalige beste Freundin hätte ich dieses Buch nie so schätzen gelernt. Heute bekenne ich, dass die Buddenbrooks mir (als Jugendliche auf dem Dorf) eine andere Welt eröffnet haben. Dass ich mich in Hamburg zu Hause fühlen kann, verdanke ich auch diesem großartigen Buch.
  4. J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe
    Mit diesem Werk wurde ich (mit 14) Fantasy-Fan. Ich habe erst später begriffen, dass ich mit Tolkien die Messlatte ziemlich hoch gelegt habe, aber bedauern kann ich das nicht. Ich erinnere mich: ich habe diese Bücher Tag und Nacht wie ein Verdurstender gelesen (Ferien!), dann war ich durch, schlief mich aus – und fing wieder von vorne an.
    Keine weiteren Fragen. Eben.
  5. Christa Wolf: Kassandra
    Zu den heißgeliebten Büchern meiner Jugend gehörten auch die „schönsten Sagen des klassischen Altertums“ von Gustav Schwab. Ich war ein großer Fan griechischer Sagen. Kassandra passte, Kassandra war aber auch der Anfang meiner frauenbewegten Phase, was ebenfalls zum Geist der Zeit gehörte. Ich mag Christa Wolfs Art, Dinge zu beschreiben, auch heute noch, aber nach der Wende hat sie für mich an Relevanz verloren.
  6. Dorothy Sayers: Aufruhr in Oxford
    Eine Zeitlang habe ich die Sayers-Krimis verschlungen. Letzten Endes ist dies eine Liebesgeschichte und ein Buch über Selbstbestimmung; ich habe alle Lord-Peter-Wimsey-Krimis auch immer wegen der Unzahl an Zitaten geliebt. Dorothy Sayers ist mir sehr kostbar.
  7. Marion Zimmer Bradley: Die Nebel von Avalon
    Danach war meine Welt nicht mehr wie vorher. Heute sehe ich meine Begeisterung viel distanzierter, aber damals war es mein erstes „Hexenbuch“, und ja, es hat mir Wege geöffnet, die mein Leben zu dem gemacht haben, was es heute ist.
    An dieser Stelle muss ich mich auch als „Darkover“-Fan outen, auch eine wichtige Reihe, die ich zeitweise fast komplett in meinem Regal hatte.
  8. Fannie Flagg: Grüne Tomaten
    Ich kann das Buch vom Film schlecht trennen. Ich liebe beide. Warum gerade das? Keine Ahnung, ehrlich. Hat auf jeden Fall viel mit Humor zu tun. Kennt ihr übrigens „Schultze gets the Blues„?
  9. Paulo Coelho: Der Alchimist
    Und dann stolpert man über Bücher, wo man beim Lesen nickt und immer nur „ja, ja, ja“ sagt. Und so tief. Und in einer so schönen Sprache. Nein, ich habe nicht alles von ihm gelesen, manches tangiert mich nicht, aber er ist mehr als empfehlenswert.
  10. Patricia McKillip: Die „Riddle-Master“-Trilogie
    Neben Tolkien, der für sich allein steht, und vielleicht noch Terry Pratchett, dessen klugen Humor ich ebenfalls sehr schätze (Oma Wetterwachs!), ist Patricia McKillip so was wie ein Alltime-Favorit. Die „Riddle-Master“-Trilogie war ihr Erstlingswerk und ich liebe sie dafür heiß und innig, aber ich liebe auch fast alle ihrer späteren Bücher. Ich liebe ihre Beschreibung von Magie, die lebensbejahende Schönheit und Sanftheit ihrer Sprache – ich kehre so gern in ihre Welten zurück.

 

Ein Buch muss die Axt sein – 365tageasatzaday

 

 

 

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14 Kommentare zu “Samstag, 13. September 2014

  1. „Désirée“ habe ich auch verschlungen (eine alte Ausgabe im Bücherschrank meiner Mutter, neben ihren „Angelique-Bänden“, die ich nicht mochte). Und die „Buddenbrooks“ (ich liebe Lübeck!) genauso, wie alle frühen Werke von Thomas Mann („Tod in Venedig“) – herrlich fand ich diese dunkelhaarigen Künstlertypen, die fasziniert die blonden Lebenstüchtigen beobachtet und teilweise mit kranker Liebe verfolgt haben, ohne ihnen doch jemals wirklich nahe zu kommen …
    „Grüne Tomaten“ ist ein absolutes Muss – ich favorisiere den Film: Vor allem die Szene auf dem Supermarktplatz: „Seht es ein, Mädels, ich bin älter und viel besser versichert …“
    Das hat was von „Ich habe eine Wassermelone getragen“ (Baby in „Dirty Dancing“).
    „Die Nebel von Avalon“ gehören natürlich auch zu meiner Jugendzeit und faszinierten mich damals, heute würde ich sie allerdings nicht noch mal lesen.

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      • Ach, ich habe auch noch „Vom Winde verweht“ zigmal gelesen und natürlich auch den Film dazu x-mal geguckt und jedes Mal geheult, wenn sie am Boden kniet und in der Erde wühlt: „Ich werde nicht aufgeben. Land ist das Einzige, was zählt.“
        Später gab es dann Fortsetzungen als Buch „Scarlett“ und „Rhett“, die fand ich aber nicht so faszinierend.
        Als Jugendliche habe ich in punkto Krimi übrigens die Edgar Wallace-Taschenbücher meiner Mutter total spannend gefunden.

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  2. Auch wenn ich es fast ein bisschen peinlich finde, mich in diese interessanten Diskussion einzumischen, möchte ich dennoch kurz etwas zu dem Beitrag schreiben, da ich die Idee wunderbar finde.
    Peinlicherweise habe ich von etlichen genannten Werken gehört (Die Buddenbrooks, Kassandra, Grüne Tomaten), aber selbst nur wenige gelesen (Der Herr der Ringe, Der Steppenwolf). Das werde ich wohl in nächster Zeit ändern müssen.
    Und um deiner Aufforderung nachzukommen: Spontan fallen mir drei Bücher ein, die ich immer und immer wieder gelesen habe: Die Tintenwelt-Trilogie (Cornelia Funke), Timm Thaler (James Krüss) und sämtliche Werke von Walter Moers. Zu empfehlen sind allerdings auch die Hörspielfassungen von Tintenherz (Rainer Strecker) und den Walter Moers-Büchern (Dirk Bach).

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    • Hey, deine Gedanken sind herzlich willkommen! Mach dir keinen Kopf, dass dir ein paar dieser Bücher nicht so viel sagen – gemäß eurer Aussage auf eurem Blog seid ihr Schülerinnen. Dagegen bin ich eine alte Tante 😉
      Klar kenne (und mag) ich die Tintenwelt-Trilogie, aber sie ist für mich halt nicht DAS große Ding. Dagegen werde ich mit Moers bisher nicht so richtig warm. Dirk Bach wiederum ist/war großartig.

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    • Ich habe eine Zeitlang Paulo Coelho sehr intensiv gelesen und ich glaube, Brida war nicht dabei. Coelho hat ein spirituelles Grundthema, das meiner Erfahrung nach überall massiv durchscheint und das ich sehr liebe. Ich schau mal, ob die Bücherhallen es haben, dann könnte ich bald mitreden.
      Duzen ist völlig okay, ich stehe auf dem Standpunkt, dass Höflichkeit/Respekt keine Fragen des Personalpronomens sind, noch dazu im Internet. Aber selbstverständlich möchte ich keine Grenzen niederbügeln. Ich habe dich auf deinem Blog schon geduzt – war das okay *schlechtes Gewissen hab*?

      Liebe Grüße – Christiane

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      • Ich habe nicht soviel von ihm gelesen, aber dieses hat mich sehr gerührt. Es ist alles gut. Ich konnte mich nur nicht mehr daran erinnern, das wir uns schon geduzt haben :-). Für mich ist es völlig in Ordnung und kein Grund für ein schlechtes Gewissen. Wenn es mich gestört hätte, hätte ich etwas gesagt. Ich freue mich. Melanie

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Ja, eben. Und du so?

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