Immer am Anschlag – Samstag, 20. September 2014

Der Mensch: ein Wesen, das am Ende einer Woche Arbeit entstand, als Gott bereits sehr müde war.

(Mark Twain)

 

Ich denke darüber nach, wie viele Leute ich kenne, die eigentlich „immer am Anschlag“ sind. Die immer arbeiten (wollen oder müssen), immer im Stress sind, immer ihre Stunden mit noch mehr vollstopfen, bei denen ich das Gefühl habe, die drehen ihr Hamsterrad selbst und mit Schwung, aber hoppla! Und wenn sie nicht auf der Arbeit sind, dann stürzen sie sich in die Freizeit, denn schließlich müssen Kontakte ja gepflegt werden und man will ja auch was erleben! Wie, du bist am Wochenende allein zu Hause? Die ganze Zeit? Du gehst nicht weg? Bist du okay? Sollen wir vorbeikommen?

Natürlich muss ich mir sagen lassen, dass ich ein introvertierter Couch-Potato bin, und dass es Leute gibt, die sich entspannen, wenn sie sich auspowern, beim Sport zum Beispiel oder wenn sie die Nacht durchtanzen. Klar, funktioniert, ist aber nicht mein Punkt.
„Entschleunigung“ heißt das Zauberwort, „Innehalten“ und meinetwegen auch „Achtsamkeit“. Aber eigentlich bedeutet es nur: langsam machen! Weniger konsumieren, sich Zeit nehmen für sich selbst, den Druck rausnehmen. Nicht alles, nicht sofort. Langsam leben. Bewusst.

Das „am siebten Tage sollst du ruhen“-Gebot habe ich früher als den Versuch verstanden, das Volk an jenem Tag in die Kirche zu treiben und heftig abgelehnt, na klar. Inzwischen fällt mir auf, dass Pausen eine gute Sache sind :-), egal wofür man sie verwendet. Ein Kollege sprach mal von „geistiger Arbeitshygiene“, und meinte damit, die Arbeit auf der Arbeit zu lassen. Abschalten können und dürfen, auch ein wichtiger Punkt.

Wünsche euch ein schönes Wochenende mit vielen Wohlfühlmomenten!

 

Mensch Gott Arbeit müde – 365tageasatzaday

 

Advertisements

13 Kommentare zu “Immer am Anschlag – Samstag, 20. September 2014

  1. Ein hoher Beamter des Kaisers fragte einen Zen-Meister was Zen sei. Der Meister antworte: „Ich esse, ich trinke und ich schlafe.“ – „Aber das tue ich doch auch!“ – „Ich erlaube mir zu essen, ich erlaube mir zu trinken und ich erlaube mir zu schlafen.“

    Gefällt 1 Person

  2. Tja, alles leichter gesagt als getan, wenn sich das Hamsterrad erstmal dreht und man im Familien- bzw. Alltags- und Arbeitskarussell mitschwingt und seine Arbeitszeiten nicht selbst gestalten kann, sondern zu gewissen Zeiten doch mal im Büro auftauchen und alles wegarbeiten muss. Und eben auch Geld verdienen muss, weil Verpflichtungen wie studierende Kinder vorhanden sind. Kontakte müssen nun mal gepflegt werden, sonst hat man bald keine mehr (und jeder fordert halt sein Schärflein, nicht wahr?) aber seine Freizeitaktivitäten kann ja zum Glück ein jeder nach seinem Gusto gestalten. Alles nicht so einfach wie zu der Zeit, als die Menschen noch nicht so viel um die Ohren hatten. Wie Mark Twain und die Menschen zu seiner Zeit wahrscheinlich auch nicht :-).

    Gefällt 1 Person

    • Absolut richtig, dein Einwand. Und wenn es dir gut tut, dann mach doch! Solange du es bewusst tust, solange du jeden Moment genießt (okay, möglichst viele ;-)), solange du dich selbst bestimmst (nach Möglichkeit), sind wir nicht weit voneinander entfernt.

      Nur eins glaube ich nicht: dass Twain und Co. ihre Zeit als einfacher empfunden haben. Wir empfinden heute die Zeit vor der Einführung von Handy und Internet als entspannt, aber war sie das wirklich? Nein, sie war nur anders.

      Willkommen auf meinem Blog übrigens! 🙂

      Gefällt mir

      • Du hast Recht, es war früher ein ganz anderer Stress. Ich erinnere mich noch an mein erstes Studium, SS 1971. Es gab keine PCs, nicht einmal elektronische Taschenrechner, und Handys gab es schon gar nicht. Ein Gleichungssystem mit 10 Unbekannten musste mit dem Rechenstab berechnet werden. Da ging so manche Stunde bei drauf. Nicht aufgepasst, d. h. irgendwo falsch abgelesen, und man konnte von vorne anfangen. Heute ist die einzige Anstrengung, die Zahlen richtig einzutippen und das richtige Ergebnis ist in Sekunden da und die nervenaufreibende Rechnerei fällt flach. Für eine Info für den übernächsten Tag musste man die Termine der Bibliothek im Kopf haben, rechtzeitig ankommen und sich durch die Kataloge durchwühlen – und wenn man Glück hatte, konnte man die Info mitnehmen. Heute habe ich in Sekunden die Info über das Netz zu jeder Tages- und Nachtzeit. Oder es droht ein Termin zu platzen weil ein Stau auf der Straße ist, oder die U-Bahn fällt aus … und es ist keine öffentliche Telefonzelle in der Nähe.
        Diese Situationen haben mich früher viel Zeit und viele Nerven gekostet. Ich gebe zu, die Zeit scheint schneller geworden zu sein, weil die Anforderungen schneller aufeinander folgen. Will sagen, heute ist es ein anderer Stress, aber nicht weniger oder mehr.

        Gefällt 1 Person

        • Ich habe den Verdacht, dass man sich zu allen Zeiten über die Hektik und Ruhelosigkeit im Alltag beschwert hat. Ich habe also gerade Herrn Google bemüht und zwei Zitate gefunden:
          1. „Das meiste von dem, was wir sagen und tun, ist unnötig und wenn man es wegließe, würde man mit mehr Muße und weniger Unruhe leben.“ (Marc Aurel, 121-180 n. Chr.)
          2. „Man schämt sich jetzt schon der Ruhe; das lange Nachsinnen macht beinahe Gewissenbisse. Man denkt mit der Uhr in der Hand, wie man zu Mittag isst, das Auge auf das Börsenblatt gerichtet – man lebt wie einer, der fortwährend etwas ‚versäumen könnte'“.
          (Friedrich Nietzsche, 1844-1900)
          Dazu passt, dass ich heute auf Spiegel Online einen Artikel über FOMO gelesen habe. FOMO? YOLO, Alter! 🙂

          Gefällt mir

  3. Und dann gibt es noch die Arbeit, die nicht gefällt und einem die Lebenszeit raubt. Gefühlt.
    Daraus ergibt sich auch ein unglaublicher Drang oder Wunsch, die wenige verbleibende Zeit mit Menschen und Dingen zu verbringen, die einem selber wieder Kraft und gute Laune bringen. Manchmal.

    Gefällt 1 Person

    • Genauso ist es. Deine Sätze unterschreibe ich sofort. Meine Überlegung ist nur: konsumiert man dann was auch immer (Freunde, Dinge, Erlebnisse) suchtartig (je mehr, desto besser, bloß nicht nachdenken) oder bewusst? Immer oder phasenweise? Will man seinen Zustand überhaupt verändern? Ich habe Fragen und ganz sicher keine Patentlösungen, nicht falsch verstehen …

      Gefällt mir

      • Es wechselt immer wieder. Mal ist es nur schneller Konsum, auch der Kontakt mit anderen Menschen, mal ist es bewusst. Ich glaube, dass jeder immer wieder Momente hat, in denen man einfach nur flüchten möchte. Dann muss die Flucht aber auch ergriffen werden, bevor einem der Schädel platzt oder blöde Worte entweichen. Und die Grenzen legt nun mal jeder für sich fest und auch diese Grenzen ändern sich immer wieder. Manchmal gibt es dafür Momente, in denen ich auch über all das nachdenke. 😉

        Gefällt 1 Person

  4. Ach so 😉 Wenn ich müde bin und vielleicht unkonzentriert, gelingt mir auch nicht alles. Warum sollte es beim ‚lieben Gott‘ anders sein?

    Ansonsten: man wird schon für leicht komisch gehalten, wenn man auch mal gerne ruhig zu Hause ist. Aber ich mache mir nichts daraus. Wenn ich etwas erlebt habe, muss ich das alles erst in Ruhe verdauen und will nicht schon wieder etwas Neues drauf setzen. Sicher, es gibt Verpflichtungen, aber wenigstens die Freizeit sollte man doch weitgehend selbst nach seinen Wünschen bestimmen und gestalten.

    LG, Franka

    Gefällt 1 Person

    • Wenn du das so schreibst, klingt es einfach. Ist es vermutlich auch: bewusst entscheiden, was man tut und was man lässt, und mit den Konsequenzen leben. Ich habe weiter oben diesen FOMO-Artikel verlinkt (Fear Of Missing Out – die Angst, etwas zu verpassen), da habe ich mir echt an den Kopf gefasst. Schönen Sonntag dir!

      Gefällt mir

      • Früher hatte ich auch Angst, etwas zu verpassen, aber wenn man älter wird, verblasst einiges von selbst und man findet immer mehr heraus, was einem gut tut.
        Dir auch einen schönen Sonntag (hier ist Regenwetter)

        Gefällt 1 Person

Ja, eben. Und du so?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s