Kitschoffensive – Sonntag, 12. Oktober 2014

Da fängt man an, was zu schreiben. Breitet (gestern) in wohlgesetzten Worten ein kleines, feines Bild eines familiären Unfriedens aus.
Und was kommt? „Kannst du auch nett?“ Oder, in lang: „Schreibst du mir morgen aus den Worten eine fröhliche, glückliche Geschichte?

Lieber Herbert. Wenn ich das nicht als mein privates Schreibexperiment, sprich, als Spielwiese ansehen würde, dann würde ich mich jetzt empört aufplustern und dir was von den Reifen, durch die man nicht springen muss, erzählen.
Da ich neugierig war und es ausprobieren wollte, spare ich mir das und nicke. Ja, kann ich. Ich hoffe, es gefällt dir, aber rechne nicht damit, dass der Trick öfter klappt.
Und von allen anderen wüsste ich gern, was euch mehr anspricht.

Nein, ich werde diesen Erguss nicht nochmal bei der lieben Frau Ahnungslos einreichen. Schaut bei dem gestrigen Beitrag nach, wenn ihr nochmal was über das Procedere lesen wollt.
Zur leichteren Übersicht sind hier aber erneut die 10 Worte, die die Geschichte bestimmen: Sprache, Schönheit, Anerkennung, Frieden, Spätsommer, Tee, Kerzen, Häkeldecke, Wiedersehensfreude, Wollkiste.

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Nicht mehr lange, dann würde er endlich wieder bei ihr sein! Wiedersehensfreude war die schönste Vorfreude von allen, das hatte sie schon immer geglaubt. Der Spätsommer überstrahlte ihren Garten mit leisem Frieden und lud auf die Terrasse ein.
Alles war vorbereitet. Für den Fall, dass es später kühl werden würde, legte sie die Häkeldecke draußen auf die Bank. Mohair! Groß genug für zwei! Und warm! Als sie einander kennenlernten, war sie ihr ganzer Stolz gewesen.
Sie lächelte in der Erinnerung an seine ersten Kämpfe mit den deutschen Umlauten. Inzwischen zollte sie ihm für die Beherrschung ihrer Sprache, die längst zu seiner geworden war, gern mehr als Anerkennung.
Sie warf einen letzten Blick in ihr Wohnzimmer. Graue Katzenpfoten ragten aus der Wollkiste neben der Couch, ihr schlafender Liebling war wie immer ein Bild entspannter Schönheit. Sie entzündete die Kerzen auf dem Tisch und sah nach dem Tee.
Als es klingelte, lief sie beschwingt zur Tür.

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Bank am Teich – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

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4 Kommentare zu “Kitschoffensive – Sonntag, 12. Oktober 2014

Ja, eben. Und du so?

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