Löwe und Schaf – Samstag, 18. Oktober 2014

Lieber ein Jahr wie ein Löwe als hundert Jahre wie ein Schaf.

(Italienisches Sprichwort)

 

Darüber gestolpert und angefangen, nachzudenken. Ist das so? Ich meine, klar, es gibt viele, die so leben. Nach mir die die Sintflut, ich lebe mich aus, ich nehme alles mit. Wild und gefährlich. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ich geb Gas, ich will Spaß. (Ich fand und finde das Lied so bescheuert.) Und dann? Selbst das Sprichwort spricht von einer begrenzten Zeit, die die Herrlichkeit andauert. Was ist danach, wenn man von der Überholspur gefallen ist, man nicht mehr dazugehört, weil man vielleicht (körperlich, geistig, finanziell) nicht mehr kann. Dann willkommen bei den Schafen, von denen man vorher gelebt hat, abhängig vielleicht sogar von deren Freundlichkeit? Keine schöne Aussicht.

Nun will ich auch nicht unbedingt die Schafe schlechtreden. Das „normale“ Leben aufzubauen, einen Job und einen Partner zu finden, Kinder zu bekommen und zu erziehen, vielleicht auch ein Haus zu bauen, jedes Jahr in Urlaub zu fahren, alle paar Jahre ein neues Auto und zwischendrin sich immer was leisten zu können, kontinuierlich und geduldig – das ist nicht wenig. Das ist sogar verdammt viel. Man richtet sich ein. Es hört sich nur gegenüber dem „Löwen“-Leben leicht fad an.

Bestimmt träumen Schafe von einem Leben als Löwe, die Medien sind voll davon (und von dem Scheitern). Träumen die Löwen manchmal von einem Leben als Schaf? Ich bin sicher, sie tun es, zumindest von einer für sie passenden Adaption, auch das ist Stoff für die Medien.

Meine Sympathie gilt wie immer denen irgendwo dazwischen. Denen, die wissen, dass Wiederkommen nicht dasselbe ist wie nie gegangen zu sein. Denen, die aus Schaden klug (nicht „gerissen“ – Mascha Kaléko) geworden sind. Denen, die, weil sie nicht anders können, ihren eigenen Weg zwischen den Löwen und den Schafen suchen, meist leicht befremdet beäugt von beiden. Denen mit den Füßen auf der Erde und dem Kopf in den Wolken. Ja.

Löwe im Tierpark Hagenbeck – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

Mit freundlicher Genehmigung vom Tierpark Hagenbeck.

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16 Kommentare zu “Löwe und Schaf – Samstag, 18. Oktober 2014

  1. Von allem etwas, das ist wohl jedermanns Traum. Mit den Löwen brüllen und den Schafen blöken. Aber man kann nicht alles haben, das zeigt die Realität. Man muss für sich selbst einen Weg (oder mehrere Pfade) finden. Möglichst, ohne anderen auf die Füße zu treten und möglichst so, um sein Leben lebenswert zu finden. Ich könnte noch einiges dazu schreiben, aber die Herde ruft :-). Nicht einfach, dieser Spagat. Ein guter Denkanstoß von dir. Vielen Dank.

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  2. Für mich ist das Leben weder schwarz noch weiß. Es hat unglaubliche Schattierungen. Und wir bewegen uns mal mehr in die eine, mal mehr in die andere Richtung. Manchmal ist die Schattierung allerdings blöde.

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  3. Ich bestimme mein Leben in weiten Zügen selbst. Ich verantworte es auch selbst.
    Die Grundsatzentscheidung wurde schon vor vielen Jahren getroffen. Mal war ich Löwe, öfter aber Schaf. Angefühlt hat sich beides gut. Halt jedes zu seiner Zeit.

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Ja, eben. Und du so?

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