Wunder – 12. November 2014

Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.

(Hilde Domin)

 

Wenn man „Wunder“ als das Eintreten von etwas definiert, was man für schlichtweg unmöglich und völlig ausgeschlossen hält (Präsens, also: andauernd), dann glaube ich an Wunder. Schön, ich tu mich schwer mit den Naturgesetzen dabei, mir fällt es schwer, daran zu glauben, dass z. B. Elefanten ohne fremde Hilfe fliegen können. Aber vermutlich ist der Begriff in diesem Fall überstrapaziert.

Was mir an dem Gedicht gefällt, ist die Haltung. Nicht „müde“ werden, eingefahren, Tunnelblick, blind für alles, was abseits vom Weg passiert, im Kopf verschlossen. Sondern offen sein, sensibel, abwartend, als ob man einen Vogel locken will, der sich (vielleicht) entschließen wird, von der Handfläche Futter zu nehmen. Vertrauen.

Manchmal klappt das, manchmal nicht. Aber der Versuch lohnt immer. Nicht nur wegen des Wunders, das dann ganz bestimmt auch nicht blau sein muss …

 

Kohlmeise auf der Hand – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

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