Unstern Liebe – Freitag, 21. November 2014

Der Stern erstrahlte so munter, | Da fiel er vom Himmel herunter.
Du fragst mich, Kind, was Liebe ist? | Ein Stern in einem Haufen Mist.

(aus: Heinrich Heine, Unstern, kompletter Text hier)

 

Tja, so kann es gehen. Wobei ich im Netz eher den Satz mit der Liebe zitiert finde als den Satz davor, und das alles oft in Gartenpublikationen stattfindet, denn eigentlich möchte Heines Stern in einen Garten fallen, weil es dort reinlicher sei und er nicht mit „Unrath bedecket“ würde. Klar, wenn ich schon aus dem siebten Himmel abstürze, dann möchte ich auch irgendwo weltabgeschieden vor mich hin leiden und mich nicht allen zum Fraß vorgeworfen fühlen.

Dennoch ist mir die Interpretation des zweiten Satzes näher. Liebe ist ein Stern in einem Haufen Mist. Reicht eigentlich schon als Aufgabe, den Stern im Mist des Alltags zu entdecken und zu würdigen.
Es ist nicht selbstverständlich: Wenn ihr eine Liebe habt, pflegt sie. Wenn ihr einen Menschen habt, den ihr liebt, zeigt/sagt es ihm oder ihr. Wenn ihr keine habt, dann zweifelt zumindest nicht daran, dass es sie gibt. Selbst wenn sie ein Stern (und damit ziemlich weit weg) ist.

 

misthaufen – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay