Weltenbauer – Freitag, 5. Dezember 2014

Tolkien hatte für mich immer eine ungeheuer faszinierende Dichte und Tiefgründigkeit. Was er erzählt ist eine unendliche Geschichte, denn es steckt immer noch eine Geschichte hinter der, an der man gerade arbeitet.

(John Howe in Auf den Spuren der Hobbits, Teil 1/5)

 

Es gibt Bücher, die liest man, und danach ist die Welt nicht mehr wie vorher. Heute empfinde ich so eine Aussage als Allgemeinplatz, aber je jünger man ist, desto mehr haut sowas rein. Als ich in meiner zarten Jugend zum ersten Mal in den Sog des „Herrn der Ringe“ (die grüne, 3-bändige Ausgabe in der alten Carroux-Übersetzung) geriet, hatte ich von Fantasy recht wenig Ahnung, um nicht zu sagen, gar keine. Selbst der „Hobbit“ hatte mich nicht sonderlich beeindruckt. Ich begann am Sonntagmittag mit der Lektüre, aß und schlief kaum. Als ich 1.000 Seiten später wieder zu mir kam, war es die Nacht von Montag auf Dienstag. Ich muss Schulferien gehabt haben, denn ich erinnere mich, dass ich ausschlief und dann wieder von vorn zu lesen anfing. Heute würde ich das als „Überdosis“ bezeichnen. :-)

Über die Jahre habe ich danach viel Fantasy gelesen. Aktuell steht in meinem Regal George R.R. Martin neben Richard Schwartz, um gerade angesagte Autoren zu nennen (das ändert sich auch wieder), aber auch so Außenseiter wie die von mir sehr geliebte poetische Patricia McKillip. Welten erbauen alle. Wie Tolkien ist keine/r. Und dass die Verlage auf die Cover anderer Autoren „In der Tradition von J.R.R.T.“ drucken ließen oder lassen, sagt etwas über Tolkien aus, nicht über die Qualität dieser Werke.

Ich habe Anfang des Jahrtausends (ha, wie das klingt!) der Verfilmung von Peter Jackson entgegengefiebert und bin heute noch sehr angetan von dem Ergebnis, das eindrucksvoll beweist, dass der „Herr der Ringe“ verfilmbar ist (entgegen Tolkiens Annahme); und ja, ich hatte im Vorfeld die ganzen „Werktreue“-Diskussionen verfolgt und jeden Trailer wieder und wieder geschaut. Die „Hobbit“-Filme ziehen mich weit weniger in ihren Bann, aber ich werde den dritten Teil ganz sicher auch genießen, wenn er demnächst startet.

Mittwochabend bin ich zufällig in einen Beitrag über Professor Tolkien auf ARTE geraten: J.R.R. Tolkien – Herr der Worte, Herr der Welten. Ein (neues) Portrait des Sprach-, Mythen- und Weltenerfinders, das versucht, sich dem Tolkien-Zauber anzunähern. Ich hoffe, dass man es danach irgendwo im Netz auftreiben kann, aber für die nächsten paar Tage ist es jedenfalls noch auf ARTE+7 zu sehen:

http://www.arte.tv/guide/de/049471-000/j-r-r-tolkien

Ebenfalls ist auf ARTE eine fünfteilige Serie angelaufen: Auf den Spuren der Hobbits. Nicht die Qualität wie das Portrait, aber kann sich ja noch steigern. Aus dem ersten Teil stammt obiges Zitat von John Howe. Mehr Infos hier.

El Señor de los Anillos lectura

 

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