Dem Vergessen entrissen

Besser ein Messer als ein Wort.
Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft
am Herzen vorbei
Nicht das Wort.
Am Ende ist das Wort,
immer
am Ende
das Wort.

(Hilde Domin, aus: Unaufhaltsam, gesamtes Gedicht hier)

Ich rege mich gerade mal wieder über die Copyrights auf, die es im Prinzip unmöglich machen, Gedichte, gerade Gedichte, legal zu zitieren, deren Autoren noch nicht vor mehr als 70 Jahren verstorben sind. Ich bin die erste, die jedem Autoren sein Scherflein Erlös gönnt, und gern mehr als das, aber fällt den Verantwortlichen nicht auf, dass sie damit die Dichter ein zweites Mal sterben lassen, indem sie jede wilde Veröffentlichung unterbinden?

Kein Wunder, dass Verkäufe zurückgehen. Kennt sie ja keiner mehr, die Autoren. Ruhet in Frieden, werte Nachlassverwalter, und … Wir leben aktiv vor, wie man Geschichte vergisst, und sägen die kulturellen Äste ab, auf denen wir sitzen. Bei aller Hochachtung für die Literatur (und Musik) von jenseits unseres regionalen Geistesraums, das kann es doch nicht sein.

Und 70 Jahre nach dem Todestag feiert dann der Kulturbetrieb die Wiederaufstehung einzelner Dichter und Dichterinnen und schwafelt von „dem Vergessen entrissen“, dem sie (streng nach Vorschrift) erst ausgesetzt  wurden. Na super.

 

 

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17 Kommentare zu “Dem Vergessen entrissen

Ja, eben. Und du so?

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