Frl. N. kann Mathe

Ich habe bisher, was produktive Leistungen betrifft die schlechtesten Erfahrungen in Bezug auf die studierenden Damen gemacht und halte das weibliche Gehirn für ungeeignet zur mathematischen Produktion; Frl. N. halte ich aber für eine der seltenen Ausnahmen.

(Edmund Landau, Mathematiker, verm. 1915, Quelle)

Frl. N. war die Mathematikerin Emmy Noether, die als erste Frau 1919 in Deutschland in Mathematik habilitieren durfte, und das auch erst, nachdem nach dem Ende des Kaiserreichs die Vorschriften, die z. B. die Habilitation von Frauen verboten, gekippt worden waren.

In Göttingen wirkte sie seit 1909, da sie auf dem Forschungsgebiet der Differentialinvarianten eine wirkliche Größe war. Göttingen war zu dieser Zeit das führende mathematische Zentrum Deutschlands und der Welt. 1915 wurde unter erheblichen Diskussionen versucht, für sie beim Ministerium eine Ausnahmegenehmigung zu erwirken, um ihr eine Lehrerlaubnis zu sichern. Man scheiterte. Emmy Noether musste daraufhin ihre Vorlesungen unter dem Namen von David Hilbert ankündigen, als dessen Assistentin sie fungierte.

Mit ihrer 1921 veröffentlichten Arbeit „Idealtheorie in Ringbereichen“ erregte sie international Aufsehen und schuf die Grundlagen der heute allgemeinen Idealtheorie. Doch ihr beruflicher Status änderte sich nicht, denn Diskriminierungen richteten sich nicht nur gegen sie als Frau, sondern auch weil sie Jüdin, Sozialdemokratin und Pazifistin war. 1922 wurde sie zur „außerordentlichen“ Professorin ernannt, ein Titel ohne Besoldung. Erst 1923 erhielt sie ihren ersten bezahlten Lehrauftrag (Quelle).
Die Nazis entzogen ihr 1933 die so hart erkämpfte Lehrerlaubnis. Sie emigrierte daraufhin in die USA und übernahm eine Gastprofessur am Women’s College Bryn Mawr in Pennsylvania. 1935 starb sie an den Folgen eines Unterleibstumors. Sie wurde 53 Jahre alt.

Emmy Noether hat in der Wissenschaft wichtige Spuren hinterlassen. Sie lieferte grundlegende Beiträge zur abstrakten Algebra und zur theoretischen Physik. Insbesondere hat Noether die Theorie der Ringe, Körper und Algebren revolutioniert. Das nach ihr benannte Noether-Theorem gibt die Verbindung zwischen Symmetrien von physikalischen Naturgesetzen und Erhaltungsgrößen an (Quelle: Wikipedia).

Weiterhin sind wissenschaftliche Programme, Schulen, Straßen und ein Mondkrater nach ihr benannt, und sie wird im Roman „Abendland“ von Michael Köhlmeier gewürdigt.

Emmy Noether wurde am 23. März 1882 geboren. Heute ist ihr 133. Geburtstag.

 

Emmy Noether – 365tageasatzadayQuelle: Wikipedia

 

9 Kommentare zu “Frl. N. kann Mathe

  1. Zitat: „… und halte das weibliche Gehirn für ungeeignet zur mathematischen Produktion …“ Solche Sätze wecken sofort das Biest in mir, aber zum Glück ist besagter Herr schon tot. In einer Zeit in der Frauen noch dumm gehalten worden sind, hat es trotzdem herausragende Persönlichkeiten gegeben. Man muss sich nur vorstellen, was Frauen geleistet hätten, wäre ihnen der Zugang zu Bildung un Politik schon vor Jahrhunderten gewährt worden.
    Ich zitiere mich selbst aus einem älteren Artikel: “ Männer galten bisher auch als intelligenter als Frauen. Dies widerlegt hat ausgerechnet ein Mann, der Wissenschaftler James R. Flynn. Seiner Meinung nach hat der IQ von Männern und Frauen in den letzten hundert Jahren zugenommen, bei Frauen aber schneller.

    Flynn nennt das “Die Konsequenz der Moderne.” Die Komplexität der modernen Welt erfordere eine Anpassung der Gehirne und lasse damit den IQ steigen. Flynn sagt weiter, dass die anspruchsvollere Lebensführung von Frauen eine mögliche Erklärung für die deutlichere Zunahme des IQ sei. Frauen müssten multitasking-fähig sein, den Beruf meistern und in der Regel auch noch die Familie managen. Der Effekt der Moderne auf Frauen beginnt grade erst, sich auszuwirken, so Flynn.“

    Danke für deinen Artikel und die Erinnerung an diese starke Frau!

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  2. Und ich danke dir für deinen ausführlichen Kommentar! Ich war zuerst auch amüsiert und fassungslos, als ich das Zitat las, aber ich finde es gut, daran erinnert zu werden, dass nicht alles selbstverständlich ist.
    Das propagierte Multitasking halte ich im Normalfall für keine positive Errungenschaft, der Druck, der dadurch aufgebaut wird, führt nur dazu, dass man sich hinterher wieder „entschleunigen“ muss. Dass Frauen oft vielfältigeren Belastungen ausgesetzt sind als Männer, und selbstverständlich(er) damit klarkommen (müssen), steht auf einem anderen Blatt.
    Einen guten Tag dir!
    Christiane

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