Einsamkeit

Auf der Suche nach Regengedichten (man muss ihn ja vielleicht nicht rufen, zumindest momentan nicht) bin ich über Rilke gestolpert. Auch wenn ich mit der letzten Zeile hadere, so hat es mir doch die wunderbare Vertonung angetan, Katharina Franck, unverwechselbare Stimme und Kopf der Band Rainbirds (ach), schmeichelt sich mühelos in mein Ohr. Dies wiederum führt mich zum Club der toten Dichter, die mit einer Rilke-CD ihr drittes Programm vorstellen. Die CD, die von „Einsamkeit“ eröffnet wird, umfasst 17 Titel und heißt „Eines Wunders Melodie“. Die Hörproben hauen mich jetzt insgesamt zwar nicht so vom Hocker, aber Katharina Franck muss ich mal nachgehen.

 

Die Einsamkeit ist wie ein Regen.
Sie steigt vom Meer den Abenden entgegen;
von Ebenen, die fern sind und entlegen,
geht sie zum Himmel, der sie immer hat.
Und erst vom Himmel fällt sie auf die Stadt.

Regnet hernieder in den Zwitterstunden,
wenn sich nach Morgen wenden alle Gassen
und wenn die Leiber, welche nichts gefunden,
enttäuscht und traurig von einander lassen;
und wenn die Menschen, die einander hassen,
in einem Bett zusammen schlafen müssen:

dann geht die Einsamkeit mit den Flüssen…

(Rainer Maria Rilke, Einsamkeit, aus: Das Buch der Bilder, Quelle)

 

Ach übrigens: Ich suche Harfenmusik. Nicht unbedingt das klassische elegische Geklimper, nicht unbedingt die keltische Fraktion. Ja, ernsthaft, kein Aprilscherz. Für Tipps zu Musikern und Stücken wäre ich sehr dankbar.

 

 

40 Kommentare zu “Einsamkeit

  1. ich kann anbieten:

    und als etwas ganz anderes die Glasharfe

    Guten Morgen aus dem Aprilwetter und im Bekanntenkreis ist vorgestern ein kleiner Niklas geboren, dem jungen Mann haben wir das also alles zu verdanken -:)))

    mit trotzdem fröhlichen Grüßen

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    • Oh, vielen Dank! Die Glasharfe finde ich sehr spannend, der andere ist mir zu „klassisch“. Aber im Grunde darf es gern mehr weg von der Klassik gehen.
      Hier wechselt das Wetter in atemberaubendem Tempo: je nachdem, aus welchem Fenster ich schaue, wechsele ich zwischen Pelzmantel, Schirm und Bikini 🙂

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  2. Mich hat das Gedicht neulich sehr bei der Ausführung eines Gedankens unterstützt. Ich liebe es nicht nur deswegen sehr. Das Hadern mit der letzten Zeile kenne ich gut. Ich verstehe sie nicht, finde jedoch, dass sie fein klingt.
    Hier scheint gerade die Sonne (oberhalb der Elbe), doch bestimmt nur kurz.
    Lieber Gruß, Jana

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    • Liebe Jana,
      das ist hier (Hamburg südlich der Elbe) nicht anders mit dem Wetter. Es stürmt gerade sehr und wechselt alle 10 Minuten.
      Und ja, ich finde auch, dass die Zeile fein klingt.
      Liebe Grüße, Christiane

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  3. Hmmm ….. ich schließe dann mal Bodo Wartke an:
    Deswegen bin ich gegen den Regen.
    Der Regen hört nicht auf mich aufzuregen.
    Regen macht mich tierisch depressiv.
    Immerzu und immer wieder
    schlägt der Niederschlag mich nieder.
    Deswegen find‘ ich Regen mega negativ.

    Jaaa ähmm zugegeben, klingt gesungen besser 😉

    Tja und jetzt grüble ich nach, wie die Harfenspielerin heißt die ich in der Glocke gesehen habe.
    Fällt mir nicht ein….. aber da gab es doch die von voice of UK
    get lucky auf der Harfe.

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  4. es ist ein wundervolles Gedicht von ihm.
    Im RilkeProjekt wird es von Udo Lindenberg gesprochen (gesungen kann man es nicht nennen, aber wundervoll musikalisch unterlegt u. er spricht es so gut, wie ich es ihm nie zugetraut hätte, man/frau muß es selbst hören, um es glauben zu können)

    Die letzte Zeile…, tja
    Es muß bedeuten, daß die Menschen, die sich zwar bisher hassten, nun aber zusammenliegen müssen, sich plötzlich nicht mehr so einsam und alleine fühlten wie bisher, denn sie fühlten einen warmen Menschen neben sich
    *und die Einsamkeit ging mit den Flüssen*
    Sie verschwand in der Ferne…

    Würde ich es nicht so verstehen können, würde ich diese Zeile nicht mögen

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  5. Rilke ist einfach wunderbar; in seinem umfangreichen Werk findet man immer etwas Passendes. Ich erwähnte gerade mein Winterprojekt (wir haben doch Winter, oder?) … ich formatiere meine Festplattengedichtsammlung und drucke sie dann aus. Regengedichte habe ich auch mal gesammelt. Allerdings sind die meisten lyrische von Britting. Wahrscheinlich braucht man die in unserer Zeit am häufigsten 😉
    Und meine Zitatesammlung habe ich auch schon ausgedruckt.
    Schöne Ostertage wünsch‘ ich dir, Ingrid

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  6. Ich schließe mich bruni8wortbehagens Interpretation an. Wenn die Einsamkeit wie Regen kommt, geht sie mit den Flüssen. Sie geht, wenn zwei einander hassende Menschen in einem Bett zusammen schlafen müssen. Sie sind gemeinsam einsam; geteiltes Leid ist halbes Leid. Wie aber der Regen Teil eines Kreislaufs ist, so ist auch die Einsamkeit Teil eines Kreislaufs. Ist sie gegangen, kommt sie wieder. Was also könnte diesen Kreislauf unterbrechen?

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      • Es ist ja nur ein scheinbares Gehen. So wie der Regen mit den Flüssen geht, ins Meer mündet, verdunstet und als abregnende Wolke wiederkommt, so kommt auch die Einsamkeit mit voller Wucht zurück. Und ja, der Moment zwischen Nacht und Tag, ist die einsamste Stunde am Tag, wenn du allein bist und dich nach Nähe sehnst. Vor allem, wenn du in der Nacht davor nach Anschluss gesucht hast. Vergebens. Und wenn du in deine Wohnung zurückkehrst ist es schon ein kleiner Trost, ein kleines Überwinden der Einsamkeit, dass da jemand ist, den du nicht liebst, aber immerhin noch hasst, mit dem man das Bett und die Einsamkeit teilt. Stell dir vor, nach solch einer Nacht kehrst du nach Hause und die Wohnung ist leer. Nicht mal ein Haustier. Dann geht die Einsamkeit nicht. Auch nicht scheinbar. Sie wird unerträglich. | Ich bleibe dabei, es gibt für mich nicht die eine Interpretation eines Zitats/Gedichts. Wichtig ist, was ich für den Moment daraus lese und schließe. Vielleicht lässt es mich ratlos zurück, vielleicht hilft es mir, vielleicht zieht es mich ‚runter. Ich hatte es auch schon, dass der Aha-Effekt erst nach Jahren eintrat.

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        • Weißt du, ich verstehe deine Erklärung vollkommen, selbst die Tatsache, dass zurückzukommen zu jemandem, den man hasst, die Einsamkeit vertreibt. Da gibt es nur ein ja|nein: da|nicht da. Schon klar.
          Trotzdem macht die Zeile in dieser Wenn-dann-Beziehung für mich keinen Sinn. Ich muss wohl wirklich auf den irgendwann eintretenden Aha-Effekt vertrauen. Danke dir jedenfalls sehr.

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