Morgen für Morgen kommt man zur Welt

Morgen für Morgen kommt man zur Welt.

(Eugène Ionesco, Quelle)

Was ist die Folgerung? Dass sich an jedem Tag alles ändern kann? Dass jeden Tag alles neu ist? Dass wir jeden Tag so leben sollten, als ob es ein besonderer Tag wäre? Das sind zumindest alles Ansätze, die das Nachdenken lohnen. Und wenn man jeden Morgen neu zur Welt kommt, dann sei da auch die Frage erlaubt: Wo war man vorher? Ist der Hafen, dem man jeden Morgen entschlüpft (der Schlaf, das sichere Bett), also nicht „Welt“?

Wie dem auch immer sei, eine Freundin bat um ein Bild von dem Minifroschi aus dem Arboretum. Hier! Ich war versucht, eine 2-Cent-Münze daneben zu schmeißen um der Größenverhältnisse willen, wollte ihn aber nicht noch zusätzlich erschrecken, er hatte eh schon mächtig Stress und es sehr eilig, als er den Sandweg überquerte.

Kleiner Frosch im Arboretum – 365tageasatzaday

Quelle: ichmeinerselbst

 

Außerdem hat mich die Nachricht erreicht, dass ich mich über die Ankunft eines bestimmten neuen Erdenbürgers freuen darf. Und genau das tue ich hiermit. Ich freue mich. Happy Birthday, Kleines! Happy Kind, Mama + Papa! :-)

Mohnknospe  im Arboretum – 365tageasatzaday

Quelle: ichmeinerselbst

 

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Wir sind ganz angstallein

Wir sind ganz angstallein,
haben nur an einander Halt,
jedes Wort wird wie ein Wald
vor unserm Wandern sein.
Unser Wille ist nur der Wind,
der uns drängt und dreht;
weil wir selber die Sehnsucht sind,
die in Blüten steht.

(Rainer Maria Rilke, aus: Die frühen Gedichte (Gebet der Mädchen zur Maria) (Quelle))

Gestern hab ich es mir wieder mal gegeben. Ich war im Arboretum Ellerhoop-Thiensen, einem meiner Lieblingsplätze zum Fotografieren, wenn ich „Blümchen knipsen“ will, und bin mit einer überquellenden (na gut, es war nicht ganz so schlimm, aber es war schon heftig) Speicherkarte wiedergekommen. Neben gefühlten hunderttausend Hummeln und anderem fliegendem Volk (auch Vögel) habe ich ein Eichhörnchen, einen Miniminifrosch, eine Katze und zwei Hasen gesehen. Nicht gesehen, dafür gehört, habe ich Frösche am Lotosblumenteich in einer derartigen Lautstärke, wie ich sie schon seeeehr lange nicht mehr gehört habe. Ich reiche Fotos nach, das wird aber noch dauern.

Was ich sagen will: der Sommer ist auch im Norden angekommen, jetzt endlich auch, was die Temperaturen angeht.

Kommt gut in die Woche!

 

Rosenpaar Arboretum – 365tageasatzaday

Quelle: ichmeinerselbst

 

Von den heimlichen Rosen

Heute Morgen war mir mal nach Basteln, hatte ich doch neulich an einem Blumenstand eine so ungeheuerlich zauberhafte Rose entdeckt …

Es rost und rost in den Vorgärten und Hecken, wohin man schaut, und ähnlich wie das fliegende Volk taumele ich von einem Duft zum nächsten und schließe ab und an beseligt die Augen. Es ist einfach nur schön. Ich glaube, ich MUSS heute mit der Kamera raus, nachdem der Sommer sich anscheinend endlich entschieden hat, in den Norden zu kommen …

 

Von den heimlichen Rosen

Oh, wer um alle Rosen wüßte,
die rings in stillen Gärten stehn –
oh, wer um alle wüßte, müßte
wie im Rausch durchs Leben gehen.

Du brichst herein mit rauen Sinnen,
als wie ein Wind in einem Wald –
und wie ein Duft wehst du von hinnen,
dir selbst verwandelte Gestalt.

Oh, wer um alle Rosen wüßte,
die rings in stillen Gärten stehn –
oh, wer um alle wüßte, müßte
wie im Rausch durchs Leben gehen.

(Christian Morgenstern, Quelle)

 

Habt einen wunderschönen, geruhsamen Sonntag!

 

Rose Morgenstern – 365tageasatzaday

Quelle: ichmeinerselbst, siehe oben

 

Sprossen, Update

Wie ihr ja schon meinem Post von neulich (Sprossen, anyone) entnehmen konntet, ziehe ich gerade meine ersten Sprossen. Komme mir vor wie ein Kind in der Schule, das eine Bohne wässern und großziehen soll. Alles so schön bunt hier :-) Nun dachte ich, ich zeige mal.

Also, hier, das waren die Sprossen am Mittwoch, links Alfalfa, 3. Tag, rechts Mungbohnen, 2. Tag

Alfalfa- und Mungsprossen – 365tageasatzaday

Quelle: ichmeinerselbst mit dem Handy

Da war noch nicht viel los, es war auch noch kalt hier, ich hab sie daraufhin nach wärmer umgestellt.

Jetzt hat sich das mit dem Wetter gebessert, sie sind an ihren alten Standort zurückgewandert. Das sind sie heute, links Alfalfa, 6. Tag, rechts Mungbohnen, 5. Tag. Die Mungbohnen sind heute fällig, da hab ich vielleicht sogar einen Tag zu lange gewartet, ich freu mich schon.

Alfalfa- und Mungsprossen – 365tageasatzaday

Quelle: ichmeinerselbst mit dem Handy

Außerdem ziehe ich in einem dritten Glas Radieschensprossen, die gibt es morgen.

Kommt mir insgesamt wie ein leicht mühseliges Geschäft mit relativ wenig Ertrag vor, da ich meine Sprossen nicht zur Deko drüber bröseln möchte. Andererseits kann ich beim nächsten Mal auch bisschen mehr ansetzen …

 

Höher springen

Der Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand.

(Mongolisches Sprichwort, Quelle)

Ein Aufruf zum Aufbruch wieder mal? Langsam gehe ich mir selbst damit auf die Nerven. Grenze erkannt: und dann? Zufrieden sein, „reicht mir“ sagen? Ist doch ehrenwert und durchaus auch eine Aufgabe, die sich gewaschen hat, das Leben im Brunnen mit Leben zu füllen. Bin ich nicht gern da, wo ich bin? Doch, bin ich.
Es gibt so einen Spruch, der besagt: Zurückkommen ist nicht das Gleiche wie nie gegangen sein, und das stimmt natürlich auch. Was ist das, diese innere Unruhe, dieses Sehnen nach Ungekanntem, nach: es muss doch mehr als alles geben? Ganz sicher ist, dass ich es immer schon habe, ganz sicher ist, dass ich nicht allein damit bin.

Kommt gut ins Wochenende!

 

Cool smoker – 365tageasatzaday

Quelle: ichmeinerselbst

 

Manches existiert einfach

Not everything has to mean something. Some things just are.
(Nicht alles muss etwas bedeuten. Manches existiert einfach.)

(Charles de Lint, Quelle)

Meine Sprossen (Alfalfa und Mungbohnen) wachsen wie bekloppt, nachdem ich sie wärmer gestellt habe. Dafür herrscht heute in meinem Kopf eine große Nachdenk- und Formulierunwilligkeit, und das Wetter könnte auch besser sein.

Macht euch einen schönen Tag!

 

Mohn – 365tageasatzaday

Quelle: ichmeinerselbst

 

Macht Bäume umarmen gesund?

Bäume sind Heiligtümer. Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören weiss, der erfährt die Wahrheit.

(Hermann Hesse, Quelle)

Ich habe „Bäumeumarmer“ schon als Schimpfwort für „Öko-Romantiker“ (oder noch schlimmer, irgendwas mit „spiri“ oder „esoterisch“) gehört, als man mit Öko-Freaks noch Peter Lustig und Latzhosen verband und es noch keine Industrie war. Zugegeben: wer liest, dass „nordamerikanische Indianer“ (sorry, genauer stand es da nicht, aber ist es nicht toll?) Bäume als „Stehendes Volk“ bezeichnen, muss schon einen Hang zu „spiri“ haben, um sich nicht kopfschüttelnd abzuwenden.
Und selbstverständlich gibt es die, die immer alles „gut meinen“, aber von Ahnung komplett unbeleckt sind. Fragt sich nur immer, wer das nach welchen Maßstäben beurteilen will. Aber das ist nicht mein Thema.

Gestern fand ich höchst amüsiert auf geo.de folgende „Frage des Tages“: Macht Bäume umarmen gesund? Klickt selbst und ratet mit!

Und etwas über die heilende Kraft von Holz und Spaziergängen im Wald stand in der FAZ.

 

Bäume umarmen – 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay

 

Sprossen, anyone?

Echte Männer essen keinen Honig – sie kauen Bienen.

(Spontispruch, Quelle)

Auf meiner Fensterbank steht ein großes (Sprossen-) Glas, in dem in den nächsten Tagen Alfalfa wachsen soll. Ich habe noch nie Sprossen oder Keimlinge oder oder oder gezogen, und trotz eifrigen Lesens und YouTube-Guckens steh ich auf dem Schlauch. Wie hell muss/darf es sein? Wie warm muss es sein? Meine Küche, wo ich die Zucht eigentlich ansiedeln wollte, ist nämlich eher kühl, eigentlich immer, also auch in diesem bisher Nicht-Sommer. :-/

Im Zuge einer anstehenden Ernährungsveränderung möchte ich mit Sprossen experimentieren, die ich vor allem in/als Salate/n und aufs Brot, also roh, verarbeiten will. Bisher hat mir alles, was ich in Form von Sprossen probiert habe, gut geschmeckt. Okay, wirklich viel war es noch nicht.
Ideen, Tipps, Warnungen, Anregungen sind also herzlich willkommen.

 

Brokkolisprossen – 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, und angeblich sind das Brokkolisprossen

Gebet? Was?

Im Leben des Indianers gibt es nur eine unumgängliche Pflicht: die Pflicht des Gebets – des täglichen Erkennens des Unsichtbaren und des Ewigen. Für ihn besteht keine Notwendigkeit, von sieben Tagen einen für heilig zu erklären, denn für ihn sind alle Tage Gottes Tage.

Ohíye S’a (Dakota: „Always wins“)/Charles Alexander Eastman (Infos: englisch deutsch), gefunden bei Mystik aktuell.

Normalerweise schrecke ich bei dem Wort „Gebet“ zurück. Ich habs nicht so mit Hände falten und fromm gucken. Aber dann sehe ich, wie ich mich täglich über die Blumen im Garten freue, über die den Regen aufsaugende Natur, über das Windrauschen in den Bäumen, über den Mäuse jagenden Fellträger, über die vielstimmigen Vögel, über die Wolken am Himmel und die Sterne in der Nacht.
Dann sehe ich mich innehalten, tief durchatmen und lächeln. Und danken, denn dann empfinde ich mich als Teilchen des Kosmos, des Ewigen, des Unnennbaren und denke, ja, jenseits von meinen ganzen kleinen und großen Sorgen hat das alles schon seine Richtigkeit irgendwo. Ob ich das nun „Gebet“ nenne oder nicht, ist eigentlich ziemlich egal.

Und dann weiß ich, dass ich nicht wirklich weit weg bin von dem großen Herz und verstehe plötzlich auch, warum dabei immer so gern von „Liebe“ gesprochen wird, denn genauso fühlt es sich an.

Kennt ihr so was auch, oder ist euch das total fremd?

 

Earthlight, Ina Custers-van Bergen – 365tageasatzadayQuelle: Ina Cüsters-van Bergen auf Facebook

 

Aufruf: Städtehymnen

Da verlinkt Bernd auf Grönemeyers „Luxus“ und ich bekomme sein „Bochum“ nicht mehr aus dem Ohr. Ich war noch nie dort, aber das Lied ist eigentlich der Inbegriff einer modernen Städtehymne für mich. Spontan fällt mir auch „Dickes B“ von Seeed als Berliner Lied ein.

Und dann habe ich mich gefragt: was kenne ich eigentlich von Hamburg an Städtehymnen? Okay, Hans Albers und Udo Lindenberg besingen die Reeperbahn, schon klar, kennt jeder, muss ich hier nicht. Jan Delay muss man kennen, Fettes Brot.

Klassiker sind so Sachen wie An de Eck steiht’n Jung mit’n Tüddelband (neu mit Jan Fedder und Ina Müller), aber eigentlich bin ich bei den Fußball-Hymnen hängengeblieben:

Hans Albers besingt „Das Herz von St. Pauli“ und Lotto King Karl „Hamburg meine Perle“.

Hamburger(innen), was denkt ihr, was in diese Aufzählung noch rein muss? Auswärtige, was für Städtehymnen kennt ihr und habt ihr so?

 

 

 

69 Sekunden gegen Fremdenangst

Weil Mrs. Carmen Wortwabe herself vor der Kamera steht und ich solche Initiativen gern unterstütze.
Weil Fremdsein auch eine Chance sein kann.
Weil auch ich den Impuls kenne, die Tasche wegzupacken, wenn sich jemand Ungewohntes neben mich setzt. Weil ich Selbstschutz zwar gut finde, aber darauf nicht gerade stolz bin. Weil ich meine eigenen Stereotypen infrage stelle. Weil weil weil …
Habt einen guten Samstag! :-)

wortwabe

Heute gibt es  mal was ganz anderes…eine gute Freundin von mir, Zejnep Stauch-Demirova (meine Tanzlehrerin) hat ein neues Projekt umgesetzt. Einen kurzen Videoclip gegen Fremdenangst. Ich habe bei diesem VIdeoclip mitgemacht,( ich bin die arrogante Frau auf der Parkbank :-) die erstmal ihre Tasche in Sicherheit bringt als sich ein Farbiger neben sie setzt…) Der Clip ist mit dem Einsatz von vielen freiwilligen Helfern entstanden, aus privaten Mitteln finanziert und wir würden uns freuen, wenn er mindestens einmal die Welt umrunden würde! Also gerne teilen, rebloggen!

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Geschafft

Ihr ehemaliger Chef sah auf ihre Skizzen hinunter, die er flüchtig durchgeblättert hatte. Sie bemerkte, wie sich seine Halsmuskeln anspannten und er tief Luft holte. Gleich würde er zu schreien beginnen.

„IST DAS ALLES?“

Es war gleichgültig, dass jeder ihre Arbeit als selbstständige Grafikerin schätzte. Außer ihm, der nichts davon verstand, weshalb sie normalerweise nur noch Termine mit seinem Partner wahrnahm. Dem, der die Firma plötzlich verlassen hatte. Sie mochte seinen triumphierenden Gesichtsausdruck bei dieser Mitteilung gar nicht und begriff mit Schrecken, dass es jetzt plötzlich galt.

Männer, die die Fassung verloren, machten ihr Angst, und sie ließ sich nun mal leicht einschüchtern. Diesmal nicht, schwor sie sich, dieses eine Mal nicht. Ihre lange gemeinsame Geschichte, die mit ihrer Ausbildung als technische Zeichnerin in seiner Abteilung begonnen hatte, umfasste einige unrühmliche Kapitel.

Leb oder stirb! Sie stand auf und hatte das Gefühl, vor Nervosität leicht zu schwanken. Wie selbstverständlich beugte sie sich über den Schreibtisch, schob ihre Entwürfe zusammen und legte sie zurück in ihre Mappe. Er sah ihr irritiert zu.

„Ja“, sagte sie, „das ist alles.“

Sie drehte sich um, stöckelte zur Tür und hoffte, dass ihre Puddingknie durchhalten würden. Als sie auf die Straße trat, hatte sie Tränen in den Augen. Geschafft! Sie war frei.

 

Gern bin ich der „klassischen Schreibanregung“ von Jutta Reichelt gefolgt, die aus dem Satz „Ist das alles?“ bestand. Ich war erstaunt, dass ich gleich mehrere Szenarien im Kopf hatte, diese Skizze hier hat sich dann durchgesetzt …

 

Skizze Haus – 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay