Winnetou ist tot

Als Kind lief Winnetou in allen drei Teilen an Feiertagen im Fernsehen, ich glaube, zum ersten Mal habe ich ihn bei einer Freundin gesehen, wir hatten damals noch keinen Fernseher. Ich erinnere mich, dass ich geheult habe, als er starb, und dass es mir peinlich war. 😉

Karl May ist eines der frühesten Leseerlebnisse meiner Kindheit, ich habe das mal als „gründliche Karl-May-Erziehung“ bezeichnet (im Laufe der Jahre mehr als die 25-bändige Jubiläumsausgabe) – offensichtlich waren meine Eltern der Ansicht, Karl May könne einer Kinderseele keinen Schaden zufügen. Heute würde ich das anders sehen, vor allem der christlichen Ausbrüche wegen, aber damals habe ich alles aufgesogen und sehr intensiv darüber nachgedacht. Und später Karl May nie wieder gelesen. Sollte ich vielleicht mal wieder?

Und dann gestern die nüchterne Nachricht im Radio, Pierre Brice sei in die Ewigen Jagdgründe eingegangen. Mit 86, gestorben an den Folgen einer Lungenentzündung. Der „ehrenwerte Indianer“ (Süddeutsche) war aber vor allem der Traum vieler Mädchenherzen, genauso wie Lex Barker, der nicht minder begehrte Old Shatterhand. (Ich war zu jung, ich fand beide gut aussehend, aber mehr auch nicht.)

Dennoch war auch für mich Winnetou immer mit seinem Namen verbunden, und wann immer ich ihn mal in Talkshows etc. gesehen habe, habe ich mich an seinem Charme und seinem Witz erfreut. Die ZEIT merkt an: „Pierre Brice, der eigentlich Pierre Louis Baron de Bris hieß, hat auch privat die Ideale und Werte wie Freiheit, Menschenwürde und Toleranz seiner legendären Filmfigur vertreten. Das sei auch der Grund dafür gewesen, dass er fast 40 Jahre die berühmte Indianerfigur gespielt habe, sagte er einmal.“

Danke dafür.

 

 

36 Kommentare zu “Winnetou ist tot

  1. Winnetou ist in die ewigen Jagdgründe eingekehrt! Als Studentin habe ich Pierre einen Sommer lang täglich bei den Karl-May-Spielen erlebt, wo ich als Kleindarstellerin mitgewirkt habe. Ein feiner Kerl, immer freundlich. Damals war er schon über 60 und musste ein wahnsinniges Konditionsprogramm ableisten. Wer schon mal mehrfach durch die Kalkbergarena gerannt, geklettert und geritten ist, weiß, wovon ich spreche. „Puh, isch kann nisch mehr“, keuchte er während der kurzen Pausen hinter der Kulisse. Und Hella schob ihm schnell einen Stapel Autogrammkarten zum Unterschreiben hin. Ich denke gerne an Winnetou zurück und habe noch eine getrocknete langstilige Rose, die er damals als Dankeschön verschenkt hat mit der Widmung „Danke, dein Pierre“.

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  2. mir ging es wieder mal ähnlich wie dir, liebe christiane.
    ich litt und ritt mit den freunden und als winnetou im dritten band sterben mußte, da heulte ich so, wie nie zuvor in meinem kinderleben… ich schluchzte u. es dauerte lange, bis ich mich beruhigt hatte.
    und nun ist auch pierre brice tot

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  3. Da kommen direkt Erinnerungen hoch, wenn ich diese Töne hören… mit meiner Schwester und meinen Eltern Winnetou sehen und es später mit meiner Schwester nachspielen.
    Wie diese Erinnerungen bleiben…

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  4. Und wollt ihr vielleicht auch noch wissen, dass das andere Pferde Hatahtitla hieß (so ähnlich geschrieben) und im Orient, da war dann noch Hadschi Halef Omar Ben Hadschi … (ich kann’s noch komplett). 😉

    Es ist immer ein bisschen traurig, wenn eine Person stirbt, die eine Ära verkörpert, eine des Teenagerschwärmens. Ich war so was von hin und weg. Ich habe so sehr für ihn geschwärmt, für Winnetou und Pierre Brice, den schönen Franzosen.

    Ich erinnere mich noch an den ersten Winnetou-Film. Mit meinem Papa durfte ich ins richtige Kino gehen und als dann endlich die Apatschen gegen ‚die Bösen‘ angeritten kamen, hat das ganze Kino gejubelt. Das waren Zeiten!

    Liebe Grüße und danke fürs Erinnern,
    Ingrid

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    • Ich wusste den Pferdenamen auch noch 🙂 Und den Hadschi Halef Omar kann ich auch noch aufsagen, was hat mich das damals fasziniert, dass man einen so langen Namen haben kann … 🙂
      Danke für deine Erinnerungen, liebe Ingrid, und dass du sie teilst … ein jubelndes Kino bei Winnetou!
      Liebe Grüße
      Christiane

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      • Das waren noch Zeiten! Heute würden die zur Rettung herbeieilenden Apatschen höchstens ein müdes Lächeln erzeugen.

        Du hattest gefragt, ob du vielleicht Karl May noch mal lesen solltest. Ich habe das vor ein paar Jahren probiert, weil man die kostenlos auf den eReader bekommen kann. Ich habe abgebrochen, zu langweilig, zu pathetisch, zu frömmelnd …

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        • Ich fürchte, mir würde es ähnlich gehen, und ich weiß nicht, ob ich mir die Mühe überhaupt machen will.
          Andererseits nähere ich mich gerade Hesse wieder über eine Biografie an (und finde es sehr fruchtbar), klar, ein ganz anderes Kaliber, aber von mir in meinen Jugendjahren auch mehr geliebt als später …

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        • Anscheinend gibt es für viele Bücher (bzw. Autoren) eine ‚richtige‘ Zeit, in der man Zugang findet und dann später wieder nicht, je nach Lebensphase.

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        • Und vermutlich ist das individuell und nicht generalisierbar? Könntest recht haben, hab ich so noch nicht gesehen.
          Liebe Grüße
          Christiane

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  5. ich hatte nie ein besonderes Faible für Western, aber als Grundschülerin war ich mal kurzfristig in Little Joe von Bonanza verliebt 🙂 der hatte das schönste Pferd!

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