Sommerregen

Gestern kam er, Sommerregen, der seinen Namen verdient hat, nicht nur eben so ein Huscher. Uns ereilte er sanft und nachmittags, er vertrieb Anbieter und Käufer auf dem Flohmarkt/Stadtteilfest, über den/das ich gerade bummelte. Er machte nicht kalt, obwohl es natürlich (willkommen) abkühlte, er machte nur nass. Als ich ein paar Stunden später nach Hause kam, hörte ich ein erstes Grummeln. Und, oh Wunder, es brach nicht los, es regnete einfach klein und fein weiter, hörte auf, fing wieder an … und roch phantastisch nass …
Der Fellträger besah sich das alles draußen gemütlich auf seiner Lieblingsbank und wollte keineswegs den Rest des Abends drin verbringen.
Heute ist alles schon wieder anders. Die Sonne scheint, und verglichen mit den letzten Tagen werden die Temperaturen keinerlei astronomische Höhen erreichen.

 

Du gehst. Und der Asphalt ist plötzlich naß
und plötzlich ist das Grün der Bäume neu
und ein Geruch wie von ganz frischem Heu
schlägt dir in dein Gesicht, das heiß und blaß
auf diesen Regen wohl gewartet hat.

Die Gräser, welche staubig, müd und matt
sich bis zur Erde haben hingebeugt,
sehen beglückt die Schwalbe, welche nahe fleugt,
und scheinen plötzlich stolz zu sein.

Du aber gehst. Gehst einsam und allein
und weißt nicht, sollst du lachen oder weinen.

Und hier und da sind Sonnenstrahlen, welche scheinen,
als ginge sie der Regen gar nichts an.

Selma Meerbaum-Eisinger, Regen (*1924 – †1942)

 

Zu Selma Meerbaum-Eisinger ist viel gesagt und noch mehr geschrieben worden. „Selmas Leben war kurz. 18 Jahre lang hat sie gelebt. Selma Meerbaum-Eisinger starb am 16. Dezember 1942 im deutschen Arbeitslager Michailowska. Was übriggeblieben und auf abenteuerliche Weise gerettet worden ist, sind 57 Gedichte“ (Quelle), geschrieben an den/gewidmet dem Mann, mit dem sie sich ein gemeinsames Leben wünschte. Auch er kam um. Über ihre Freundin, Renée Abramovici-Michaeli, erreichten die Gedichte Israel und fanden schließlich ihre Öffentlichkeit. Hier gibt es die ganze Geschichte.

Einige ihrer Gedichte sind vertont worden. Nicht nur die wunderschöne Umsetzung von „Regen“ (mit Volker Baydar) ist hier nachzuhören.

 

Regen auf Asphalt – 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay

 

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