Wenn es nur einmal

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen –

Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken
und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.

(Rainer Maria Rilke, Stundenbuch, Quelle)

Da hat sich mein schlecht begonnener Tag gestern am Abend unerwartet in eitel Freude und Wohlgefallen aufgelöst und selbiges hat mich durch die Nacht begleitet, sodass ich am Morgen lächelnd vom Lärmen auf dem Dach erwachte. (Mau! Mau? Maaaaaau? Ich habe Hunger, kannst du mich reinlassen?)

Und nun sitze ich über meinem Vormittagskaffee und denke über „das Geräusch, das meine Sinne machen“ nach, über den Lärm in meinem Kopf, über das, womit ich mir selbst den Blick verstelle bzw. überhaupt die Tatsache, dass ich es tue.

Ich mag das, wie Rilke immer oder fast immer etwas Höheres im Blick hat, stelle ich immer wieder fest. Und dass er nicht behalten, sondern die Fülle, den Überreichtum verschenken will.

 

 

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