Wenn es nur einmal

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen –

Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken
und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.

(Rainer Maria Rilke, Stundenbuch, Quelle)

Da hat sich mein schlecht begonnener Tag gestern am Abend unerwartet in eitel Freude und Wohlgefallen aufgelöst und selbiges hat mich durch die Nacht begleitet, sodass ich am Morgen lächelnd vom Lärmen auf dem Dach erwachte. (Mau! Mau? Maaaaaau? Ich habe Hunger, kannst du mich reinlassen?)

Und nun sitze ich über meinem Vormittagskaffee und denke über „das Geräusch, das meine Sinne machen“ nach, über den Lärm in meinem Kopf, über das, womit ich mir selbst den Blick verstelle bzw. überhaupt die Tatsache, dass ich es tue.

Ich mag das, wie Rilke immer oder fast immer etwas Höheres im Blick hat, stelle ich immer wieder fest. Und dass er nicht behalten, sondern die Fülle, den Überreichtum verschenken will.

 

 

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11 Kommentare zu “Wenn es nur einmal

  1. ach, wie sehr mag ich diese Worte, liebe Christiane, wie gut tut es, sie mal wieder zu lesen und dabei auch zu hören. Sie sind so voller Sehnen und Hingabe, voller Menschengedanken und Wünschen. Dabei spricht er doch von Freigeben, von Fliegenlassen und Freiheit geben, von Loslassen von allen Banden, von allem was Lärm machen könnte und von Ablenkung davon…

    War der Fellträger übefällig? Kam er später als gewöhnlich?

    Wenn sie kommen ist die Erleichterung groß, leider kam Milli nicht mehr. Ich hoffte und hoffte, aber nun hoffe ich nur noch, daß sie nicht leiden mußte…

    Bin aus dem Urlaub zurück, liebe Christiane
    noch ein bissel kränklich, aber ziemlich ok sonst 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Schön, dass du zurück bist, liebe Bruni, ich hab dich vermisst 🙂
      Nein, der Fellträger war nicht überfällig, alles im grünen Bereich. Er kam mitten in der Nacht von seinen Abenteuern zurück und wollte einfach was zu essen. (Ich habe oft an Milli gedacht.)
      Liebe Grüße
      Christiane

      Gefällt 1 Person

      • zwei Wochen Urlaub, schön ist das, aber noch schöner ist es, zurückzukommen und alles wieder vorzufinden, was vorher da war.
        Leider gehört Milli nicht mehr dazu, und das verleitet mich zum Fluchen, weil ich es einfach nicht verstehen kann u. doch akzeptieren muß…Zwei Monate ist es nun her, liebe Christiane, so lange schon

        Gefällt 1 Person

        • Das kann man auch nicht verstehen.
          Als unsere Familienkatze eingeschläfert werden musste, erzählte meine Mutter, sie habe noch Monate danach die Türen nicht aufgerissen … saß ja oft eine Katze dahinter …. 😦
          Ist einfach so, Muss auch. Was betrauert werden muss, muss betrauert werden.

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    • Wird bei dir aus deinem äußeren Lärm auch innerer Lärm? Mir kommt es so vor, als ob Rilke „inneren“ Lärm meint, und ich meinte ihn ganz sicher?
      Und ansonsten rennst du mit diesem Thema bei mir offene Türen ein.
      Liebe Grüße
      Christiane
      (die Stille liebt, aber nicht ausschließlich)

      Gefällt 2 Personen

  2. Pingback: Fundstück – passend zu Thoreau | buchpost

Ja, eben. Und du so?

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