Gründliche Untersuchung der Ursachen, die das weibliche Geschlecht vom Studiren abhalten

Dies ist der Titel einer Schrift, die 1742 erschien, geschrieben von der Quedlinburgerin Dorothea Christiane Erxleben (damals noch unter ihrem Mädchennamen Leporin), der ersten promovierten deutschen Ärztin und einer Pionierin des Frauenstudiums. Warum ich das schreibe? Weil sie heute vor 300 Jahren Geburtstag hatte, am 13.11.1715, damals ein Mittwoch. Herzlichen Glückwunsch, meine Hochachtung! Und weil ich die Google-Doodle-Aktion, auf diese Art und Weise bisschen zur Bildung beizutragen (ich hatte noch nie etwas von ihr gehört), unterstützen möchte.

„Das begabte Mädchen zeigte außergewöhnliche geistige Fähigkeiten und Interesse für naturwissenschaftliche Studien. Der Rektor und Konrektor der Quedlinburger Ratsschule gaben ihr privaten Lateinunterricht. Ihr Vater unterwies sie in Naturwissenschaften und gemeinsam mit ihrem Bruder Christian Polykarp Leporin jun. (1717–1791) in praktischer und theoretischer Medizin. Er nahm sie zu seinen Patienten mit und ließ sich mit der Zeit sogar von ihr in seiner Praxis vertreten.“ (Quelle: Wikipedia, ganzen Artikel hier lesen, lohnt sich!)

Ihr Vater wandte sich an Friedrich den Großen, der 1741 die Universität Halle anwies, Dorothea Leporin zur Promotion zuzulassen. 1747 übernahm sie seine Praxis, 1755, kurz nach der Geburt ihres vierten Kindes, promovierte sie und wurde feierlich zum „Doktor der Arzeneygelahrtheit“ erklärt. Sie starb sieben Jahre später (1762) im Alter von 46 Jahren und führte ein hoch respektiertes Leben, geprägt von einer großen Familie (ihr Mann hatte bereits Kinder mit in die Ehe gebracht) und ihrem Beruf.

Bis es weiterging mit Frauen als Medizinerinnen, dauerte es dann noch länger. Am 20. April 1899 wurden Frauen im Deutschen Reich erstmals offiziell zu den Staatsprüfungen der Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie zugelassen. An den Universitäten Preußens wurden Medizinstudentinnen erstmals im Wintersemester 1908/1909 zugelassen.

„Gründliche Untersuchung der Ursachen, die das weibliche Geschlecht vom Studiren abhalten“ ist als Scan einsehbar. Bitte hier klicken!

Dorothea Erxleben
Quelle: Wikimedia Commons

 

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28 Kommentare zu “Gründliche Untersuchung der Ursachen, die das weibliche Geschlecht vom Studiren abhalten

  1. Erschütternd, dass es gerade erst ein bisschen mehr als 100 Jahre her ist, dass Frauen beginnen konnten zu studieren ohne erst vor der halben Männerwelt zu Kreuze kriechen zu müssen.

    Sehr interessant würde ich finden darüber zu erfahren ob und wie die profunden Kenntnisse in Kräutermedizin und Hebammentechnik der Heilerinnen, die als Hexen diffamiert wurden, in die moderne Medizin bzw Pharmakologie Eingang gefunden haben oder ob diese Heiltradition völlig abgewürgt wurde.

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    • Ich glaube, mit dieser Frage machst du ein ziemliches Fass auf. Die Frage ist ja auch: inwiefern war dieses Wissen den Studierenden zu jener Zeit/zu allen Zeiten überhaupt a) zugänglich und b) konnte man sich damit befassen, ohne als unwissenschaftlich bzw. Quacksalber disqualifiziert zu werden? Konnte man zum Beispiel (nur weil du es ansprichst) zu jeder Zeit auf Hildegard von Bingen verweisen? Es wird (damals wie heute) einen Wissenskanon für angehende Ärzte gegeben haben. Ja, spannende Frage. Man sollte mal einen Medizinhistoriker befragen bzw. Bücher aus dieser Richtung.

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  2. Ein hoch interessanter Artikel von Dir, liebe Christiane.

    Ich hatte noch nichts von ihr gehört, aber gut zu wissen, daß es auch damals Menschen gab, die Begabungen auch bei Mädchen erkannten u. nicht dachten, ihr Gehirn sei kleiner als das von Jungen…
    Sie konnte ihren Weg gehen, weil sie umgeben war von klugen Leuten. Dieses Glück hatten andere nicht.
    Vermutlich waren mehr Frauen heilkundig, als man es sich vorstellt. Nein, nicht nur die angesehenen Frauen, die die Kirche dann als Hexen bezeichnete und immer genügend Gründe fand, sie brennen zu sehen.
    Viele hatten ein gediegenes Wissen über heilende Kräuter.
    Mir ist es noch bei meiner Mutter und meiner Oma aufgefallen.
    Für alles und jedes wußten sie einen Tee und einiges heilten sie ohne den Doktor.

    LG von Bruni

    Gefällt 3 Personen

    • Weißt du, liebe Bruni, ich glaube, dass ein derartiges Wissen damals verbreiteter und selbstverständlicher war. Wer nicht im Einzugsbereich eines Doktors wohnte, der musste sich selbst helfen (können) oder sterben. Not macht erfinderisch.
      Heute dagegen können dir die Leute technische Spezifikationen von Autos, Handys oder Computern runterbeten, wissen aber nicht mehr, wie man ein Gänseblümchen von Löwenzahn unterscheidet. Andere Zeiten, ich sage nicht, dass sie unbedingt schlechter sind, aber die Tellerränder haben sich sicher sehr geändert.
      Liebe Grüße
      Christiane

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  3. genau und kaum einer weiß, daß man Löwenzahn im Frühling stechen kann (in Ackerfurchen u. da war mein Opa Meister *lach*), noch bevor er blühte u. er schmeckte besser als jede andere Sorte Salat.
    Nur die Putzerei, die war nicht so ohne. Da sehe ich meine Oma heute noch am Küchentisch sitzen, voller Geduld und nach und nach füllte sie die Schüssel mit den geputzen Teilen….

    Bis zum Mittagessen war alles erledigt und ich die erste amTisch *lächel*

    LG von mir

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  4. Das ist noch gar nicht so schrecklich lange her. Wie gut wir es haben, dass wir so viel dürfen. Doch bin ich überzeugt davon, dass es immer noch Menschen gibt, die dem Wissen der Frauen misstrauen, es den Frauen nicht zutrauen…
    Ein spannendes Thema überhaupt, was auch Frauen Großartiges geleistet haben und leisten (oft neben der Familie noch), immer schon.

    Gern gelesen, wie so vieles andere hier ..

    Lieben Gruß,
    Silbia

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Ja, eben. Und du so?

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