Der See hat eine Haut bekommen

Nein, liebe Kinder, DIESER See ist derzeit sicher nicht zum Draufrumlaufen, auch wenn die Vögel das tun. Die Alster in der Hamburger Innenstadt verfügt dazu über sehr malerische Eisschollen, da das Wetter ja wieder kälter werden soll, können wir gespannt sein, was sich daraus ergibt. Ich kann jedenfalls auf ein Millionen-auf-dem-Eis-Spektakel verzichten … aber hübsch sähe es sicher dennoch aus.

Trübe Tage sind das gerade. David Bowie ist an Leberkrebs gestorben (Quelle, englisch), die Anzahl der wg. Köln und Hamburg (Frankfurt/M. hatte Derartiges auch) erstatteten Anzeigen hat sich jedes Mal erhöht, wenn davon gesprochen wird und ich mag irgendwie nicht so tun, als ob alles wie immer wäre.

Nichtsdestotrotz das Gedicht zur Überschrift:

Der See hat eine Haut bekommen,
so daß man fast drauf gehen kann,
und kommt ein großer Fisch geschwommen,
so stößt er mit der Nase an.

Und nimmst du einen Kieselstein
und wirfst ihn drauf, so macht es klirr
und titscher – titscher – titscher – dirr …
Heißa, du lustiger Kieselstein!
Er zwitschert wie ein Vögelein
und tut als wie ein Schwälblein fliegen –
doch endlich bleibt mein Kieselstein
ganz weit, ganz weit auf dem See draußen liegen.

Da kommen die Fische haufenweis
und schaun durch das klare Fenster von Eis
und denken, der Stein wär etwas zum Essen;
doch sosehr sie die Nase ans Eis auch pressen,
das Eis ist zu dick, das Eis ist zu alt,
sie machen sich nur die Nasen kalt.

Aber bald, aber bald
werden wir selbst auf eignen Sohlen
hinausgehn können und den Stein wieder holen.

(Christian Morgenstern, Wenn es Winter wird, Quelle)

Wintersee – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

Advertisements

24 Kommentare zu “Der See hat eine Haut bekommen

  1. Ein schöner Morgenstern, der nun zum Abend aus Hamburg kommt, liebe Christiane.
    Es friert bei Euch?

    Und Friedrich Gülls Worte dazu:

    Gefroren hat es heuer
    noch gar kein festes Eis.
    Das Büblein steht am Weiher
    und spricht zu sich ganz leis:
    „Ich will es einmal wagen,
    das Eis muss doch nun tragen.
    Wer weiss!“ …

    Er hat es dann tatsächlich versucht und wäre nicht ein Mann gekommen, tja, wäre er nicht gekommen, dann wäre aus dem Büblein kein Mann geworden…

    Wunderschön sehen gefrorene Weiher aus, aber ich bin ein Hasenfuß und bis ich mich trauen würde, tja, da wäre vermutlich der Winter schon wieder rum *lächel*

    LG von mir

    Gefällt 1 Person

    • Nein, Bruni, es friert nicht, noch nicht, es soll aber wieder. Wenn es ohne „gefühlte“ Temperaturen jenseits von -15 °C abgehen könnte, wäre ich doch sehr dankbar ….
      Das Büblein auf dem Eis kenne ich auch noch 😀
      Liebe Grüße
      Christiane

      Gefällt 1 Person

  2. Ach so, die Temperagturen unter dem Gefrierpunkt sind bei Euch also noch im Anmarsch…
    Vielleicht hast Du Glück und soooo kalt wird es nicht *g*.

    Klar kennst Du das Büblein *lach*. Aber es drängte sich so auf, wollte unbedingt noch zu Dir 🙂

    Liebe Grüße
    Bruni

    Gefällt 1 Person

  3. Rückwärts las ich mich bis hierhin innerlich fröstelnder (Vielleicht wäre mir bei den Vampirgeschichten wärmer geworden, aber die habe ich übersprungen, weil das nicht mein Genre ist) durch und siehe da, ein hautender See erwärmt mein Winterseelchen.
    Bitte zeihen Sie mich nicht der Untreue, doch ich habe meine Bloggewohnheiten aus Zeitgründen geändert. Treu bleibe ich dennoch, abstandszeitchenweise halt.
    Danke für den sternenhimmeligen Lesegenuß, leider macht der Jänner nicht Halt mit seinen Schnitten. Black ging auch viel zu jung…
    Ich grüße herzlich zugeneigt, Ihre Käthe.

    Gefällt 1 Person

    • Liebste Frau Käthe,
      es ist oft so, dass wir nicht können, wie wir wollen. Ich jedenfalls freue mich, wenn Sie vorbeihuschen, egal, wann. Ich hoffte allerdings, dass die Opulenz des von mir fotografierten „Maskenzaubers“ Sie begeistern könnte. Passen Sie auf sich auf …
      Liebe Grüße
      Christiane (die vorher auch geschworen hätte, dass Vampirgeschichten nicht ihr Genre sind. Tja.)

      Gefällt mir

      • Generell sehr opulenzfreudig eingestellt, wenn es um Festivitäten geht, habe ich allerdings eine ausgeprägte Maskenallergie, liebe Christiane. Deshalb auch kein innigeres Einflechten in die Pupillen, obwohl der Vogelmann dann doch meine Blicke auf sich lenkte.

        Mit Ihrem umklammerten Nachsatz machen Sie volltrefferig meine innere Ignoranzia nackend und hocherrötend! Bravo, manchmal braucht es einen solchen Spiegel vors Antlitz.

        Ich verbleibe zugetan und nachlesend, die Ihre, wieluchsaufpassend auf sich und ihre Lieben.

        Gefällt 1 Person

        • Ich finde es merkwürdig und bemerkenswert, wie Spielwiesen (und das ist dieses Vampir-Setting für mich) einem manchmal zulaufen – wenn man bereit ist, sie anzunehmen und damit zu arbeiten. Ich lese/gucke absolut keinen Horror, aber ich mochte Fantasy schon immer. Hm. Wenn ich darüber nachdenke, macht das schon Sinn.
          Ihnen Freude vom Feinsten!
          Christiane

          Gefällt mir

Ja, eben. Und du so?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s