Maskenzauber und Vom Nutzen eines Selfie-Sticks

Der Hamburger kennt keinen Karneval. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass der Hamburger an sich jedes Jahr aufs Neue überrascht ist, wenn das Fernsehprogramm wieder „So lacht der Westen/Süden/Osten“ etc. enthält. Ach, ist es schon wieder Zeit? Ja, ist es.

Dafür hat Hamburg etwas anderes: den Maskenzauber an der Alster. Es ist, sagt die Webseite, „der Traum vom Karneval in Venedig, einzigartig und nicht kopierbar. Es ist aber auch der Traum, in unserer Heimatstadt Hamburg einen Karneval voller poetischer Noblesse und stilvoller Eleganz entstehen zu lassen.“ Seit 2002 regelmäßig veranstaltet, fotografiere ich seit 2005 auf dem Straßenkarneval-Teil, der aus einem Defilee zwischen den Colonnaden über den Jungfernstieg an der Alster entlang und durch die Alsterarkaden hindurch zum Rathausmarkt besteht. Auf dem Rathausmarkt findet alle Jahre wieder der gleiche Tanz statt. Die Kostüme sind alles: von venezianisch über historisch bis Fantasy oder einfach schlicht. Die Menschen, die teilnehmen, sind zwischen sehr jung und alt, viele sind jedes Jahr dabei.
Und dazwischen bewegen sich (nicht nur) gefühlte Hunderte Menschen mit Kameras, seien das Handys oder wahrhaftige Schwergewichte, nehmen sich gegenseitig die Sicht, jagen nach dem besten Bild und nerven die Gewandeten :-D. Es ist, mit einem Wort, ein Ereignis. Jedes Jahr aufs Neue.

Maskenzauber Hamburg 2016 (1) – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

Ich war dieses Jahr nur am Sonntag dort (merke: samstags und sonntags laufen nicht zwangsläufig dieselben Masken) und habe mich, wie immer, auf Portraits konzentriert. Das heißt, bis auf ein Foto sieht man nicht, dass viele Stelzenläufer dabei waren, das heißt auch, das die Pracht der Gewänder meinen Bildern weitestgehend entgeht (der „Vogelmann“ ist Oberon, der Feenkönig, nebenbei der Organisator dieser Veranstaltung). Allerdings ist das Netz voll von Bildern, die sich genau darauf stürzen, und ein (langes) Video (von Samstag, da war das Wetter noch erheblich schlechter) gibt es hier.

Was hat es nun mit dem Selfie-Stick auf sich? Nun, jedes Mal wird getanzt, und zwar immer auf dem Rathausmarkt, immer vor den Treppen zur Alster hinunter. Man scheucht also die unwilligen Fotografen zurück, die dann einen möglichst großen (undurchdringlichen!) Kreis bilden. Ich war diesmal draußen geblieben und sah dann von hinten eine Dame, die ihr Handy auf einem Selfie-Stick trug und über die Köpfe hinweg das Geschehen innerhalb des Kreises filmte ;-), was ich mal für einen kreativen Einsatz dieses Teils halte.

Maskenzauber Hamburg 2016 (37) – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

Besonders bezaubert war ich von der sprühenden Lebenslust dieser Maske …

 

Quelle: ichmeinerselbst

 

… und hier sind sie nun, meine Schnappschüsse von einem wunderbaren, verzauberten Nachmittag!

 

Quelle: ichmeinerselbst

 

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58 Kommentare zu “Maskenzauber und Vom Nutzen eines Selfie-Sticks

  1. Um diese Maskerade beneide ich Euch, wie viel bezaubernder ist das im Gegensatz zum rheinischen und hessischen Gedöns. Wunderschöne Masken und Kostüme, da kommen auch keine brasilianischen Nackedeis mit😊
    Liebe Grüße von der faschingsabstinenten Karin, trotz des närrischen Geburtsdatums😴

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  2. Wow, seeeeehr schön. Davon habe ich noch nie gehört und offenbar muss sich die Veranstaltung vor jener in Venedig nicht verstecken. Fotomäßig als Gesamtkomposition gefällt mir das orange am besten. Die Dreierreihe mit der lila Maske ist aber auch toll gelungen !

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    • Ich war noch nie zum Karneval in Venedig. Ich kann sagen, dass ich unseren Maskenzauber hier sehr eindrucksvoll finde, aber dass er gegen Venedig anstinken kann, glaube ich dann doch nicht. 🙂
      Freut mich, dass es dir gefällt!
      Liebe Grüße
      Christiane

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  3. Das ist ja ganz bezaubernd, wenn ich wüsste, wo man diese Wahnsinnsmasken herkriegt, würde ich auch in kleiner verschlafener bayrischer Stadt so rumlaufen, mit Freundin Arm in Arm…so eine Maskerade ist ja was gänzlich anderes als dieser meist einfallslose, primitiv-versoffene Hauruckfasching! Habt Ihr da ein Glück in Hamburg! Liebe Grüsse

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    • Das ist ein großer, bunter Haufen, und ich maße mir nicht an, sie auseinanderzuhalten oder zu klassifizieren, vor allem, weil ich weiß, dass der harte Kern ursprünglich in Feen-Kostümen (Oberon/Titania/Hofstaat) unterwegs war ….
      Liebe Grüße
      Christiane

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  4. Hallo Christiane,
    ich war gestern das erste Mal bei diesem „Maskenball“ und war beeindruckt. Mich hat auch faziniert wie freundlich die Teilnehmer auf die Wünsche der Fotografen eingegangen sind. Ich gehöre eher zu denen, die ungern Menschen fotografieren 😉 , aber das war für mich gestern ein Highlight und ich werde es mir nächstes Jahr wieder anschauen.
    Deine Fotos sind echt klasse !
    LG Angela
    P.S. Falls Interesse hier eine kleine Auswahl von mir 😉
    https://hamburgundmeehr.wordpress.com/2016/01/24/ein-hauch-von-venedig-in-hamburg/

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    • Hallo Angela, der Maskenzauber schimpft sich nur dann „Ball“, wenn er (auch) indoor stattfindet, und das war dieses Jahr leider nicht der Fall. Wenn ich kann, bin ich an beiden Tagen da, weil auch die Masken an beiden Tagen unterschiedlich sind. Ja, die Teilnehmer sind sehr oft mehr als freundlich (ich habe sooooo viele Selfies mit Maskenwesen gesehen), und manche von den Fotografen machen sie echt bescheuert an … auch schon gehört. Ich denke gerade, dass wir uns vielleicht gesehen haben und es nicht wissen 🙂
      Liebe Grüße
      Christiane

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      • Hallo Christiane,
        wieder etwas dazu gelernt, denn das mit dem „Ball“ wusste ich nicht. Ist aber auch nicht meine Welt 😀
        Es stimmt, es wurden sehr viele Selfies gemacht. Einige Fotografen haben sich tatsächlich etwas daneben benommen, das habe ich aber auch schon bei anderen Veranstaltungen erlebt. Bloß nicht andere auch mal ein gute Foto machen lassen 😦 Als der Tanz auf dem Rathausmarkt war, hatte ich leider auch so einen Typen neben mir. Das Samstags andere Masken sind habe ich auch schon festgestellt als ich den Blog von HamburgerInnenansichten gelesen habe. Über ihn bin ich übrigens auch erst darauf gekommen. Die anderen Jahre habe ich es immer erst Montags in der Zeitung gelesen.
        Wir sind uns gestern sicherlich begegnet ohne es zu wissen 😉
        LG Angela

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  5. Nun hab ich mir in aller Ruhe das wunderschöne lange Video angesehen und alle Deine wundervollen Bilder.
    Ich wußte gar nicht, daß es in Hamburg eine so kreative tolle Maskenveranstaltung gibt.

    Da ich die Basler Fasnacht gut kenne, die über drei Tage geht, und im Laufe der Jahre viele Bilder dort gemacht habe, war ich besonders interessiert.
    Es gibt viele Überschneidungen bei den Masken. Das Fantasievolle dort und hier in HH ist ähnlich und wenn man in Basel sämtliche Umzüge ausläßt und sich nur auf das Gässeln in der Altstadt ab Nachmittag bis in die Nacht hinein konzentriert, dann wird die Fantasie frohlocken und jegliches fotografisches Gerät wird jubeln. Als großes Kostümfest in der ganzen Stadt habe ich diese Fasnacht, die ich sehr mag, immer bezeichnet, denn das ist es – genau wie in Hamburg.

    Über die Fotografen fällst Du allerdings auch dort, aber ich habe das Gefühl, die Diskretion hält sich in Basel eher in Grenzen.

    Eine tolle Information, liebe Christiane, die ich mir gut merken werde

    Lieber Grüße in die Nacht
    von Bruni

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    • Weißt du, ich denke, dann ist die Basler Fasnacht vielleicht noch so, wie es sein soll. In Hamburg ist der Maskenzauber jedenfalls eine kleine Randerscheinung, die von einigen geliebt, aber von den meisten nicht einmal bemerkt wird.
      Freut mich, dass du meine Bilder magst und auch den Links gefolgt bist.
      Liebe Grüße zur Nacht zurück
      Christiane

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  6. Eine Randerscheinung? Dann aber eine sehr feine, denke ich.

    Basel muß man erleben, man kann es erklären, aber der Zauber kommt nur rüber, wenn man es selbst erlebt.
    Ich habe es bei jedem Wetter erlebt und Schunkeln oder Besoffene, wie in Köln, Mainz oder Düsseldorf, die habe ich dort nie gesehen.
    http://wortbehagen.de/index.php/search/einzelgedicht/minipause/
    Letztes Jahr war ich wieder dort… (immer mit dem Fotoapparat in der Hand 🙂 )

    Liebe Grüße von mir

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  7. Ich bin halt ein echter Fan und kann die Dinge, die mir nicht so gefallen, wie dieses Gedränge mitunter und der dazugehörige Lärm, gut ausklammern.
    Beim ersten Mal dachte ich, was für ein Wirrwarr und wollte nicht wieder hin. Als ich dann doch wieder dort war, packte es mich, ich erkannte Kreativität, die Schönheit der Kostüme und den Sinn, der in allem lag und beschränkte mich auf das Gässeln der Masken und deshalb hat mich Dein Kostümdefilieren so sehr daran erinnert…

    Schlaf Du auch gut
    Bruni

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  8. Wow … beeindruckend.
    Als Berlinerin hab ich es nicht so mit Karneval … aber deine Bilder erinnern mich an unseren Karneval der Kulturen, der auch sehr speziell und schillernd bunt ist.
    Oder an den CSD … da ist es noch ein bisschen schriller …
    Schöne Fotos.

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    • Wir haben beides auch (und ich war auf beiden) … vermutlich in anderen Hausnummern, als Berlin sie zu bieten hat. Aber was den Maskenzauber angeht, der ist einfach vom „Feeling“ (blöd, ja, ich weiß) ganz anders als beide.
      Liebe Grüße
      Christiane

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  9. Na sowas! Ich habe gar nicht gewusst, dass ihr den Karneval von Venedig imitiert und das sehr gelungen, ebenso deine wunderbaren Porträts. Es hat richtig Spaß gemacht, sie alle anzugucken. Da braucht man doch gar nicht so weit zu fahren, nur bis nach Hamburg. Und die eine (erstes Foto), die scheint auch die Kälte nicht zu stören. 😉
    LG, Ingrid

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    • Was ich auf dem Maskenzauber schon an heldenhaften Entblößungen gesehen habe, das geht auf keine Kuhhaut! Ernsthaft, nackte Haut oder dünnster Stoff bei Minusgraden … das nenne ich Körpereinsatz! Dagegen war das am Sonntag eine Luschen-Veranstaltung – ca. 8 °C, kein Schnee, kein Eis, kein Regen … und daher einige Stelzenläufer, fast immer das Highlight der Veranstaltung!!
      Der Maskenzauber ist eine Reise wert, liebe Ingrid, solltet ihr im Winter Lust auf einen Städtetrip haben, böte sich das an …
      Liebe Grüße
      Christiane

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  10. Pingback: Karneval in Hamburg … | Irgendwas ist immer

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