Taubengedöns [Bildergeschichte]

 

Taubengedöns 1 – 365tageasatzaday

Ob ich mitkomme? Hast du keine Augen im Kopf? Neee du, echt, ich habe gerade was Besseres zu tun …

 

Taubengedöns 2 – 365tageasatzaday

Ach, daher weht der Wind! Nein, ich meine wirklich nicht, dass ich dir was abgeben muss, nur weil du zufällig hier rumgekommen bist. Das ist doch voll ungerecht!

 

Taubengedöns 3 – 365tageasatzaday

Alter, an mir kommst du nicht vorbei, und wenn du dich auf den Kopf stellst! Was soll das heißen, wo sind die anderen? Typisch, erst anfangen und dann nach der Mutter schreien!

 

Taubengedöns 4 – 365tageasatzaday

 

Und ein schönes Leben noch! Was war das denn nun? Oh Mann, solche Typen wie du sind so eine Zeitverschwendung … Sieh bloß zu, dass du Luft gewinnst!

 

Diese nicht so ganz ernst gemeinte Bildergeschichte entstand unter der freundlichen Zuhilfenahme von Sätzen aus Juttas aktuellem Aufruf zum Geschichtengenerator („Kommst du mit?“, „Das ist ungerecht!“, „Wo sind die anderen?“ und „Was war denn das?“). Nein, ich gebe es zu, dies ist wohl eher kein Schulhof, aber es könnte ja einer sein, so auf der Mauer zu einem … oder so. :-)

 

KLICK MACHT GROß! Obligatorische Quellenangabe: alle Bilder ichmeinerselbst

 

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Fernsehen bildet.

Fernsehen bildet. Immer, wenn der Fernseher an ist, gehe ich in ein anderes Zimmer und lese.

(Groucho Marx, zur Diskussion über das Original-Zitat bitte hier entlang)

Heute ist der Welttag des Buches. Was bedeutet, dass ich mit euch mein Lieblingsspiel spielen kann. Und der Geburtstag von Shakespeare und Nabokov sowie der Todestag von Cervantes und Wordsworth. Nun bin ich sicher, dass zu diesen Herren schon das meiste (und anderswo viel besser) gesagt ist, also ran an die Bücher!

  1. Nehmt das nächstliegende Buch.
  2. Schlagt es auf Seite 23 auf.
  3. Zählt den 4. Satz ab (wenn ihr keinen 4. Satz habt, nehmt die 4. Zeile).
  4. Postet den hier bei mir oder bei euch (dann wäre Verlinken nett).
  5. Schreibt BITTE dazu, aus welchem Buch es ist.
  6. So ihr im Umkreis Lübeck wohnt, besucht heute oder morgen DIE BUCHMACHER in der wunderschönen St. Petri-Kirche, und haltet eure Geldbeutel gut fest, denn das Angebot ist klein und fein und reichhaltig.

Ich habe letzteres gestern gemacht (es ging gestern schon los, ich weiß also, wovon ich spreche) und hatte die Freude, die Lesung von Jutta Reichelt zu sehen/zu hören und mit ihr ein paar Worte zu wechseln. Auf meiner „Unbedingt“-Liste steht jetzt der Wunsch, sie noch mal zu sehen/hören, wenn sie ein bisschen mehr Zeit hat und eventuell noch Fragen beantworten kann. Unterdessen habe ich mit dem Wiederlesen der „Wiederholten Verdächtigungen“ begonnen. Daher ist mein Zitat zur obigen Aufgabe naheliegend:

Was ist denn eigentlich los bei euch, fragt sie und Katharina ärgert sich über den anmaßenden Ton und fragt zurück, was an Christoph komisch gewesen sei, als er Finn zurückgebracht hat.

(Jutta Reichelt, Wiederholte Verdächtigungen)

 

Widmung Reichelt Wiederholte Verdächtigungen – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst, klar, oder?

 

Mutter schmeißt den Laden

Luise stand herum und fühlte sich deplatziert und ein bisschen angetütert. Nicht, dass der Abend bisher nicht angenehm gewesen wäre und das Büffet bestimmt großartig sein würde, schließlich war die Location ja eine Kantine, deren Innenarchitekt schon Preise gewonnen hatte, nicht wahr? Die Lichtführung jedenfalls war aller Ehren wert, nach dem, was sie sah. Ihr verstorbener Mann war Elektromeister gewesen und Licht eines seiner Hobbys.

Also, nicht dass sie ihrer nach Höherem strebenden Tochter die Ehrung nicht gönnte. Aber ob sie, Luise, wirklich hierhin gehörte, unter all die Feingeister aus dem Verlag, die ihre Tochter „Kollegen“ nannte, das bezweifelte sie insgeheim dann doch. Die junge Frau, die sich während der offiziellen Feier so nett um sie gekümmert hatte, war ihr irgendwo abhanden gekommen, vermutlich fand sie sie zu langweilig. Menschen standen in Grüppchen zusammen, tranken und talkten. Luise sah sich suchend um. Wo war denn ihre Tochter geblieben? Sie hatte sie vorhin doch sogar ihrem Chef vorgestellt. Hm. Ob es ihr auffiel, wenn sie verschwand?

„Mama, was stehst du denn hier so allein herum?“ Da war ihre Tochter und wollte ihr ein weiteres Glas Sekt in die Hand drücken.
„Danke, Kind, aber ich brauche etwas zu essen, sonst merke ich den Alkohol zu sehr“, wehrte Luise ab. „Du weißt doch, Sekt.“ Sandra nickte gehorsam.
„Geht ja auch gleich los. Ach, wenn doch nur Papa hier sein könnte“, sagte sie.
Huch?
„Ist etwas passiert?“ fragte Luise vorsichtshalber.

Das Problem war, wie sich sehr schnell herausstellte, die ausgefallene Beleuchtung in der Ecke, wo gegessen werden sollte. Sandra, die ungern etwas dem Zufall überließ und sich für alles verantwortlich fühlte, nahm diese unverhoffte Misslichkeit persönlich. Und natürlich war um diese Uhrzeit weit und breit kein Hausmeister aufzutreiben.

Endlich ein handfestes Problem. „Ich seh mir das mal an. Wo ist der Sicherungskasten?“ fragte die Frau des Elektrikers.
„Im Treppenhaus. Mama! Und wenn dir was passiert?“
Aber Luise war schon unterwegs.

Am Sicherungskasten lauerte ein Kantinenmitarbeiter, der bisher nichts weiter getan hatte, als zu versuchen, die herausgeflogene Sicherung wieder reinzudrücken, was diese nicht zuließ.
„Es gab hier neulich schon Probleme nach dem Unwetter, wissen Sie?“, sagte er düster. „Ich glaube nicht, dass es die Sicherung ist. Vielleicht gibt es hier irgendwo einen Kurzschluss. Da können wir uns tot suchen.“ Luise gab ihm im Stillen recht. Trotzdem griff sie nach der herumstehenden Taschenlampe.
„Was suchen Sie?“
„Die Zuleitung für die ausgefallene Beleuchtung da oben.“
„Als die Elektriker das letzte Mal hier waren, waren sie dort über der Tür zugange. Vielleicht fangen Sie dort am besten an.“ Er zeigte nach draußen. „Warten Sie, wenn Sie was sehen wollen, brauchen Sie eine Leiter.“

Ich bin verrückt, dachte Luise, als sie ihr Hütchen absetzte und aus ihren Pumps schlüpfte, die für das Klettern auf eine Leiter nun wirklich völlig ungeeignet waren. Ach, egal. Oben sah sie sich dann tatsächlich einer Verteilerdose gegenüber, die auch schon bessere Tage gekannt hatte und deren Deckel ihr nach ein wenig Rütteln entgegenfiel.

„Oh“, sagte sie.
„Ja?“
„Junger Mann …“
„Frank.“
„Frank, können Sie die Taschenlampe halten? Und gleichzeitig aufpassen, dass keiner an den Sicherungskasten geht, damit ich hier nicht tot herunterfalle? Hier ist etwas gar nicht in Ordnung.“ Der nickte.
„Und in meiner Handtasche muss ein Schweizer Messer sein. Geben Sie mir das mal.“
Eins musste man ihm lassen, er zickte nicht rum und versuchte nicht, sie davon abzubringen. Da war sie von ihrer Tochter Schlimmeres gewohnt.
„Können Sie das denn?“ versicherte er sich etwas lahm.
„Natürlich kann ich das!“ antwortete Luise und griff nach dem Offiziersmesser. Bloß Tatsachen schaffen, bevor ihm einfiel, dass er garantiert keinen Betriebsfremden an die Elektrik lassen durfte. Schon gar nicht eine ältere Dame ohne Hut mit Sekt intus.

Schweizer Offiziersmesser enthalten eine Menge nützliche Dinge. Viele Leute benutzen höchstens noch den Korkenzieher oder den Flaschenöffner, aber, wie Luise sehr genau wusste, gehörte zum Funktionsumfang ihres Messers auch noch ein Drahtabisolierer, eine Kombizange und mehrere Schraubenzieher. Fix beseitigte sie verschmorte Drähte, isolierte Adern neu ab, die zum Glück gerade noch lang genug waren, verband sie über die Klemmleiste neu und schraubte alles gut fest. Gelernt war schließlich gelernt. Ihr Mann hatte ihr vieles beibringen können und hatte ihr schließlich das Messer geschenkt. Man wusste ja nie.

Inzwischen umstand ein Pulk Menschen die Leiter, ganz nah bei ihr ihre aufgeregte Tochter. Als Luise die Arme sinken ließ und „Fertig, Frank“ sagte, reckte sie ihr die Hand entgegen, um ihren Abstieg von der Leiter zu sichern. Frank wartete, bis sie sicheren Boden unter den Füßen hatte, und betätigte die Sicherung. Es flackerte und wurde Licht.

„Aaaaaah“, erklang es andächtig aus der Menge. Jemand begann übermütig zu applaudieren, die anderen fielen ein. Luise lächelte, schlüpfte wieder in ihre Schuhe und rückte ihren Hut zurecht.
„Sandra, ich könnte jetzt doch was zu trinken vertragen“, sagte sie schlicht. „Außerdem habe ich Hunger.“

 

Kabel – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Kinder! Zu Hause nicht nachmachen! :-D Ich hoffe doch sehr, dass diese Geschichte NICHT so in der deutschen Realität vorkommen kann, sondern nur meinem Kopf für Juttas Geschichtengenerator entschlüpfen durfte. Gegeben waren dieses Mal: Luise, Kantine und „Natürlich kann ich das!“

 

Entscheidung

Aus gegebenem Anlass und überhaupt und überhaupt.

Die Ratten töten, die meine Kirschen fressen, wozu? Ich kaufe mir lieber ein halbes Pfund Kirschen als ein halbes Pfund Rattengift.
Jules Renard (1864 – 1910), französischer Roman- und Tagebuchautor (Quelle)

Ich glaube nicht, dass es darum geht, nicht das zu tun, was zu tun ist. Ich glaube nicht, dass die Aussage getroffen wurde, weil Kirschen billiger sind/waren als Rattengift. Ich glaube, dass das eine grundlegende Aussage ist: eine Lebenshaltung. Wenn dem so ist, stimme ich so was von zu …

(Obligatorischer Korinthenkacker-Disclaimer: Ich habe keine Ahnung, ob das Zitat korrekt ist, es ist nicht in den gängigen Zitatesammlungen mit Quellenangabe und ich kann es dank mangelnder Sprachkenntnisse nicht weiter überprüfen. Bin für Hinweise dankbar.)

UPDATE: Dank der Freundlichkeit von Frau Myriade liegt das Zitat inzwischen im Original vor. Und zwar:

Tuer les rats qui mangent mes cerises, pourquoi ? J’aime mieux acheter une demi-livre de cerises qu’une demi-livre de poudre. (Quelle, Juli 1896, fast ganz unten)

Und nun, wertgeschätzte Sprachexperten, dürft ihr miträtseln/aufklären, warum die Übersetzerin aus „poudre“ (Pulver) „Rattengift“ gemacht hat, wie Frau Karin zu berichten wusste, die das Buch auf Deutsch besitzt.

 

Kirschblüte in Hamburg – 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst mitten in Hamburg

 

Aus der Traum

Abgehängt. Emma starrte ihr Handy an. Sie hatte sich ja vieles vorgestellt, aber dass der werte Herr Thomas Michael Alexander offensichtlich kneifen würde, war in ihren kühnsten Träumen nicht vorgekommen. Da telefonierte und mailte sie seit Wochen, ach was, seit Monaten mit ihm, hatte mit ihm Bilder ausgetauscht, mit ihm gelacht, geweint, diskutiert, gestritten und sich versöhnt und sich noch auf ganz andere Dinge am Telefon eingelassen – und dann das.

„Du bist wo? Hier in der Stadt? Heute schon? Entschuldige, das geht mir jetzt gerade zu schnell. Ich melde mich, okay?“

Ein Schlag auf den Kopf war dagegen freundlich. Nicht, dass sie ihm nicht seit Monaten von diesem Seminar erzählte, das am Montag beginnen und drei Tage dauern würde und ihr endlich die unverbindliche Möglichkeit bot, seine Stadt und damit ihn zu besuchen. Nicht, dass er nicht begeistert darauf eingestiegen war und ihr seit Monaten schon vorschwärmte, dass sie sich dann ja endlich kennenlernen könnten. Herausfinden, ob die Chemie auch live stimmen würde, und wie sehr er sich darauf freute. Sie schüttelte den Kopf. Nicht, dass da nicht in ihrem Hinterkopf das Stimmchen gewesen wäre, dass sie hartnäckig an die Sache mit dem Mann fürs Leben erinnerte.

Natürlich hatte sie nicht mit ihm darüber gesprochen. Jedenfalls nicht so. Hatte ihre Ungeduld und ihre überschäumende Vorfreude gezügelt, war klug gewesen wie immer, hatte zurückgesteckt, hatte ihn nicht eingeengt, bis sie sich fast gefesselt gefühlt hatte. Bah! Hatte niemals, niemals gefragt, ob er vielleicht auch Gefühle oder wenigstens Hoffnungen in diese Fernbeziehung – sie nannte es schon Beziehung, er wohl eher nicht – steckte, über die er lieber nicht sprach. Um sie nicht zu enttäuschen, um selbst nicht enttäuscht zu werden. Männer und Gefühle, ein heikles Thema. Okay, sie waren in dieser Hinsicht beide gebrannte Kinder, so viel stand schon mal fest.

Nein, sie hatte ihm nicht gesagt, dass sie schon am Freitagabend statt am Montagmorgen ankommen würde. Das war eine dieser berühmten spontanen Ideen ihrer lebenserfahrenen, älteren Freundin Luise gewesen. „Riskier doch mal was, Emmaschatz, du bist doch viel zu ernst. Entweder er zieht mit oder nicht, aber das Risiko, dass du dich mit dem Kerl in was verrannt hast, besteht doch sowieso. Und Hamburg ist eine tolle Stadt, da kannst du auch allein viel machen, falls nötig.“ Luise hatte gut reden, bei ihr hatte es ja schließlich geklappt mit der Internetbekanntschaft. Ihr Peter war mit fliegenden Fahnen zu ihr übergelaufen, als er ihrer ansichtig geworden war. Seitdem sprach Luise immer öfter davon, vielleicht nach Hamburg ziehen zu wollen.

Erst als sie mechanisch nach einem Taschentuch griff, fiel Emma auf, dass sie heulte. Na, großartig. So hatte sie sich ihren ersten Abend ganz bestimmt vorgestellt. Sie trat an das Fenster ihres Hotelzimmers und blickte über die Dächer hinweg in den Nachthimmel, den gerade bunte Raketen durchzogen, Feuerwerk, das offensichtlich über einem Rummel abgeschossen wurde. Ein hell erleuchtetes Riesenrad drehte sich langsam. Eigentlich schön. Aber wollte sie jetzt noch allein weg? Wo sie doch schon mal hier war? Die Reeperbahn war um die Ecke, so viel wusste sie. Andere Leute würden jetzt rausgehen und so richtig einen draufmachen, um den Frust zu vergessen.

Nein, entschied sie. Nicht allein in der fremden Stadt. Überhaupt war sie eine dieser rechtschaffen langweiligen Personen, die in den Krimis überwiegend als Leiche vorkamen und keinen weiter interessierten. Nicht mal Herrn Thomas Michael Alexander. Sie würde jetzt in die Badewanne steigen, sich weit hinaustreiben lassen und ihre Enttäuschung einfach in heißem Wasser, Wohlgeruch und Wein auflösen. Und das Handy abschalten. Der konnte sie mal! Arschloch! Ist doch wahr!
Es war das Schwerste, was sie seit Langem getan hatte.

Als sie wieder bereit war, sich ihrem Telefon zu stellen, war es schon Samstagmittag. Der Kater am Morgen war beträchtlicher als erwartet ausgefallen, und um ihn zu bekriegen, hatte sie ein ausführliches, ziemlich salzig-fettiges und insgesamt sehr gutes Frühstück genossen und war dann zu Fuß zu einer Hamburg-Erkundung aufgebrochen. Luise hatte ihr von einem Flohmarkt vorgeschwärmt, von dem ein paar ihrer aktuellen Lieblingsstücke stammten. Das Wetter war okay, es war nicht sehr weit und Emma gab innerhalb von zwei Stunden relativ viel Geld für relativ wenige wunderschöne kleine Dinge aus, inklusive einem regenbogenfarben schillernden Loop, dessen Rand genäht werden musste, einem zweisprachigen Gedichtband von Emily Dickinson mit wenigen Unterstreichungen, einer traumhaften Umhängetasche aus Naturleder und einem blauen Glasherz an einer Kette. Fehlte noch ein Hut und eine große Sonnenbrille, und sie würde aussehen wie ein Althippie. Prima.

Sie fühlte sich innerlich gewappnet genug, ihr Handy anzuschalten, aber ganz wohl war ihr nicht dabei.

Sieben – sieben! – Anrufe in Abwesenheit von Herrn Thomas Michael Alexander. Der erste noch gestern Abend, der letzte vor einer Stunde. Es ging ihr schlagartig besser. Und – immerhin – eine SMS. „Liebste Emma, ich bin so ein Idiot. Ich habe doch nicht gemeint, dass ich dich nicht sehen will! Bitte ruf mich zurück, wenn du dies liest, bitte! Dein Tom.“

Die Erleichterung überfiel sie so unvermittelt, das sie fast schon wieder geheult hätte. Das Handy lenkte sie ab, indem es klingelte. Er.

„Ja?“
„Emma? Emma, gottseidank, wo bist du?“
„Ich stehe mitten auf einem Flohmarkt in deiner wunderschönen Stadt.“
Pause.
„Kann ich dich treffen? Emma, ich hab da gestern was gesagt, was ich nicht so gemeint habe. Ich war nur so überrascht, ich bin eigentlich nicht so spontan. Ich könnte jetzt zu dir kommen, wenn du mir sagst, wo du bist.“
„Wenn ich das richtig mitbekommen habe, bin ich auf der Flohschanze.“
„Ha, guter Platz! Warte … siehst du die Straße, wenn du dich umschaust? Wenn du über die Straße gehst, bist du in der Rindermarkthalle, da ist eine Kaffeerösterei, die heißt auch so, die machen guten Kaffee.“
„Ich sehe“, Emma reckte den Hals, „eine Tankstelle. Und rechts dahinter so einen großen Klotz.“
„Genau da musst du hin. Die Rösterei ist gleich neben dem Eingang. Wenn du mir eine halbe Stunde gibst, dann können wir uns dort treffen. Ich bin der Typ mit der Rose und dem Fahrrad.“
„Und ich bin die mit dem bunten Tuch. Bis in einer halben Stunde, Tom.“
„Bis gleich, Emma!“

Ihr Name wie eine Liebkosung, ihr Herz ein einziges „Komm!“. Sie blinzelte in die Sonne und lächelte glücklich. Hatte sie auf der anderen Seite nicht einen Stand gesehen, wo es quietschbunte Fahrradklingeln gab? So viel Zeit war bestimmt noch.
Und überhaupt war Hamburg die schönste Stadt der Welt.

 

Schmuck auf dem Markt – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Ich habe nicht zwangsläufig vor (na ja, mal schauen), meine „verpassten“ Beiträge zu Juttas Geschichtengenerator nachzuholen, aber diese Geschichte hält sich jetzt schon seit längerer Zeit in meinem Hirn, also will ich sie auch freilassen. Kommt Zeit, kommt Geschichte … Hier also mein Nachzügler zu Juttas Aufruf zu Emma, dem Flohmarkt und dem magischen „Komm!“

Und ja, die Orte sind real, es gibt besagten Flohmarkt und das Café, und Emma ist offensichtlich zu einer Zeit in der Stadt, wo Dom ist, denn der hat jeden Freitag ein Feuerwerk.

 

The one and only?

Ich glaube, dass jede Katze gerne denkt, sie sei die einzige Katze auf der Welt.

(Colette, Sieben Tierdialoge, Quelle: Literarischer Katzenkalender 4.-10. April 2016)

Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Herr Fellträger so tickt. Nun ist er ein Kater, ein Einzelgänger, andere Artgenossen werden nur äußerst angespannt wahrgenommen, soweit ich das mitbekomme. Ich vermute, die einzige andere Katze, die gerade noch so geht, bin ich.

Gestern wurde ich von Campogeno mit dem „Fair zu Pfoten“-Award überrascht. Verglichen mit der Radikalität, mit der er lebt, bin ich freilich ein furchtbar kleines Licht. Eine simple Katzenvernarrte halt.

Trotzdem möchte ich seine Fragen beantworten:

1/ was für tiere leben bei dir, oder um welche tiere kümmerst du dich?

Ich lebe mit einem Fellträger, Katze genannt. Nur einer? Ja, nur einer. Das hat vor allem was mit ihm zu tun: Wenn er eines Tages mit einer anderen Katze vor meiner Tür stünde und mir erklären würde, das sei jetzt die/der, mit der/dem er sein Essen teilen möchte, dann wäre ich die letzte, die sagen würde: Kenn ich nicht, fütter ich nicht. Aber nachdem ich verschiedentlich mitbekommen habe, dass er bei allen anderen Katzen eigentlich eher sehr in der Defensive ist, habe ich gesagt, okay, your home is your castle, meinen Schoß musst du nicht teilen und auf der Couch liegt es sich auch besser, wenn nur ein Mensch und eine Katze drauf liegen. Wir teilen uns das Leben, und das darf auch gern so bleiben.

2/ wie hast du die tiere bekommen, oder woher kommen die tiere?

Er kam eines schönen Abends laut rufend den Platten- (Garten-) weg entlang an meine Tür: „Hallo, ist hier wer, ich habe nämlich Hunger, ich suche einen Platz zum Bleiben.“ Ich machte die Tür auf, sah ihn an, er sah mich an, ich nahm ihn auf den Arm, mein Herz floss über: Liebe auf den ersten Blick. Er entschloss sich zum Bleiben (Freigänger), ich suchte die Bäume und Laternenpfähle in der Umgebung nach Suchmeldungen ab und rief die zuständigen Stellen an: Keiner vermisste diese Katze, etwa einjährig (laut Auskunft Tierarzt), kastriert, sozialisiert (man stellt sich an den Kühlschrank und benutzt ein Katzenklo) und vom ersten Tag an ungeheuer menschbezogen.

3/ bist du veganer oder vegetarier?

Nein, ich bin bestenfalls ein Immer-weniger-Fleischesser, versuche aber, gerade was Fleisch angeht, sehr bewusst zu konsumieren. Auch möchte ich nicht auf Milchprodukte und Käse verzichten.

 

Die Katze und der Arm – 365tageasatzaday„Nicht den Arm wegnehmen, schläft sich gerade so gut!“
Quelle: ichmeinerselbst mit dem Handy und dem Fellträger meines Herzens

 

 

WortSchatz: Korinthenkacker

Darüber spricht man nicht, und das macht es offensichtlich so anziehend: das Tabu, das das betrifft, was „hinten rauskommt“. Es scheint eine Binsenweisheit, dass Deutsche (Deutschsprachige) anal fluchen (und Witze reißen), und dass unsere Nachbarn um uns herum das nicht tun. (Kennt irgendwer eine Theorie, warum das bei uns Deutschen so ist?)

Eine wirklich schöne und immer wieder gern genommene Demonstration dieser unserer Witzekultur findet sich bei Jürgen von der Lippe („Wie Gott den Witz erfand“ aus seinem Buch „Beim Dehnen singe ich Balladen“). Ob man das Buch nun lesen muss, sei dahingestellt (ich finde das Hörbuch witzig), was ich allerdings mochte, war der Kommentar von Denis Scheck dazu, der sagte, die „forcierten Pipi-Kacka-Pointen“ seien „not my cup of tea“, sollte ihn allerdings demnächst ein Ausländer fragen, welches Buch er lesen soll, wenn er etwas vom deutschen Wesen begreifen möchte, würde er ihm dieses Buch schenken („Druckfrisch“ vom 08.02.2015, 3:16). Interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Niederländer, die mit Krankheiten (ver-) fluchen, und dass sich mit Sex auch gut fluchen lässt, weiß der Deutschsprachige an sich auch aus den englischsprachigen Medien, seien es Film oder Musik.

Als mich also der „Korinthenkacker“ neugierig machte, fiel mir zuerst auf, dass ich das Wort viel plastischer finde als den gleichbedeutenden „Erbsenzähler“. Ja, nun, ich bin ohne jeden Zweifel deutsch, was das angeht. Da ich Neugier für eine Tugend halte, fing ich dann an herumzusuchen, ob die benannten Korinthen tatsächlich was mit Rosinen zu tun haben: Ja, haben sie. Korinthen, sagt die Wikipedia, „werden aus der Rebsorte Korinthiaki (‚Schwarze Korinthe‘; lat. Vitis vinifera apyrena) gewonnen. Sie sind ebenfalls kernlos, schwarzbraun bis schwarzblau, kleinbeerig und im Geschmack kräftiger. Die Korinthe wurde nach der griechischen Stadt Korinth benannt und ist eine seit dem 15. Jahrhundert im Deutschen nachweisbare Neubildung“ (Quelle). Man kann also vermutlich davon ausgehen, dass das Schimpfwort auch schon recht alt ist, denn kleinliche, pedantische Menschen hat es auch schon immer gegeben.

Der/die/das Wiktionary versorgte mich zusätzlich zu „pedantischer, kleinlicher, perfektionistischer und gleichzeitig auch rechthaberischer, altkluger Mensch“ (Quelle) mit der Information, dass es im Österreichischen dafür den Begriff „Krümelkacker“ gäbe, die Franken dazu „Dipferlasscheißer“ und die Schweizer „Tüpflischisser“ sagen würden. Da das offensichtlich eine Ähnlichkeit ist, die sich auf Optik bezieht, möchte ich schnell noch die Kurve zu dem überaus lesenswerten Buch „Darm mit Charme“ von Giulia Enders bekommen, die es mit ihrem locker-flockigen Stil tatsächlich schafft, ein tabubeladenes Thema (Verdauung und ihre Organe) zum Partygespräch zu machen UND dabei ein paar grundlegende Fakten zu vermitteln. Was mir zum Beispiel völlig neu war, ist die Existenz der Bristol-Stuhlformen-Skala.
Und wenn ich aus der meine Schlüsse ziehe, dann leiden Korinthenkacker an schwerer Verstopfung. Was, wie ich finde, wiederum passt.

 

Rosinen – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, und ich habe keine Ahnung, ob das Korinthen sind