Närrinnenträume | abc.etüden

„Ich will nur wissen, ob du bereit bist, wie ein Narr auszusehn, um deiner Liebe willen, um deiner Träume willen.“

Die Musik verebbte kurz nachdem er gegangen war. Die Stille, die sie plötzlich umgab, wog wie Blei auf ihren mutlosen Schultern. Er hatte natürlich höflicherweise darauf verzichtet es auszusprechen, aber sie war sich sicher, dass sie gewogen und für zu leicht befunden worden war; wieder einmal war sie nicht gut genug. Sie schleppte sich verzweifelt durch ihre Wohnung, starrte aus jedem Fenster in die beginnende Nacht. Liebe: ungenügend. Oh, natürlich hatte er gesagt, dass alles in Ordnung sei und dass er wiederkommen würde, schon bald, aber taten sie das nicht jedes Mal? Warum, warum, warum nur tat es immer so weh?

Die Türklingel riss sie aus ihren Ängsten. Als sie widerstrebend öffnete, sah sie zuerst nur den bunten Rosenstrauß, dann dahinter den Mann, der ihn hielt und sie anstrahlte.

***

Textstaub’sche abc.etüden, KW 4/ 17. Kürzestgeschichten in 10 Sätzen um die Liebe. Vorgegebene Wörter: Narr, Stille, Rosenstrauß. Könnte sich zu meinem neuen Lieblingsspielzeug entwickeln. Hier nochmals: Schönen Dank, der Herr, dass ich diese Woche Worte spenden durfte. Ich finde nicht, dass es die Sache leichter macht.

 

abc.etueden schreibeinladung 04.17 | lzVisuals mit freundlicher Genehmigung von ludwigzeidler

 

Ach, und wer wissen möchte, was das für ein Lied ist: Laith Al-Deen, Ich will nur wissen

Ja, der Liedtext hat auch eine Vorgeschichte, wer etwas über den wissen will, suche nach „Oriah Mountain Dreamer“ und „Einladung“ bzw. „The Invitation“ für das Original. Und natürlich mag ich, dass hier alle Leute mitsingen, auch klar, oder? Aber da Ulli mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass man ihn schlecht versteht, gibt es hier noch eine Version mit Lyrics.

 

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40 Kommentare zu “Närrinnenträume | abc.etüden

  1. Guten Morgen, liebe Christiane, klasse, wie sich diese Geschichte wendet, das ist der Spannungsbogen und die Überraschung, das beherrschst du wahrlich! Leider finde ich es ganz schwierig den Text von „Ich will nur Wissen“ zu verstehen, muss ich mal schauen, ob es noch eine andere Aufnahme gibt.
    Herzliche Grüsse
    Ulli

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      • Danke nochmals für die Links, ich habe gerade auch ein bisschen bei Oriah Mountain Dreamer gelesen und dabei gedacht, es gibt wirklich so, so viele Menschen, die den Weg des Herzens gehen und sich für ihn einsetzen, ja, das macht mir Mut, obwohl die Gegenseite so mächtig erscheint…
        herzliche Grüsse
        Ulli

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        • Wir sind viele. Es mag jede/jeder allein auf seinem Weg sein, aber viele Flüsse fließen ins Meer. Spaltungen in „wir“ und „die“ können auch dazu führen, dass einem/einer das „WIR“ bewusster wird. (Okay, ich rede jetzt mal nicht über die Praxis, verbohrt sein geht auf beiden Seiten.)
          Herzlich zurück
          Christiane, lachend

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        • Da muss ich dir einmal ganz vehement widersprechen. Spaltungen in „wir“ und „die“ finde ich in keinem Fall gut. Ich finde die Durchlässigkeit ganz wichtig. Schon um das“Blasenphänomen“ in den social medias nicht zu unterstützen. Die Welt in „gute“(mit den Herzen denkende) und „böse“ (alle anderen) einzuteilen, halte ich für ganz falsch und auch für viel zu kurz gegriffen. Menschen sind vielfältiger als dass man sie in zwei Gruppen einteilen könnte und flexibel genug um immer wieder „die Seiten wechseln“ zu können. Und obendrein führen unsere eigene Verblendung und unsere eigenen Vorurteile immer wieder dazu, dass wir Menschen in Schubladen ablegen, in die sie nicht gehören
          Myriade, winkend 🙂

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        • Ja, alles richtig. Aber wie erkläre ich das …? Menschen/unser Gehirn denken/denkt dual. Wir bauen Gegensatzpaare auf. Schwarz. Weiß. Gut. Böse. Links. Rechts. Mann. Frau. Oben. Unten. Wir. Die. Das ist eine Tatsache, wir orientieren uns daran.
          Natürlich hast du recht, dass es GANZ EXORBITANT wichtig ist, sich dieser Einteilungen bewusst zu werden, diese Grenzen zu hinterfragen, zu überschreiten, die Seiten zu wechseln, zu akzeptieren, dass man selbst nicht nur schwarz oder weiß, sondern in der Regel beides ist, männliche (ich hasse diese Zuweisung sowieso) und weibliche Anteile hat etc. etc. – und dass das für alle, wirklich alle anderen grundsätzlich ebenso gilt.
          Ich dachte nur nicht, dass ich es in diesem Thread nochmals extra würde schreiben müssen, sonst hätte ich es getan. Ulli ist ein bunter Hund (gern auch Katze) von Natur aus, ich bin es auch. Danke für deine Vorsicht, ich hoffe, du findest es jetzt auch rund oder zumindest runder.
          Liebe Grüße
          Christiane

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        • Doch, ich finde es viel runder 🙂 Danke! Manche Dinge kann man doch nicht oft genug wiederholen, vor allem den bunthundigen Standpunkt in einer Gesellschaft, die sich immer mehr in „wir“ und „die anderen “ orientiert und Leute, die das nicht mitmachen wollen als Schurken oder Wahnsinnige behandelt, je nachdem

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        • Ach weißt du, ich versuche inzwischen, diese Teilung zu ignorieren und Menschen als Menschen, sprich mit Respekt, Humor und gesundem Menschenverstand, zu behandeln.
          Ja, diese Haltung einnehmen zu können, ist ein Privileg, ich weiß, das ist erheblich schwieriger, wenn man selbst in Grabenkämpfen steckt, sei es freiwillig oder erzwungen.
          Liebe Grüße
          Christiane

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        • Liebe Christiane, ich habe ja auch immer wieder so meine Mühe mit dem „wir“, denn bei näherem Hinsehen entfaltet es sich oft so anders…
          danke, auch für dein Lachen
          Ulli

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        • Von deinem Blogmotto erzählte ich letztens dem Liebsten, weil , öhm ja räusper, er mir das manchmal vorwirft, wenn ich im Meckermodus bin und das dann aber gaaanz ungerecht finde 😉

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  2. interessant, die Kommis *g*
    Aber ich wollte doch nur zu einer der kürzsten Kurzgeschichten schreiben, liebe Christiane.
    Ich war so voller Mitgefühl und voller Verständnis und trotzdem schüttelte ich meinen Kopf, während ich doch voller Mitgefühl war und dachte, nanu, warum eigentlich denkt sie so, was ist denn Schreckliches geschehen?
    Ich fand es nicht heraus und da!, die Türklingel!, und ich atmete auf!
    Sie hatte sich geirrt! Guuuuuuuuuut! Hach

    Du hast in die Kürze so viele Gedanken gelegt, liebe Christiane, daß es durchaus auch eine längere Geschichte hätte sein können. Sehr schön.

    Lieber Gruß zum Abend von mir

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    • Du sagst es, liebe Bruni, alles nur Kopfkino. Und so schön wie das ist und sein kann und soll, sich etwas einzubilden, so sehr kann man sich dabei verrückt machen und messerscharf in die eigenen Ängste hauen …
      Ich wollte unbedingt einen guten Ausgang. Unbedingt. Denn natürlich hätte sie auch recht haben können …
      Liebe Grüße
      Christiane

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