Hoher Einsatz | abc.etüden

Ich habe zu Hause ein blaues Klavier und kenne doch keine Note. Sie sei eben ein Versager, sagte ihre Mutter, und leider so ganz anders als ihr Bruder. Es steht im Dunkel der Kellertür, seitdem die Welt verrohte. Ihr Gesicht war dagegen schon ziemlich milchweiß, um nicht zu sagen käsig, wie ihr ein Blick in den Toilettenspiegel bescheinigte. Zerbrochen ist die Klaviatür … ich beweine die blaue Tote. Ach, nicht wirklich, aber ihr Arm war jedenfalls inzwischen rostrot, rostrot wie der Fluss aus Blut, der ihn bedeckte, und tat saumäßig weh.

„Komm da raus, ich weiß doch genau, dass du das nur gemacht hast, damit du nicht üben musst“, hörte sie ihre Mutter herumschreien. Sie taumelte beim Aufstehen und befürchtete einen Moment, dass sie das mit dem Schneiden vielleicht doch ein bisschen übertrieben hatte. Wenn ihre Mutter auch kein Blut sehen konnte, würden sie beide gleich umkippen.
Womit ihre Pianistinnenkarriere und dieser widerliche Klavierlehrer bestimmt endgültig Geschichte wären.

———-

Sollte sich jemand fragen, was ich da zitiere (kursiv): Else Lasker-Schüler, Mein blaues Klavier, aus dem gleichnamigen Gedichtband (Quelle).

 

abc.etueden schreibeinladung 13.17 1 | lzVisuals mit freundlicher Genehmigung von ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden des Herrn lz: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von dergl (Fädenrisse) und lauten: Rost, milchweiß und Fluss.

 

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Vor meinem Fenster

Vor meinem Fenster
singt ein Vogel.

Still hör ich zu; mein Herz vergeht.

Er singt, was ich als Kind besass
und dann — vergessen.

(Arno Holz, aus: Phantasus, 1. Heft, Quelle)

Zugegeben, das ist kurz und melancholisch, aber natürlich ist nicht alles von ihm so. Gern empfehle ich euch Arno Holz (-> Wikipedia) als Montagsgedicht, wer ihn nicht kennt, der kann sich hier und hier durch den Phantasus (1898/99) blättern.

Noch eins?

Alle tausend Jahre
wachsen mir Flügel.

Alle tausend Jahre
saust mein purpurner Drachenleib
durch die Finsterniss.

In entseelte Himmel
spei ich
Myriaden Sterne!

Am Bach,
unter Weiden,
sitz ich dann, flechte mein langes Goldhaar, singe
und freue mich, wie sie Oben glitzern.

(Arno Holz, aus: Phantasus, 2. Heft, Quelle)

Rotkehlchen | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

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Sie nannte ihn „Zaunkönig“ | abc.etüden

Wer zum letzten Mal aus dem Heim auscheckte, der hinterließ selten mehr als einen Koffer und einen Karton voller Habseligkeiten: Marie, die Großmutter von Tom „King“ Hartmann, war da keine Ausnahme. Nun saß er da, vor sich auf dem Tisch das ausgebreitet, was sie bis zum Schluss bei sich hatte haben wollen, und wollte eigentlich gar nicht hinsehen.
Neben dem Alltäglichen lagen da Bilder von der Familie, klar, ihr Ehering, alter und neuer Schmuck. Darunter ein tropfenförmiger, klarer Anhänger aus Gießharz, bisschen größer als eine Murmel, darin eingegossen eine Haarlocke von ihm aus der Zeit, als er noch klein gewesen war und unglaubliche blonde Locken gehabt hatte, und ein Bild von einem Zaunkönig. Als Junge hatte er nicht gewollt, dass sie ihn „Spatz“ nannte, da hatten sie sich auf „Zaunkönig“ geeinigt, klein und frech und laut auch der. Und hey, ein König!
Der Anhänger war selbst gemacht und er hatte ihn immer völlig peinlich gefunden, aber sie hatte ihn geliebt und oft getragen. Er griff danach, fädelte ihn auf ein Lederband und hing ihn sich um den Hals. Was kümmerte ihn sein Geschwätz von früher. „Ach, Omi“, sagte er leise und spürte ein paar Tränen seine Wangen hinabrollen, „verdammt.“

 

abc.etueden schreibeinladung 12.17 1 | lzVisuals mit freundlicher Genehmigung von ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden des Herrn lz: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Marion (Findesatz) und lauten: Murmel, Habseligkeiten und Zaunkönig.

 

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Ein Lächeln in der Tristesse

In welchem Kontext auch immer dieser sagenhafte Ausspruch jemals stand (er grassiert im Netz als Zitat ohne Herkunftsangabe); da die Häuser so aussehen, als könnten dort demnächst weitere größere Umgestaltungsmaßnahmen (sprich: Abriss) vor sich gehen, habe ich das Handy mal schnell durch den allgegenwärtigen Bauzaun gehalten: Baby it was real and we were the best.

Klingt ja schon fast wieder wie eine Geschichte. Bestimmt eine Liebesgeschichte, oder? Das Ende? Ein Anfang?  ;-)
Ich überlasse es euch und bin gespannt auf eure Vermutungen.

 

Baby it was real | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

World Poetry Day

Auf den letzten Metern noch was zum heutigen „Welttag der Poesie“ gefunden … so schön!

 

A Readmill of my mind

Zum Tag der Poesie

He Wishes for the Cloths of Heaven

by W. B. Yeats (1865-1939)

Had I the heavens’ embroidered cloths,
Enwrought with golden and silver light,
The blue and the dim and the dark cloths
Of night and light and the half-light,
I would spread the cloths under your feet:
But I, being poor, have only my dreams;
I have spread my dreams under your feet;
Tread softly because you tread on my dreams.

 Er wünscht sich die Kleider des Himmels

Hätte ich des Himmels bestickte Kleider,
Durchwirkt mit goldnem und silbernem Licht,
Die blauen, die düstren und die dunklen Kleider,
Der Nacht, des Lichts und des halben Lichts,
Ich legte sie zu deinen Füßen aus:
Doch bin ich arm und hab nur meine Träume;
Die legte ich zu deinen Füßen aus,
Tritt sacht, du trittst auf meine Träume.

(eigene Übersetzung)

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Zeit zu gehen | abc.etüden

Ausmisten ist irgendwie wie Abnehmen, dachte Merle. Zuerst ist das Ansammeln ganz toll, hiervon ein bisschen, davon ein bisschen, und später befreit dann das Loswerden.
Sie betrachtete die Holzkiste, in der die Habseligkeiten ihrer Kinderzeit geschlummert hatten, viele Jahre vergessen, jetzt neu befüllt. Darin lag auch ihr größter Schatz, die Glaskugel, eigentlich mehr eine Murmel, die in der Sonne bunt schillerte. Sie war als Kind fest davon überzeugt gewesen, dass die Kugel nachts auf der Fensterbank Sternenlicht speicherte und es wieder abgeben würde, wenn sie, Merle, in Gefahr geriete. Dunkle Orte hatte sie kennengelernt, funktioniert hatte es nie – obwohl … sie war während der letzten Tage ins Grübeln gekommen.

Zeit zu gehen. Sie nahm die Kiste, schloss die Haustür von außen doppelt ab und legte den Schlüssel für ihre Geschwister unter die Fußmatte. „Pass gut auf dich auf, Bruder Vogel“, sagte sie zu dem Zaunkönig, der sie aus dem Baum neugierig beäugte, „nicht, dass die blöde Katze dich doch noch kriegt. Ich komm so bald nicht mehr.“

 

abc.etueden schreibeinladung 12.17 2 | lzVisuals mit freundlicher Genehmigung von ludwigzeidler

 

Nur falls jemand über „Bruder Vogel“ stolpert: „Merle“ (frz.) bedeutet „Amsel“.  :-)

Für die abc.etüden des Herrn lz: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Marion (Findesatz) (hurra!) und lauten: Murmel, Habseligkeiten und Zaunkönig.

 

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Die Amseln haben Sonne getrunken

Die Amseln haben Sonne getrunken,
aus allen Gärten strahlen die Lieder,
in allen Herzen nisten die Amseln,
und alle Herzen werden zu Gärten
und blühen wieder.

Nun wachsen der Erde die großen Flügel
und allen Träumen neues Gefieder;
alle Menschen werden wie Vögel
und bauen Nester im Blauen.

Nun sprechen die Bäume in grünem Gedränge
und rauschen Gesänge zur hohen Sonne,
in allen Seelen badet die Sonne,
alle Wasser stehen in Flammen,
Frühling bringt Wasser und Feuer
liebend zusammen.

(Max Dautendey, Die Amseln haben Sonne getrunken, Quelle)

Amsel | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

Carmen wünschte sich letzte Woche etwas zum Frühling: bitte schön! Heute beginnt er, offiziell um 11:28 Uhr, und ich weiß nicht, wie es bei euch aussieht, aber unser Wochenende war überaus vorfrühlingshaft, kalt und vor allem NASS. Das „grüne Gedränge“ lässt jedenfalls noch auf sich warten, und auch von „Nestern im Blauen“ (ist das nicht großartig?) kann hier im Norden noch nicht wirklich die Rede sein. Von daher: Es kann nur besser werden.

Eine (knappe) Minute Ruhm erlangte mein heutiges Montagsgedicht jedenfalls schon vor zwei Jahren, als Jan Hofer es in der Morgen-Tagesschau (09.04.2015, 8 Uhr) überraschend rezitierte. Man stolpert überall darüber, wenn man Informationen zu dem Gedicht sucht (die es nicht gibt, nur zu Dauthendey), daher kann ich es auch gleich verlinken.  :-)

Kommt gut in die Woche UND in den Frühling!

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Warten auf … | abc.etüden

Manchmal träumte Henry von der Insel. Mit Hängematte, Schirmchencocktail und Meeresfrüchten satt und Personal, das man nur sah, wenn man es brauchte. Stattdessen verkündete in der Praxis seines Hausarztes Prof. Dr. Peter Großmann das Urteil, dass nicht nur sein Blutdruck zu hoch sei. „Das metabolische Syndrom“, dozierte der Professor, während Henry darauf wartete, dass er wieder gehen durfte, „ist eine Ansammlung von Risikofaktoren und verkürzt Ihr Leben unbehandelt signifikant. Bewegen Sie sich mehr, und wenn Sie nicht Sport treiben wollen, schaffen Sie sich andere Anreize: Was halten Sie von einem Hund?“

Das wiederum war tatsächlich eine Idee, mit der er gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen würde. Tageslichttaugliche Männer mit knuddeligen Hunden waren beliebt bei der Damenwelt; er beobachtete das auf der Kurpromenade ständig. Vielleicht eine dieser Französischen Bulldoggen mit Charakterkopf? Einen Namen für das Tier hatte er jedenfalls schon: Godot. So unterstrich man dezent einen gewissen intellektuellen Anspruch.

 

abc.etueden schreibeinladung 11.17 1 | lzVisuals mit freundlicher Genehmigung von ludwigzeidler

 

Bitte, ihr müsst mir nicht sagen, dass man dem Typen keinen Goldfisch anvertrauen dürfte, geschweige denn einen Hund, und dass French Bulldogs, die ansonsten echt entzückende Hunde sind (ich kenne zwei), oft aus Qualzuchten stammen und Zuchtfehler erleiden müssen/mussten, die auch Perserkatzen haben … alles geschenkt. Ich wollte für diese Etüde einfach einen Modehund.

Noch eine für die abc.etüden des Herrn Textstaub: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Melanie Coupar und lauten: Hängematte, Urteil, Meeresfrüchte.

 

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Polonaise mit Meeresfrüchten | abc.etüden

Im großen Saal der Kuranstalt Rosenhof tobte der Tanztee. Um ihn herum. Schön, er hatte das Leben nie für eine Hängematte gehalten und erst recht nicht für einen Ponyhof, aber wer bitte hatte ihm diese Unsäglichkeit eingebrockt, und warum, warum nur hatte er eingewilligt, zur Kur mitzukommen?
Er sah resigniert zur Tanzfläche, wo der Grund beschwingt einen rüstigen Herrn anstrahlte. Das Urteilsvermögen seiner Holden war auch schon mal besser gewesen.

„Und wenn die ganze Erde bebt und die Welt sich aus den Angeln hebt: Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern, keine Angst, keine Angst, Rosmarie!“ Eine Polonaise drohte sich zu formen; auch das noch. Sie würden ihn bestimmt gleich holen kommen. Der alte Schlager ließ ihn unwillkürlich an das Mittagessen denken, und sein Magen hob sich. Er hatte Meeresfrüchte doch noch nie gut vertragen.

 

abc.etueden schreibeinladung 11.17 3 | lzVisuals mit freundlicher Genehmigung von ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden des Herrn Textstaub: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Melanie Coupar und lauten: Hängematte, Urteil, Meeresfrüchte.

 

 

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Berauschter Abend

Purpurschwere, wundervolle Abendruhe
Grüßt die Erde, kommt vom Himmel, liebt das Meer.
Tanzgestalten, rotgewandet, ohne Schuhe,
Kamen rasch, doch sie versinken mehr und mehr.

Furchtbar rot ist jetzt die Stunde. Wutentzündet
Drohen Panther. Grausamfunkelnd. Aufgebracht!
Dieser bleibt: ein Knabe reitet ihn und kündet
Holder Wunder tollen Jubel in die Nacht.

Nacht! der Abend, aller Scharlach mag verstrahlen.
Auch der Panther schleicht im Augenblick davon.
Aber folgt dem Knaben! Sacht, in schmalen Glutsandalen
Tanzt er nackt im alten Takt von Babylon.

Alle Flammen abgeschüttelt? Auf der Füße
Blassen Spitzen winkt und fiebert jetzt das Kind:
Weltentschwunden? Sterne sind die sichern Grüße
Stiller Keuschheit überm Meere, vor dem Wind!

(Theodor Däubler, Berauschter Abend, aus „Das Sternenkind“, Quelle)

 

Däubler, Sternenkind | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

Letzte Woche schlug Marion mir vor, es müsse eigentlich jeden Montag ein Gedicht geben, und ich überlegte daraufhin, ob mir eine Reihe „Montagsgedichte“ passen würde. Ja, würde sie, wenn da nicht … ihr kennt das. Also gibt es jetzt ein Montagsgedicht, das am Dienstag erscheint.

Dieses Gedicht mogelte sich letzte Woche in Fetzen in mein Gedächtnis. Erst war es was mit „Sterne“ (klar, ich war Sternenwandern), dann was mit „Zehenspitzen“ und „Kind“ (sucht das mal, ihr werdet verrückt!), dann mit „blass“. Und ich wusste die ganze Zeit, dass ich es mal gut gekannt hatte … Ich hatte die Zeit schon ungefähr eingekreist und nichts gefunden, bis ich zu meinem alten Lieblingsgedichtbuch griff und fündig wurde. Dann spuckte natürlich auch das Internet was aus; und ich entdeckte, dass ich das schmale Büchlein, aus dem das Gedicht stammt („Das Sternenkind“) in einer alten Insel-Ausgabe selbst hier stehen hatte … welche Freude!

Planet Lyrik bringt hier unter „Nachbemerkung“ (unten) etwas zur Rezeption des „blaubesternten Bändchens“, was ich ebenfalls in meiner Ausgabe am Ende finde, und hängt eine Lesung von Konstantin Wecker an, die ich euch natürlich ebenfalls nicht vorenthalten will.

Kommt gut durch die Woche!

 

 

Machen Sie Ihr Spiel! | abc.etüden

Die Dachterrasse ihres Penthouses lag bereits halb im Schatten, als Martha „Des Teufels Gebetbuch“ ergriff und leicht unsicheren Schrittes zu ihrer Hängematte watschelte, von der aus sie die Dächer der kleinen Stadt am See überblicken konnte. Wieder einmal hatte sie dem Urteil ihres Buchhändlers vertrauen können, Heitz erwies sich als ein hervorragender Autor. Es wurde später Nachmittag, aber sie las und las und sah nicht auf, als Jean ihr den sechsten Espresso corretto für diesen Tag hinstellte und daneben eine Schale mit ihrer Lieblingsleckerei, belgischen Meeresfrüchte-Pralinen. „Danke, mein Lieber“, sagte sie geistesabwesend und tastete schon nach den Süßigkeiten, „ich glaube, ich brauche dich heute nicht mehr.“

Sein Deal mit dem Arzt stand: Jean hatte keine Lust mehr, den Diener zu geben. In der Küche verschloss der Alleinerbe, Ex-Liebhaber und ehemalige Spieler penibel das Tütchen mit dem weißen Pulver und steckte es ein. Die Chancen standen fifty-fifty, dass er über Nacht ein reicher Mann werden würde, hatte er doch genau die Hälfte der vierundvierzig Pralinen mit dem Gift versetzt. Man musste dem Schicksal immer eine Chance lassen.

„Faites vos jeux!“

Er hatte auf Tod gesetzt.

 

abc.etueden schreibeinladung 11.17 1 | lzVisuals mit freundlicher Genehmigung von ludwigzeidler

 

Liebe Kinder, NICHT NACHMACHEN! Das weiße Zeug ist noch Ewigkeiten in einer Leiche nachweisbar, der Arzt wird Jean erpressen und Jean hat zwar aus Marthas Handy den Akku rausgenommen, ist aber dennoch ein gewissenloser Trottel. Wie gut dagegen Marthas Buch ist, weiß ich nicht, aber es ist gerade auf der Bestsellerliste und ja, Heitz hat einen Namen.

Und: Hey, Melanie! *strahl* Schicke Worte!

Wieder einmal bin ich der wöchentlich neuen Schreibeinladung des Herrn Textstaub gefolgt: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Melanie Coupar und lauten: Hängematte, Urteil, Meeresfrüchte.

Macht doch auch mit!

 

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Under construction | abc.etüden

Sternenwandern mit der Clique, so weit kommt es noch!“
Wutentbrannt drückte sie ihr Fräulein Tochter weg und versuchte, sich die Bruchstücke des Gesprächs ins Gedächtnis zu rufen. Hatte sie nun gesagt, dass dieser Jakob oder Jonas oder wie er hieß auch dabei sein würde? Und wann hatte es eigentlich angefangen, dass sie für absolut jeden Scheiß in der Familie zuständig war und sich keiner auch nur im Entferntesten für irgendwas verantwortlich fühlte? Okay, okay, das Pubertier war gerade sozusagen under construction, möge es bald vorbei sein, aber wo war denn zum Beispiel Martin, wenn man ihn mal für ein Machtwort brauchte?

Der Abendhimmel präsentierte sich im Sonnenuntergang fliederfarben, als sie das Auto vom Büro heimwärts lenkte. Über ihr segelten zwei Möwen, getragen allein vom Wind, flach wie Bretter, unbeeindruckt von allem Irdischen.

Das hatte sie sich alles mal ganz anders vorgestellt.

Eine Möwe kippte elegant über den Flügel nach links und flog einfach so davon. Sie hätte schreien können.

 

abc.etueden schreibeinladung 10.17 1 | lzVisuals mit freundlicher Genehmigung von ludwigzeidler

 

Heute begegnet das Sternenwandern einer genervten Mutter …  ;-)

Sternenwandern, Bruchstücke, fliederfarben. Schreibeinladung zu Kürzestgeschichten, 3 Worte in maximal 10 Sätzen, Woche 10/ 17, Gastgeber ist der Herr hinter dem Textstaub, Wortspenderin in dieser Woche die Frau Westendstorie.

 

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