Abgehauen | abc.etüden

Mari lehnte sich schwer atmend an die Hauswand, ihr Atem und ihr Herz rasten, als ob sie um ihr Leben gerannt wäre. Ihr Zorn auf diesen … diesen … Mann war immer noch so uferlos, dass sie am liebsten laut geschrien hätte. Stattdessen hatte sie die Tür mit der albernen Milchglasscheibe zugepfeffert und war auch nicht stehen geblieben, als sie das Klirren gehört hatte. Die lag jetzt wohl in Scherben, in Fragmente zersprungen, so wie ihr gemeinsames Leben, so ein Pech aber auch.

Sie spürte eine Berührung am Bein und erschrak: „Mau“, sagte eine entschiedene Stimme, die zu einer schmalen, schwarzen Katze gehörte. Gedankenverloren nahm sie sie auf den Arm und kraulte sie, bis das pantherhafte Wesen laut schnurrend die prüfenden Augen schloss und sie trotz allem lächeln musste.
„Komm mit, wenn du magst“, sagte sie nach einer gefühlten Ewigkeit und stellte sie wieder auf die Füße, „etwas Besseres als den Tod finden wir überall.“ So war das eben mit ihr: Andere zitierten den Zauberer von Oz, sie die Bremer Stadtmusikanten.
Mari stieß sich von der Wand ab und brach auf in eine ungewisse Zukunft. Die Katze reckte den Schwanz wie eine Fahne in die Luft und folgte ihr.

 

abc.etueden schreibeinladung 09.17 1 | lzVisuals mit freundlicher Genehmigung von ludwigzeidler

 

Ohne Etüde fehlt mir was! Nun war ich diese Woche ja wirklich nicht untätig, aber was sprang mir gestern Abend in den Kopf? Eine kleine, feine Kürzestgeschichte für den Textstaub’schen Aufruf der KW 9/ 17, zu dem die famose Poeta Sandra Blume die wunderbaren Worte Atem, uferlos und Fragment beigesteuert hat. Vielen Dank!

 

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