Machen Sie Ihr Spiel! | abc.etüden

Die Dachterrasse ihres Penthouses lag bereits halb im Schatten, als Martha „Des Teufels Gebetbuch“ ergriff und leicht unsicheren Schrittes zu ihrer Hängematte watschelte, von der aus sie die Dächer der kleinen Stadt am See überblicken konnte. Wieder einmal hatte sie dem Urteil ihres Buchhändlers vertrauen können, Heitz erwies sich als ein hervorragender Autor. Es wurde später Nachmittag, aber sie las und las und sah nicht auf, als Jean ihr den sechsten Espresso corretto für diesen Tag hinstellte und daneben eine Schale mit ihrer Lieblingsleckerei, belgischen Meeresfrüchte-Pralinen. „Danke, mein Lieber“, sagte sie geistesabwesend und tastete schon nach den Süßigkeiten, „ich glaube, ich brauche dich heute nicht mehr.“

Sein Deal mit dem Arzt stand: Jean hatte keine Lust mehr, den Diener zu geben. In der Küche verschloss der Alleinerbe, Ex-Liebhaber und ehemalige Spieler penibel das Tütchen mit dem weißen Pulver und steckte es ein. Die Chancen standen fifty-fifty, dass er über Nacht ein reicher Mann werden würde, hatte er doch genau die Hälfte der vierundvierzig Pralinen mit dem Gift versetzt. Man musste dem Schicksal immer eine Chance lassen.

„Faites vos jeux!“

Er hatte auf Tod gesetzt.

 

abc.etueden schreibeinladung 11.17 1 | lzVisuals mit freundlicher Genehmigung von ludwigzeidler

 

Liebe Kinder, NICHT NACHMACHEN! Das weiße Zeug ist noch Ewigkeiten in einer Leiche nachweisbar, der Arzt wird Jean erpressen und Jean hat zwar aus Marthas Handy den Akku rausgenommen, ist aber dennoch ein gewissenloser Trottel. Wie gut dagegen Marthas Buch ist, weiß ich nicht, aber es ist gerade auf der Bestsellerliste und ja, Heitz hat einen Namen.

Und: Hey, Melanie! *strahl* Schicke Worte!

Wieder einmal bin ich der wöchentlich neuen Schreibeinladung des Herrn Textstaub gefolgt: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Melanie Coupar und lauten: Hängematte, Urteil, Meeresfrüchte.

Macht doch auch mit!

 

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