Die unmögliche Tatsache

Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren.

»Wie war« (spricht er, sich erhebend
und entschlossen weiterlebend)
»möglich, wie dies Unglück, ja –:
daß es überhaupt geschah?

Ist die Staatskunst anzuklagen
in bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?

Oder war vielmehr verboten,
hier Lebendige zu Toten
umzuwandeln, – kurz und schlicht:
Durfte hier der Kutscher nicht –?«

Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!

Und er kommt zu dem Ergebnis:
»Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil«, so schließt er messerscharf,
»nicht sein kann, was nicht sein darf.«

(Christian Morgenstern, Die unmögliche Tatsache, Quelle)

oldtimer | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

Mein dieswöchiges Montagsgedicht gehört zu denen, die ich schon als Kind heiß und innig liebte, weil ich die Überspitzung ins Absurde so mochte. Da wird jemand überfahren, steht wieder auf und findet heraus, dass er gar nicht tot sein kann, weil Autos dort nicht fahren durften. Wie genial ist das denn bitte!
Ähnlichkeiten mit der Politik waren vermutlich damals wie heute selbstverständlich nicht gegeben …

Kommt gut in die neue Woche!

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