Gordischer Knoten | abc.etüden

Es war eine impulsive Entscheidung gewesen, er fühlte sich wie Alexander, als er den Gordischen Knoten durchgehauen hatte. Auf zu neuen Ufern! Sollten sie sich doch online zum Leichenschmaus versammeln und an seinen Knochen nagen. Er war raus aus der Sackgasse, er war frei, er war weg, es kümmerte ihn nicht mehr. Raus aus dem ganzen Fake-Leben: Als ob ihn die Farbe des Duschvorhangs anderer Leute je ernsthaft interessiert hätte!
Echte Kontakte würden bleiben, gewollte, keine aufgezwungenen, auf den Rest hatte er schon immer gern verzichtet. Sicher, so hatte er sich seinen Abgang nicht gewünscht, aber ihm war seine Lebenszeit – und seine Gesundheit – für den Mist zu schade.
Er fuhr an den See, hielt das Gesicht in die Sonne und die Nase in den Wind. Frühlingsgefühle, endlich.
Und später würde er malen.

Anmerkung: Dies ist FIKTION, liebe Leserinnen und Leser, eine Phantasie vor realem Hintergrund. Bitte nicht verwechseln.

 

textstaub abc.etueden schreibeinladung 3 16.17 | 365tageasatzadayQuelle: atelier lz

 

Für die abc.etüden, Woche 16/ 17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Annette (Ruhrköpfe) und lauten: Duschvorhang, Leichenschmaus und Frühlingsgefühle.

Ja, ich jetzt auch einen ohne Leiche. Musste doch gehen. Stellt euch übrigens für nächste Woche schon mal auf was richtig Überraschendes an Wörtern ein.  😉

 

 

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51 Kommentare zu “Gordischer Knoten | abc.etüden

    • Das ist eine spannende Frage, die neulich bei einer Diskussion um das Thema Tod auftauchte: Was geschieht mit den ganzen Online-Hinterlassenschaften, die eine/r möglicherweise hat, wenn jemand stirbt. Und wenn der- oder diejenige Teil einer Community war, sollte es dann online nicht auch eine Möglichkeit des Verabschiedens geben?
      Gut, ist nicht das Thema dieser Etüde, aber interessant finde ich den Gedanken schon …
      Liebe Grüße zurück
      Christiane

      Gefällt 7 Personen

      • Ja, das ist wirklich interessant.
        Ich verwalte die Blogs einer Mitbloggerin, die sich vor drei Jahren das Leben genommen hat. Darum hatte sie mich gebeten und sie hat sich auch von allen verabschiedet.
        Seine online-Hinterlassenschaften rechtzeitig in andere, vertrauensvolle Hände zu legen, ist gar nicht mal verkehrt.

        Gefällt 6 Personen

      • In meinem Blogiversum gab es mittlerweile 2 oder 3 Sterbefälle, alle hatten einen Zugang zum Blog weitergereicht um ihn dann mit der entsprechenden Nachricht zu beenden. Aber wird er dann gelöscht? Und wenn ja, wann? Oder gerät das in Vergessenheit? Haben die Angehörigen nicht genug anderes zu tun? Will ich das überhaupt, dass jemand meinen Blog ‚irgendwie‘ weiterführt. Kann man nicht mal dann loslassen?
        Kaum zu lösenden Fragen, da es vielleicht keine allgemeingültige Lösung gibt. Aber darüber nachdenken, das vielleicht mal schon.
        Ich habe diese Tage einen Newsletter in anderer Sache bekommen, den ich mal bestätigen soll, wenn es weitergeht, ansonsten werde ich gelöscht. Finde ich gut. Einmal im Jahr ein WP-Email, das es zu bestätigen gilt, innerhalb von vielleicht 3 Monaten, dann nochmal eine Erinnerung, und dann: zack, weg vom Netz und nach einer weiteren Frist gelöscht.
        Grüße.

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        • Ich würde nicht wollen, dass jemand meinen Blog weiterführt. Wenn ich weg bin, bin ich weg. Okay, irgendwelche Projekte, die ich hoste, die sollen gern weiterwandern, klar. Aber mir würde es reichen, wenn mein/e „Hinterbliebene/r“ eine Nachricht ins Netz stellt und den Blog sich selbst überlässt oder eben irgendwann löscht, wenn man davon ausgehen kann, dass die wie-auch-immer geartete Community die Tatsache zur Kenntnis genommen hat. Aber wirklich drin in dem Thema, ich für mich, bin ich noch lange nicht, geschweige denn durch.
          Das mit der regelmäßigen Mail, die man bestätigen muss, würde ich auch gut finden. Ich kenn das sonst nur von Postfächern, die bei Inaktivität irgendwann gelöscht werden, aber es würde bei diversen verwaisten Social-Media-Sachen ebenso Sinn machen, da bin ich auf deiner Linie, glaube ich.
          (Ich habe übrigens einen toten E-Mail-Follower. Soll nicht makaber klingen, ich weiß es halt. Bin gespannt, wie lange das Postfach bestehen bleibt. Möglicherweise länger als es meinen Blog gibt …)
          Auch Grüße 🙂
          Christiane

          Gefällt 1 Person

  1. ausgezeichnet. und die Geschichte mit dem Online-Leichenschmaus, tja, da dachte ich auch kürzlich drüber nach: es gibt etliche Menschen, die ich online kennenlernte, die sich nun aber nicht mehr „bewegen“ (es gibt keine Einträge mehr). Leben sie? Leben sie gut? Stecken sie ihre Nase in den Wind? Random R schrieb vor ein paar Tagen einen schönen Nachruf auf eine seiner Kommentatorinnen, vielleicht hast du ihn gelesen?

    Gefällt 2 Personen

  2. Spannender Ansatz – das ist ja auch ein neuer Punkt auf der To Do Liste, seine online Hinterlassenschaften zu regeln (oder zumindest die Passwörter für eine vertraute Person hinterlegen mit diversen Anweisungen, was im Fall des Falles zu tun ist)..
    Ist immerhin wenigstens papierlos – wenn ich an die vielen „Ergüsse“ meinerseits aus der „Vor-Online-Zeit“ denke, die in diversen Kartons lagern, dann wird mir schwindlig. Das will ich auch keinem zumuten, lach.
    Frostig-sonnige Grüße aus dem Schwabenland
    Carmen

    Gefällt 3 Personen

    • Ja, das kommt auf uns alle zu, irgendwann. Und nach Möglichkeit das, was einem über den Tod hinaus peinlich ist, vorher löschen … 😉
      Frostig-sonnige Grüße aus dem hohen Norden, ich hoffe bloß, mein Auto springt gleich an
      Christiane

      Gefällt 1 Person

  3. Saugut geschrieben, liebe Christiane!
    Ja, und durch alle Wirklichkeiten ziehen sich Freundschaften, auch zwischen „Virtuellen“ kann ein Funke überspringen, warum nicht? Auch hinter all den Worten stehen Menschen…auch wenn wir unsere Gesichter nicht zeigen haben wir Dich alle schlagende Herzen und Sehnsüchte, Einsamkeiten…und wenn wir auf eine verwandte Seele treffen, freuen wir uns…und wenn wir uns täuschen ineinander, dann schmerzt es, das ist in allen Wirklichkeiten gleich.
    Und manchmal verschwindet jemand und niemand bemerkt es und dabei bräuchte es womöglich nur ein “ Hallo, wo bist Du, ich vermisse Dich!“
    Einen Versuch ist es immer wert, finde ich, manchmal kann man durch ein einfaches Wort von einem der Abgründe wegziehen, an denen wir doch alle immer mal wieder stehen, oder?
    Mag sein, daß ich jetzt zu dramatisch bin, aber gehts denn letztendlich nicht immer um Leben und Tod, virtuell oder „in echt?“
    Wir sind alle immer so stark…und doch ist alles so zerbrechlich, nicht wahr?
    Viele tausend Grüße!

    Gefällt 5 Personen

    • Doch, meine Liebe, durch alle Wirklichkeiten, da sagst du was. Wenn der Funken erst mal übergesprungen ist, ob virtuell oder nicht, dann sind das kleine Tode, wenn irgendwann wer fehlt. Das große Netz wird um einen Knoten ärmer …
      Das ist ein bisschen wie mit Nachbarschaften – man muss beileibe nicht alle mögen, aber wenn die Alte von oben drei Tage nicht die Nase ins Treppenhaus gesteckt hat, dann fällt es auf und man macht sich Gedanken und geht mal klingeln …
      Ach, ich fühle mich so gar nicht stark und gar nicht unkaputtbar.
      Tausend Grüße zurück
      Christiane

      Gefällt 2 Personen

  4. Eine Fiktion der feinsten Sorte, liebe Christiane!
    Es liest sich, als sei es aus einem Guß und das ist es wohl auch … und die Farben von anderer Leute Duschvorhängen, die sind mir auch vollig wurscht 🙂

    Herzliche Grüße von Bruni

    Gefällt 2 Personen

  5. Ich hab es geschafft – ich weiß nicht wie, aber ich habe dich in meinem Feedeader abonniert. Jetzt muss der nur noch richtig arbeiten und wirklich die neuen Beiträge aufzeichnen. – Ich habe mal mit dem 10. angefangen.
    „Neue Leute haben kein Recht, Bitten zu äußern!!!!“ – und ich mache es trotzdem.
    Wäre es möglich, dass du bei den Einstellungen diesen Haken wegnimmst, der deine neuen, gezeigten Beiträge auf ca. 5 Zeilen reduziert? Da ich eine absolute Vielleserin bin, mag ich es sehr, dass ich den Beitrag komplett im Feed lesen kann – zum Kommentieren komme ich dann immer auf die Originalseite. – Vielleicht denkst du mal darüber nach, warum du nur verkürzt auftreten möchtest. – Im WP-Reader ist es eh egal, der verkürzt alle, dafür kann man dort gleich kommentieren oder liken – das kann ich nicht.
    Dieses Drei-Wörter-Projekt ist schön, vor allem bei manchen die Umsetzung.
    Mit Gruß von mir

    Gefällt 1 Person

    • Hi Clara, ich habe das Häkchen für den verkürzten Feed rausgenommen, keine Ahnung, warum ich es drin hatte. Möglicherweise eine Voreinstellung, auf jeden Fall habe ich noch nie Feedback dazu bekommen. Ich selbst nutze bisher keine Feedreader.
      Danke für das Lob zu den Etüden, mach doch mit! Sonntag kommen wieder neue Wörter, je mehr wir sind, desto mehr Spaß macht es!
      Liebe Grüße
      Christiane

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      • Ich finde es „lustig“, dass du Christiane heißt – mein Klarname ist nämlich Christine und ich habe immer diesem fehlenden a hinterhergejammert, weil ich Christine immer so fromm fand.
        Danke für „Haken weg“.
        Ich habe das einmal par excellence durchgezogen – aus 60 willkürlichen Fotos eine richtig lange Geschichte zu schreiben.
        Aber die bisher gelesenen Beispiele sind so schön – ich glaube, da fehlt mir was. – Außerdem bin ich schon für Wochen mit eigenen Plänen „ausgebucht“
        Bei dir macht es schon immer riesigen Spaß, dein Gravatarbild zu sehen.
        Liebe Grüße von Clara

        Gefällt 1 Person

        • Ha, danke! Früher fand ich „Christiane“ immer so fromm 😀 , aber „Christine“ mochte ich dagegen nie. Das ist schon eine komische Sache mit Namen. Mein Gravatarbild (und der Header) sind selbst gebastelt, hast du ja vielleicht auf meiner „Über mich“-Seite gelesen. Könntest du also auch, zumindest theoretisch, die Seite ist frei zugänglich.
          Liebe Grüße
          Christiane

          Gefällt mir

Ja, eben. Und du so?

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