Aus einem April

Wieder duftet der Wald.
Es heben die schwebenden Lerchen
mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern schwer war;
zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er leer war, –
aber nach langen, regnenden Nachmittagen
kommen die goldübersonnten
neueren Stunden,
vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten
alle die wunden
Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen.

Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser
über der Steine ruhig dunkelnden Glanz.
Alle Geräusche ducken sich ganz
in die glänzenden Knospen der Reiser.

(Rainer Maria Rilke, Aus einem April, Das Buch der Bilder, 1. Buch, Teil 1, Quelle)

 

Frühlingsregen – 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Nach ein paar Tagen, die man sogar wohlwollend nur als „Aprilwetter, igitt“ bezeichnen kann, ist es mal wieder Zeit für sanftere Klänge bei den Montagsgedichten. Rilke geht bei mir ja bekanntlich immer, also warum nicht an diesem letzten Aprilmontag?

Kommt gut in die neue Woche!

 

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