Davongekommen | abc.etüden

„Willst, feines Mädchen, du mit mir gehn?“ Ihre Mama hatte ihr beigebracht, höflich zu Erwachsenen zu sein, aber der Mann brabbelte die ganze Zeit schon so merkwürdiges Zeug und guckte so komisch. „Ich gebe dir fünf Mark, ach was, ich gebe dir zehn Mark. Weißt du, was du dir für zehn Mark alles im Kramladen kaufen kannst?“

Zehn Mark war sehr viel mehr als ihr normales Taschengeld, so viel war sogar ihr klar, nur wusste sie nicht, warum er ihr das Geld schenken wollte, daher schwieg sie verwirrt.
„Aber damit wir uns verlustieren können, lass uns zu meinem Auto dort vorne gehen, ich muss dein Geld noch holen.“ Er hielt ihr einladend die Hand hin.

Sie sah misstrauisch zu ihm hoch; und plötzlich verwandelte sich sein freundliches Gesicht in eine grinsende Fratze und sein Arm sah aus, als hätte er lange Krallen am Ende statt Finger.
Da bekam sie Angst und schrie laut: „Nein, ich will nicht, ich will dein blödes Geld nicht, hau ab, du stinkst, ich will dich nie, nie, niemals wiedersehen!“
Als sie losrannte, konnte er sie nicht festhalten, und als sie sich umsah, kurz bevor sie in die Abkürzung zwischen den Gärten einbog, war der alte Mann verschwunden wie Rauch.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 gerdakazakou 22.17 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler

 

Wieder mal eine Geschichte von der Nachtseite, ja …

Für die abc.etüden, Woche 22.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Gerda Kazakou (gerdakazakou.com) und lauten: verlustieren, Kramladen, Angst.

 

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An die Wolken

Und immer wieder,
wenn ich mich müde gesehn
an der Menschen Gesichtern,
so vielen Spiegeln
unendlicher Torheit,
hob ich das Aug
über die Häuser und Bäume
empor zu euch,
ihr ewigen Gedanken des Himmels.

Und eure Größe und Freiheit
erlöste mich immer wieder,
und ich dachte mit euch
über Länder und Meere hinweg
und hing mit euch
überm Abgrund Unendlichkeit
und zerging zuletzt
wie Dunst,
wenn ich ohn Maßen
den Samen der Sterne
fliegen sah
über die Acker
der unergründlichen Tiefen.

(Christian Morgenstern, An die Wolken, Quelle)

 

Wolkenhimmel im Mai | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

Kommt gut in die neue Woche!

 

Schreibeinladung für die Textwoche 22.17 | Wortspende von gerdakazakou

Die Wörter dieser Woche, liebe unentwegte Etüden-Fans, liebe Neueinsteiger und -innen, begünstigen Abstiege in die inneren Untiefen, findet ihr nicht? Ich gebe zu, dass Badewetter beim Geschichten-Erfinden hinderlich sein kann (man ist so abgelenkt), aber vielleicht kommt die Inspiration ja gerade dann vorbeigeflattert, wenn man im Schatten döst oder im Café sitzt und/oder das Geschehen um einen herum beobachtet … Jedenfalls erreichten mich die Wörter für die Textwoche 22.17 aus Griechenland, gespendet von Gerda Kazakou, Malerin und Schreiberin (Blog: gerdakazakou.com), und lauten:

verlustieren
Kramladen
Angst

Wie immer bin ich gespannt, in welche Untiefen (oder auch nicht) ihr euch begeben werdet, um dem Etüden-Virus Folge zu leisten. Fröhliches Schreiben und viele Musenküsse!

Wie immer weise ich gern darauf hin, dass es darum geht, diese 3 Wörter in einer Kürzestgeschichte unterzubringen, die maximal 10 Sätze umfasst. Die Reihenfolge der Wörter ist egal, und ja, ihr dürft auch öfter als einmal pro Woche.

Das obligatorische Kleingedruckte:

  1. Bitte verlinkt diesen Beitrag unbedingt bei euren Etüden, wenn ihr sie veröffentlicht, damit es hier in den Kommentaren pingt, und/oder schreibt mir einen Link zu euren Etüden in die Kommentare, Pings kommen öfter mal nicht durch.
    Sowohl der/die Wortspender/in als auch ich wüssten so gern, was ihr daraus macht, und wir folgen einfach nicht jeder oder jedem. Solltet ihr eure Etüde in die Kommentare schreiben wollen, weil sie aus irgendwelchen Gründen nicht in das Konzept eures Blogs passt, ihr einfach mal probieren wollt oder ihr gar keinen habt: herzlich gern!
  2. Die Illustrationen stammen von lz – Ludwig Zeidler – (Website: ludwigzeidler.de, Blog: poesiegarage.wordpress.com), dem eigentlichen Erfinder der Etüden, jede Woche freue ich mich neu darüber. Sie können/dürfen als Beitragsbilder benutzt werden, dafür sind sie gedacht; ihr müsst aber selbstverständlich nicht.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 gerdakazakou 22.17 | 365tageasatzaday

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 gerdakazakou 22.17 | 365tageasatzaday

 

lz abc.etueden schreibeinladung 3 gerdakazakou 22.17 | 365tageasatzaday

 

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The day after … Vatertag | abc.etüden

Hallo Schatz,

schön, dass du schon wach genug zum Lesen bist, Kopfwehtabletten liegen im Bad, falls du welche brauchst.
Du solltest wissen, dass Moppels Frau angerufen und gedroht hat, dass sie, wenn du das Bild von Moppel mit der Unterhose auf dem Kopf wie angekündigt im Internet versteigern würdest, rechtliche Schritte gegen uns einleitet – stell dir vor, die hat das wirklich so gesagt, unglaublich, was?
Außerdem hat dich x-mal eine Claudia angerufen. Beim ungefähr zehnten Mal bin ich ran, weil es mich nervte, und habe sie informiert, dass ich nicht glaube, dass du heute noch nüchtern genug werden würdest, um sie zurückzurufen. Hat sie aber nicht weiter gestört, also habe ich bei deinem Handy den Ton abgestellt. Weil die Galerie offen war und weil Moppels Frau sich so aufgeregt hatte, habe ich mir ein paar von den Bildern angesehen, die du gestern so gemacht hast. Falls diese Claudia also die wenig bekleidete Tussi mit der Pusteblume hinter dem Ohr ist, die mit Moppel knutscht, kannst du sie beruhigen: Ich sage es Moppels Frau nicht.
Ich bin erst abends zurück, ich gehe heute wie jede Woche mit deiner Mutter einkaufen. Eins noch: Keine Ahnung, wofür ihr den Käsehobel alles benutzt habt, ich glaube, ich will es besser auch gar nicht wissen, aber der ist endgültig hin.

Bis später, Kuss
Tina

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 andrea 21.17 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler

 

Ein Zettel (schreibt man heutzutage noch Zettel?) auf einem Küchentisch am Tag nach Vatertag, irgendwo in Deutschland … Kommt gut ins Wochenende, nüchtern oder nicht   ;-)

Für die abc.etüden, Woche 21.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von meiner Freundin Andrea aus Bremen und lauten: Pusteblume, Käsehobel, versteigern.

 

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Trouble in Gießharz | abc.etüden

Den höchst stylishen Edelstahl-Käsehobel (den wirklich keiner benutzte) und Opas Whisky-Karaffe aus Bleikristall (die im Schrank vergessen verstaubte) unter der Hand im Internet zu versteigern, hatte Alex und Hannah dem heiß ersehnten Konzert schon bedeutend nähergebracht. Als Burner hatte sich allerdings der Star Wars X-Wing Messerblock erwiesen, der hatte endgültig die fette Kohle ins Portemonnaie der Geschwister gespült. Die Meinung des Eigentümers, Onkel Peter, stand zu dieser Aktion noch aus, aber mit dem war in der nächsten Zeit glücklicherweise nicht zu Hause zu rechnen und bis dahin hätten sie das Geld bestimmt wieder zusammen, davon waren beide überzeugt.

Die Sache mit dem Geld ließ sich nur leider nicht ganz so gut an. Hannah war auf die überaus kreative Idee gekommen, Gegenstände in Gießharz einzugießen und sie über einen kleinen Shop im Internet zu verscheuern. Da es sich gerade jahreszeitlich anbot, wollte sie zum Üben mit Gänseblümchen und einer Pusteblume anfangen.

So weit, so easy, wäre nicht gerade im kritischsten Moment der Fertigung  Balou, der Familien-Neufundländer, begeistert hereingerast gekommen und wie so oft gegen den Küchentisch geknallt. Jetzt war die Naturholz-Tischplatte völlig versaut, darauf ein einziges, sich verfestigendes Chaos aus Gänseblümchenköpfen, Gießharz, Pusteblumen, Härter und diversen Behältnissen, denn natürlich hatten die beiden keine Zeitung oder so untergelegt. Gottseidank hatte der Hund nichts abbekommen, aber ihre Mutter würde todsicher einen 1a-Anfall kriegen und dann lief bei der länger nix mehr gechillt.

Und das vier Tage vor dem Konzert!

 

lz abc.etueden schreibeinladung 3 andrea 21.17 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden, Woche 21.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von meiner Freundin Andrea aus Bremen und lauten: Pusteblume, Käsehobel, versteigern.

Ich gestehe, ich habe keine Ahnung, in welches Konzert Fast-Erwachsene so gehen würden, daher nehme/nähme ich Infos dankend entgegen. Was mich dagegen fasziniert hat, war dieser Stars Wars Messerblock. Was es nicht alles gibt!

 

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Neues Mailied (Zum Mitsingen)

1
Der Mai ist zum Kotzen,
am Tag ist er zu heiß:
als wollte er protzen,
bringt er uns in Schweiß.
Sinkt der Abend hernieder,
friert man in seinem dünnen Rock
und sehnt sich schon wieder
nach Heizung und Grog.

2
Der Mai ist zum Speien,
die Bowlen schlagen aus.
Du latschest im Freien
und kehrst kaputt nach Haus,
hast zerrissene Sohlen,
im Bauche eine Wut
und was man sonst noch holen
sich im Mailüfterl tut.

3
Der Mai ist für Narren
ein Bluff und ein Trick,
die Dummen erharren
im Mai sich das Glück.
Der Geizhals spielt Genießer,
die Pärchen werden wild.
Die ältesten Spießer
stelln ein kitschiges Bild.

4
Der Mai macht sich mausig,
ein richtger Ramschbasar.
Es tut, ach, herztausig
das dümmste Dromedar.
Das Maiblumengelbe,
der Stempel weißer Saft:
s‘ ist jedes Jahr dasselbe
und nicht sehr dauerhaft.

5
Das ist noch das Beste,
daß bald zerplatzt die Poesie;
die schäbigen Reste
verbraucht die Ansichtskarten-Industrie.
Die Pärchen dort glotzen
noch fort mit koloriertem Angesicht.
Der Mai ist zum Kotzen!
Doch was, was ist es nicht?

(Max Herrmann-Neiße (Wikipedia), Neues Mailied, 1927 (Quelle))

 

Maibaum | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Ich bin nicht so ein Fan von dem blank geputzten, launigen Mai-Gedöns, was in Gedichten ja bedauerlicherweise vorherrscht. Als ich also über dieses Gedicht stolperte, war ich angenehm überrascht und entschloss mich spontan dafür. Allerdings war ich nur erfreut, bis ich etwas über die Biografie von Max Herrmann-Neiße gelesen hatte, die liegt ein bisschen schwer im Magen.

Wer sich nun fragt, auf welche Melodie dies garstig Mailied zu singen sei: Es ist „Der Mai ist gekommen“. Probiert es ruhig aus!

 

 

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Schreibeinladung für die Textwoche 21.17 | Wortspende von Andrea aus Bremen

Die Wörter dieser Woche, liebe Etüden-Verrückte, führen die Etüden wieder zurück in die bodenständige Wirklichkeit des Alltags – oder? Hier sind sie, die Wörter für die Textwoche 21.17, die mir meine Freundin Andrea aus Bremen, eine vergnügte Leserin der Etüden (ohne einen eigenen Blog, Schreiben ist nicht ihr Ding), zukommen ließ:

Pusteblume
Käsehobel
versteigern

Ich bin sehr gespannt, wer oder was diese Woche alles so gepustet, gehobelt oder versteigert wird und wer oder was deshalb (fast) sein/ihr Leben lassen muss … Ich wünsche euch fröhliches Schreiben! Man liest sich!

Wie immer weise ich gern darauf hin, dass es darum geht, diese 3 Wörter in einer Kürzestgeschichte unterzubringen, die maximal 10 Sätze umfasst. Die Reihenfolge der Wörter ist egal, und ja, ihr dürft auch öfter als einmal pro Woche.

Das obligatorische Kleingedruckte:

  1. Bitte verlinkt diesen Beitrag unbedingt bei euren Etüden, wenn ihr sie veröffentlicht, damit es hier in den Kommentaren pingt, und/oder schreibt mir einen Link zu euren Etüden in die Kommentare, Pings kommen öfter mal nicht durch.
    Sowohl der/die Wortspender/in als auch ich wüssten so gern, was ihr daraus macht, und wir folgen einfach nicht jeder oder jedem. Solltet ihr eure Etüde in die Kommentare schreiben wollen, weil sie aus irgendwelchen Gründen nicht in das Konzept eures Blogs passt, ihr einfach mal probieren wollt oder ihr gar keinen habt: herzlich gern!
  2. Die grandiosen Illustrationen stammen von lz – Ludwig Zeidler – (Website: ludwigzeidler.de, Blog: poesiegarage.wordpress.com), jede Woche freue ich mich neu darüber. Sie können/dürfen als Beitragsbilder benutzt werden, dafür sind sie gedacht; ihr müsst aber selbstverständlich nicht.

 

Los? Los!

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 andrea 21.17 | 365tageasatzaday

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 andrea 21.17 | 365tageasatzaday

 

lz abc.etueden schreibeinladung 3 andrea 21.17 | 365tageasatzaday

 

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Beitrag zur Qualitätszertifizierung | abc.etüden

Eigentlich geplant: einvernehmlicher Bürosex. Definitiv ungeplant: Schwangerschaft!!!

„Kann man wegmachen“, sagte er also, ganz der korrekte Sesselfurzer, „ich zahle.“
„Bist du bescheuert“, antwortete sie nicht ohne Entrüstung, „du bist zwar leider nicht sehr entgegenkommend, so privat so, aber ob mit dir oder ohne dich, das ist vielleicht meine letzte Chance auf eine eigene kleine Familie, ich werde schließlich nicht jünger. Du übrigens auch nicht.“

Auf seiner Habenseite standen bereits Abteilungsleitersessel, Doppelhaushälfte und Golfrasen, aber zu mehr Verbindlichkeit war er bisher nie bereit gewesen. Schließlich las er immer die Gebrauchsanweisung und das Kleingedruckte: Trau, schau, wem!
Tief in seinem Herzen hatte er nie wegen schnöder irdischer Güter und, äh, körperlichen Ergüssen an doch eher unpersönlichen Orten gewählt werden wollen. Aber nach einigem Nachdenken hing er reichlich schicksalsergeben an einer der ältesten Angeln der Welt: Frau genommen, Kind bekommen.

Er hoffte im Stillen, dass eine höhere Instanz das alles wenigstens als Beitrag zur Qualitätszertifizierung für seine nächsten Lebensjahre anerkannte.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 ludwig zeidler 20.17 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden, Woche 20.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Ludwig Zeidler (poesiegarage) und lauten: Golfrasen, Gebrauchsanweisung, Bürosex.

 

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Träumt weiter, Jungs | abc.etüden

Ihr Name war Fräulein Meyer, Meyer mit Ypsilon. Vor ihr blieb in der Firma wenig verborgen, speziell was ihre männlichen Kollegen betraf.

„Und wirft der Arsch auch Falten, wir bleiben doch die Alten.“ Fräulein Meyer schnaubte bei dem Liedtext und wechselte den Sender. Als ob jemand auf runzlige Ärsche stehen würde! Reinfälle diesbezüglich ließen sich allerdings leider nicht ganz vermeiden, spätestens der Bürosex im Kopierraum (sowieso als Location total überbewertet, das Licht dort immer unvorteilhaft und wirklicher Genuss nicht planbar) konfrontierte sie mit teils unerfreulichen nackten Tatsachen.

Anderes war dagegen fast unbezahlbar: Auf den Firmenpartys geriet der Smalltalk der Herren über Urlaubsreisen, Food-Trends und Golfrasen bei ihrem wissenden Lächeln und ihrem tiefen Blick ins Stocken. Sie provozierte, was man(n) über sie dachte, und nutzte ihr Wissen schamlos.

Träumt weiter, Jungs. Dem Leben liegt nun mal keine Gebrauchsanweisung bei.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1ludwig zeidler 20.17 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden, Woche 20.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Ludwig Zeidler (poesiegarage) und lauten: Golfrasen, Gebrauchsanweisung, Bürosex.

Oh nein, ich höre keine Ballermann-Musik, nicht mal aus Versehen. Das mit dem Falten werfenden Allerwertesten wurde in meiner Familie schon zu Zeiten zitiert, als Malle noch ein Tipp für Eingeweihte war. Keine Ahnung, woher es stammt.

Einen tatsächlichen Textbezug gibt es aber hierhin (Achtung, Ohrwurmalarm): Westernhagen – Willenlos

 

 

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Der grüne Regen

Der Frühlingswolken wandernde Herde
Schleift wie mit Haaren die Erde;
Zieht einen grünen Regen durchs Grau,
Jeder Tropfen wird heute ein Blatt auf der Au.
Wohin der grüne Regen dann trat,
Grünt ein Liebesgedanke, und grünt ein Blatt.
Gedanken und Blätter, die verwunschen waren,
Kommen wieder zur Erde in grünen Scharen.
Die blaue Leere auf allen Wegen füllt grüner Regen.

(Max Dauthendey, Der grüne Regen, aus: Lusamgärtlein, Quelle)

 

Tropfen auf Blatt | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

„Wachsregen“ hat meine Mutter einen derartigen Regen immer genannt. In diesem Fall lasse ich gern offen, was da wächst … (Egal, wie euer Wetter gerade ist: Ist das nicht wunderschön!?)

Kommt gut in die neue Woche!

 

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Schreibeinladung für die Textwoche 20.17 | Wortspende von Ludwig Zeidler

Zäsur. Die erste große Runde mit allen Wortspenden, die Ludwig zu Beginn der Etüden eingesammelt hatte, ist durch. Nun ist es dringend an der Zeit, dass er selbst mal ins Rampenlicht tritt und uns lässig ein paar Brosamen zum Spielen hinschleudert, oder? Hier sind sie also, seine Wörter für die Woche 20.17, im typischen Style à la lz.:

Golfrasen
Gebrauchsanweisung
Bürosex

HEEE! NICHT in die Kaffeetasse prusten! Und viel Spaß beim Schreiben!

Wie immer weise ich gern darauf hin, dass es darum geht, diese 3 Wörter in einer Kürzestgeschichte unterzubringen, die maximal 10 Sätze umfasst. Die Reihenfolge der Wörter ist wie immer egal, wie immer (ja, ich weiß, dass ich ständig „wie immer“ schreibe) dürft ihr auch öfter als einmal pro Woche.

Das obligatorische Kleingedruckte:

  1. Bitte verlinkt diesen Beitrag unbedingt bei euren Etüden, wenn ihr sie veröffentlicht, damit es hier in den Kommentaren pingt, und/oder schreibt mir einen Link zu euren Etüden in die Kommentare, Pings kommen öfter mal nicht durch. Sowohl der/die Wortspender/in als auch ich wüssten so gern, was ihr daraus macht, und wir folgen einfach nicht jeder oder jedem. Solltet ihr eure Etüde in die Kommentare schreiben wollen, weil sie aus irgendwelchen Gründen nicht in das Konzept eures Blogs passt, ihr einfach mal probieren wollt oder ihr gar keinen habt: herzlich gern!
  2. Die Illustrationen stammen wie immer von lz – Ludwig Zeidler – (Website: ludwigzeidler.de, Blog: poesiegarage.wordpress.com). Sie können/dürfen als Beitragsbilder benutzt werden, dafür sind sie gedacht; ihr müsst aber selbstverständlich nicht.

 

Auch diesen Sonntag bin ich vermutlich erst abends im Internet, geduldet euch also bitte, was Pings und Antworten etc. angeht.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1ludwig zeidler 20.17 | 365tageasatzaday

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 ludwig zeidler 20.17 | 365tageasatzaday

 

lz abc.etueden schreibeinladung 3 ludwig zeidler 20.17 | 365tageasatzaday

 

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Morgen ist morgen | abc.etüden

Nichts wie weg, möglichst schnell, sie musste einfach raus aus dem ganzen postfaktischen Mist, den ihr Noch-Ehemann gerade abzog. Gefühlte Wahrheiten, ha, nichts weiter als Schlammschlachten, die sich aneinanderreihten: Hatten sie so etwas nicht immer vermeiden wollen, warum, warum, warum nur tat es so weh? Wenn das neue Flittchen an seiner Seite ernsthaft als Alternative zu ihr geplant war, dann hatte er doch wirklich nichts Besseres verdient.

Sie stieg aus dem Auto, riss sich die Ballerinas fast von den Füßen und rannte barfuß auf das Wasser zu. Feiner, warmer Sand, der immer feuchter wurde, je näher sie dem großen Rauschen kam. Dann stand sie bis über die Knöchel in der Brandung, genoss den Wind von vorn, breitete die Arme aus, strahlte die Sonne an und leckte sich die Tränen aus den Mundwinkeln, die ihr heiß und salzig über die Wangen rannen. Es war so kitschig, dass es fast wehtat, und fühlte sich ungeheuer gut an. Sie atmete tief durch und beschloss, einen langen Spaziergang zum Leuchtturm zu machen, eine Sandburg zu bauen und zuzusehen, wie die Flut sie holen würde, und sich später den Bauch mit ihrem Lieblingseis zu verkühlen.

Der Mensch wird am Meer wieder zum Kind, dachte sie irgendwann. Und morgen war morgen und zum Glück noch weit weg.

 

lz abc.etueden schreibeinladung 1 jaecki lindenau 19.17 | 365tageasatzadayvisuals: ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden, Woche 19.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Jaecki Lindenau aus Berlin und lauten: Meer, Mensch, Kind.

Das ist natürlich ein Problem, wenn man drei Wörter hört/liest, und dann spontan einen Satz im Kopf hat, der alle drei beinhaltet und so simpel ist wie meiner. Was also machen? In meinem Fall habe ich mich entschieden, noch neun Sätze um ihn herumzubauen: Wer sagt/denkt diesen Satz? Warum? In welcher Situation?

Und jedes Jahr wieder, weil ich es spontan im Kopf hatte und so mag, ein Lied (auch) zum Meer.
Malediva: Fast schon das Meer sehen …

 

 

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