Ein Herz für Schlawuzis | abc.etüden

„Alles nur Kinkerlitzchen und Firlefanz!“, donnerte der alte Herr, bevor er mit einem vernichtenden Blick Richtung Fenster die Küche verließ. „Du und dein weiches Herz! Ich sage dir jetzt schon, dass das ein Schlawiner ist, der nur deine Gutmütigkeit ausnutzt, bevor er wieder abhaut!“

Oh. Schlawiner war aus dem Mund ihres Opas eine sehr harsche Verurteilung. Andererseits hatte er den Krieg überlebt und bitter erfahren müssen, dass alles, was man liebte, morgen bereits verloren sein konnte. Konnte sie ihm dafür böse sein, dass er sie vor dem Schmerz bewahren wollte, den er als unvermeidlich ansah?

Ach, die Zeiten waren wirklich lange vorbei, da sie Kind gewesen war und noch gedacht hatte, Paradeiser wäre die Mehrzahl von Paradies. Sie schnippelte weiter Tomaten in den Salat für heute Abend und sah nun ihrerseits zur Fensterbank. Wie auf ein Stichwort erhob sich der schmächtige Schlawuzi und kam zu ihr, rieb seinen Kopf an ihrer Wade und erfüllte die Küche mit seinem Schnurren.

 

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Für die abc.etüden, Woche 18.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Jule Pfeiffer-Spiekermann (pinselfisch) und lauten: Paradeiser, Schlawiner, Kinkerlitzchen.

Ihr kennt die Regel Nummer 1: Rilke geht immer. Wenn die Regel nicht greift, tritt Regel Nummer 2 in Kraft: Katzen regieren die Welt! Also mein Fellträger zumindest findet das völlig zutreffend.

 

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