Wo ist die Liebe geblieben? | abc.etüden

Der Blick seiner Frau, als sie an ihm vorbeirauschte, verhieß ernsthafte Schwierigkeiten, wieder einmal. Nicht dass er den Grund nicht gekannt hätte, sein Hang zum schönen Geschlecht hatte sich seit jeher als Stolperstein auf dem geraden Pfad der Tugend erwiesen, Schlawiner, der er war, was konnte er dafür! Sein Blick verklärte sich, als er an die Paradeiser der Damen dachte, zart umschmeichelt von edlen Dessous. Viel mehr Stunden, als seine Frau je wissen durfte, hatte er schon damit verbracht, fremde Liebesäpfel vom Baum der Erkenntnis zu pflücken, und nicht nur die.

Nachdem er bereits in jungen Jahren beschlossen hatte, dass brüllende Chefs und 35-Stunden-Wochen in seinem Leben zu den zu meidenden Kinkerlitzchen zählen würden, hatte er seine Talente genutzt und sich rechtzeitig in ein gemachtes Nest gesetzt. Das bedeutete allerdings Abhängigkeit, nicht nur von den Launen, sondern auch von dem Portemonnaie seiner Frau. Mit zunehmendem Alter und Lebenserfahrung wies dieser Plan für beide gewisse Makel auf, und die Stimmung zwischen ihnen war in den letzten Wochen unter den Nullpunkt gefallen.

Er seufzte. Alles schien auf den Notfallplan mit den falschen Tabletten hinauszulaufen. Schade, sehr schade, wirklich, wo war nur die Liebe von einst geblieben?

 

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Für die abc.etüden, Woche 18.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Jule Pfeiffer-Spiekermann (pinselfisch) und lauten: Paradeiser, Schlawiner, Kinkerlitzchen.

Irgendwie titelgebend, aber sonst nicht viel mehr: Andreas Bourani mit „Auf anderen Wegen“.

 

 

48 Kommentare zu “Wo ist die Liebe geblieben? | abc.etüden

  1. Herrlich pikant geschrieben.
    Ich wollte den Blog abonnieren – nicht nur wegen der lustigen Übereinstimmungen in dem „Über mich-Artikel“ – aber mein Feedreader hat ne Macke.
    Ich abonniere normaler weise über RSS und dynamischen Lesezeichen. – Zuerst dachte ich, der Feedreader ist überfüllt. Aber auch, nachdem ich ca. 10 gelöscht habe, futtert er immer noch keine neuen Blogs. Ich probiere es mal nach dem Runterfahren.
    Erst einmal „artige“ Grüße von Clara

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    • Hallo Clara, schon mal herzlich willkommen auf meinem Blog! Ich hoffe, dass dein Feedreader mich bald mag und du regelmäßiger hier zu Gast sein wirst. Habe gerade mal bei dir in dein „Über mich“ geschaut: „Silverblogger“ findest du unter meinen Kommentatoren einige, da wärest du nicht allein – falls du nach welchen Ausschau hältst.
      Auf welcher Seite der Elbe lebst du?
      Liebe Grüße
      Christiane

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      • Hallo, nach Silverbloggern schaue ich selten, ich habe im echten Leben – z.B. beim Großelterndienst hier in Berlin – genügend alte Leute um mich – ich diskutiere lieber mit jüngeren.
        Auch mit deinem RSS-Symbol ging es nicht, vielleicht rufe ich die Technikhotline für Computer an – schließlich zahle ich dort.
        Nein, ich lebe in Berlin – nur mein Mann war Hamburger, ist aber seit langer Zeit tot. – Er lebte in Wandsbek und ich wohne hier in Berlin in Tempelhof.
        Lieben Gruß

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  2. Liebe? Sie war bei ihm doch nie da, es war von Anfang an Berechnung. So was können aber nicht nur Männer, Frauen sind oft auch Meisterinnen darin.
    Außerdem wo steht, dass er die Tabletten für sie vorgesehen hat? Vielleicht ist er lebensmüde😔
    Der Text vom Lied gefällt mir.
    Lieber Gruss und Daumendrücken fürs Hafenfest sende ich Dir

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    • Richtig, der Typ ist ein Arsch, der sich was vormacht. ;-)
      Das Wetter soll morgen gut sein, aber noch regnet es fleißig. Na ja, mal sehen.
      Liebe Grüße auf dein Dach
      Christiane

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  3. Liebe Christiane, eine tolle und eigenwillige Interpretation der Paradeiser, mein Kompliment und nun hocke ich hier und grübel über die falschen Tabletten nach, vielleicht solltest du Krimis schreiben ;)
    herzlichste und sonnige Grüsse
    Ulli

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    • Liebe Ulli, danke schön für das „eigenwillig“, aber was gibt es denn da nachzugrübeln? (Er überlegt, ihr („die falschen“) Tabletten unterzuschieben und sie damit zu meucheln.) Nein, ich möchte keine Krimis schreiben, dazu bräuchte man Ahnung von dem, worüber man schreibt, was ich definitiv nicht habe … ;-)
      Vergnügte Grüße
      Christiane

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  4. Ok, eigentlich wollt ich sagen: schöne Geschichte, man kann da noch viel viel mehr in allen Varianten drumherum stricken, und dennoch steht sie für sich alleine. Und die Paradeiser, tja, auch eine interessante Variante!

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    • Jaha, das kann man, das ist wahr. Das sind viele meiner Geschichten, Ausschnitte aus dem … Irgendwas.
      Ich war mir nicht sicher, ob die Paradeiser so verstanden würden, wie ich es wollte, aber danke für die Rückmeldung!
      Liebe Grüße
      Christiane, grinsend

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      • ‚Irgendwas‘ ist gut. Und ja, ich hab über mögliche Paradeiser-Varianten nachgedacht… ansonsten sitze ich hier in der Zwickmühle (Achtung, live Bericht). Sprich: draußen unterm Sternenhimmel mit voller Ausstattung, habe eben Jupiter gefilmt, der Mond ist hinter den Bäumen und für Saturn müsste ich noch 2h warten…. tststs.., und jetzt kommt noch der kleine Nachtkrabb vorbei, miaut mich an und streift um mich rum…. kalt isses auch. Ob mir jemand grad Tabletten in den Tee mixt??? Da kommt man auf Gedanken, tststs…
        Viele Grüße von mir, schwerst grinsend.

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        • Guten Morgen! Du FILMST Jupiter? Das erklär, bitte. Oder schmeißt du das Ergebnis auf deinen Blog? (Hoffentlich.)
          Das mit dem Katzenbesuch finde ich klasse, würde meiner bestimmt auch machen – und dann beschließen, sich inmitten des Geraffels hinzulegen, so, dass er am meisten stört vermutlich. Oder er nähme seine Aufgabe als Wärmekatze wahr …
          Dass du schwerst grinst, ist hoffentlich nicht irgendwelchen Tabletten im Tee geschuldet ;-)
          Fröhliche Grüße
          Christiane

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        • Oh ja, Planeten werden gerne gefilmt. Mit einer speziellen Minikamera (wie eine Webcam) am Teleskop wird eine Sequenz von mehreren Hundert oder Tausend Bildern gefilmt und dann per Software die besten Bilder zu einem Gesamtfoto gestackt. Ein Einzelfoto ist relativ kontrastarm und unscharf, ein Summenbild addiert alle Vorteile und verliert das Rauschen.
          Zur Katze: du scheinst ihn zu kennen, er hat sich mitten auf die Kabel gelegt und mich groß angesehen…
          Späte Grüße!

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        • Wow, das hört sich wirklich nach einem großen Aufwand an. Bin gespannt, ob du davon irgendwann mal was zeigst.
          Ach, und was Katzen angeht: So individuell unterschiedlich, wie wir als Dosenöffner immer tun, sind die Biester gar nicht ;-) Aber ich lasse das meinen Herrn Fellträger (den schönsten, besten, großartigsten Kater des Universums) auch nicht hören …
          Vormittägliche Grüße
          Christiane ;-)

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  5. hübsch pikant und ziemlich gemein, der Typ ähnelt meinem Herrn Mercurius – der Harald um sein Portemonnaie erleichtert (Schwanenwege). Allerdings ist Herr Mercurius ein Gott und über Meucheleien erhaben. ;)

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  6. Pingback: Tschüss dann!* | Fädenrisse

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