Wo ist die Liebe geblieben? | abc.etüden

Der Blick seiner Frau, als sie an ihm vorbeirauschte, verhieß ernsthafte Schwierigkeiten, wieder einmal. Nicht dass er den Grund nicht gekannt hätte, sein Hang zum schönen Geschlecht hatte sich seit jeher als Stolperstein auf dem geraden Pfad der Tugend erwiesen, Schlawiner, der er war, was konnte er dafür! Sein Blick verklärte sich, als er an die Paradeiser der Damen dachte, zart umschmeichelt von edlen Dessous. Viel mehr Stunden, als seine Frau je wissen durfte, hatte er schon damit verbracht, fremde Liebesäpfel vom Baum der Erkenntnis zu pflücken, und nicht nur die.

Nachdem er bereits in jungen Jahren beschlossen hatte, dass brüllende Chefs und 35-Stunden-Wochen in seinem Leben zu den zu meidenden Kinkerlitzchen zählen würden, hatte er seine Talente genutzt und sich rechtzeitig in ein gemachtes Nest gesetzt. Das bedeutete allerdings Abhängigkeit, nicht nur von den Launen, sondern auch von dem Portemonnaie seiner Frau. Mit zunehmendem Alter und Lebenserfahrung wies dieser Plan für beide gewisse Makel auf, und die Stimmung zwischen ihnen war in den letzten Wochen unter den Nullpunkt gefallen.

Er seufzte. Alles schien auf den Notfallplan mit den falschen Tabletten hinauszulaufen. Schade, sehr schade, wirklich, wo war nur die Liebe von einst geblieben?

 

lz abc.etueden schreibeinladung 2 pinselfisch 18.17 | 365tageasatzadayvisuals: ludwigzeidler

 

Für die abc.etüden, Woche 18.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Jule Pfeiffer-Spiekermann (pinselfisch) und lauten: Paradeiser, Schlawiner, Kinkerlitzchen.

Irgendwie titelgebend, aber sonst nicht viel mehr: Andreas Bourani mit „Auf anderen Wegen“.

 

 

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52 Kommentare zu “Wo ist die Liebe geblieben? | abc.etüden

  1. Herrlich pikant geschrieben.
    Ich wollte den Blog abonnieren – nicht nur wegen der lustigen Übereinstimmungen in dem „Über mich-Artikel“ – aber mein Feedreader hat ne Macke.
    Ich abonniere normaler weise über RSS und dynamischen Lesezeichen. – Zuerst dachte ich, der Feedreader ist überfüllt. Aber auch, nachdem ich ca. 10 gelöscht habe, futtert er immer noch keine neuen Blogs. Ich probiere es mal nach dem Runterfahren.
    Erst einmal „artige“ Grüße von Clara

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    • Hallo Clara, schon mal herzlich willkommen auf meinem Blog! Ich hoffe, dass dein Feedreader mich bald mag und du regelmäßiger hier zu Gast sein wirst. Habe gerade mal bei dir in dein „Über mich“ geschaut: „Silverblogger“ findest du unter meinen Kommentatoren einige, da wärest du nicht allein – falls du nach welchen Ausschau hältst.
      Auf welcher Seite der Elbe lebst du?
      Liebe Grüße
      Christiane

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      • Hallo, nach Silverbloggern schaue ich selten, ich habe im echten Leben – z.B. beim Großelterndienst hier in Berlin – genügend alte Leute um mich – ich diskutiere lieber mit jüngeren.
        Auch mit deinem RSS-Symbol ging es nicht, vielleicht rufe ich die Technikhotline für Computer an – schließlich zahle ich dort.
        Nein, ich lebe in Berlin – nur mein Mann war Hamburger, ist aber seit langer Zeit tot. – Er lebte in Wandsbek und ich wohne hier in Berlin in Tempelhof.
        Lieben Gruß

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  2. Nachdem ersten Absatz dachte ich es geht um einen Laufhausbetreiber und als der zweite anfing es ginge um einen Läufer (also die Typen, die in Hostessenwohnung klingeln, nur glotzen und dann mit oft fadenscheinigen Ausreden wieder verschwinden). Ich bin jetzt ehrlich gesagt enttäuscht, besonders aber wegen der Tabletten. Das ist so… Fanfiction-haft… Nicht dass Fanfiction per se schlecht wäre, ich meine eher die auf einschlägigen Portalen. Und hier macht das (für mich geschmacklich, das ist weder Kritik an dir noch der Schreibe), das am Ende auch irgendwo, nicht kaputt, aber der Typ wird dadurch flach… Das passt irgendwie nicht für mich.

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    • Ich werde deine Kritik an den Tabletten in meinem Herzen bewegen, sei dessen versichert. Aber: Ja, der Typ ist flach. Unendlich flach, ich mag ihn nicht. Jemand, der immer nur den einfachsten Weg nimmt und denkt, dass er ein Recht darauf hat.
      Danke für deine Meinung!
      Liebe Grüße
      Christiane

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      • Also wie gesagt, es ist nicht negativ gemeint, aber es ist zu einfach, es zieht – auch wenn ich mich jetzt in die Nesseln setze – den Text technisch runter, meiner Meinung nach. Und ich kenne so Kerle, mein Patenonkel war sehr ähnlich als einer von mehreren Fällen, da geht was anderes und da geht mehr mit deinen Stärken. Im Etüden-Übungsstückrahmen vielleicht nicht, aber generell hast du Werkzeuge und ich glaube auch instinktive, dass du selbst so einen Blödmann wahlweise als postpubertäres Riesenblag, das Mami und Frauchen in einem wollte und jetzt enttäuscht ist, oder wirklich als Arschloch darstellen kannst und das glaubwürdig. Das braucht kein Klischee. Verstehst du was ich meine?

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        • Ja, in diesem Fall hatte ich mir mehr Länge gewünscht, das muss ich zugeben. Hier bin ich mit den 10 Sätzen an eine Grenze gestoßen. Vielleicht, weil ich dieses Schema Mensch noch nicht gut genug „verdichtet“ habe, um ihn mit ein paar Worten skizzieren zu können. Ich kenne *nachdenk* konkret einen, der darunter fallen könnte. Hmhmhmhmhmhmhm.
          Stimmt, der würde seine Frau nie meucheln, der würde sie mit ewiger Liebe totschleimen … und es in dem Moment auch so meinen. Ich halte das für narzisstisch.
          Wie reagieren deine Pappenheimer?

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        • Ich habe jetzt erstmal überlegen müssen was mit Pappenheimer gemeint ist. (Ich kenne das nur aus einem anderen Kontext, der hier nicht mehr gepasst hätte und war von daher etwas verwundert.)

          Die werden nicht von jetzt auf gleich selbstständig und weil das so ist lassen die dann gerne extrem den Macker raushängen (um sich ihrer Männlichkeit zu versichern und der Frau zu signalisieren „Herschauen, ich brauch dich nicht!“), kommt natürlich aus Unsicherheit, die wissen sie kommen nicht alleine klar, aber erstens soll das keiner merken und sie selber wollen es nicht merken.

          Ich habe mitbekommen, dass da im Beisein der Frau fremdgef… wurde (bei meinen Paten war das so, sie hat morgens länger geschlafen und in der Zeit hat er seine Mätresse aufm Küchentisch… also schon ein explizites Signal an die Ehefrau hier ist der Ofen aus mit XY aber nicht…) Ich habe erlebt, dass übel emotional aufgefahren wurde, Psychospiele, Stalking (auch via Social Media), finanzielle Abzocke (in einem Fall landeten dann mal eben 36.000€ sprichwörtlich in der Isar)… weil die eben meinen, sie könnten so demonstrieren, dass sie Kerle sind. Das geht bis körperlicher Gewalt. Ich sage das jetzt nicht öffentlich. (Kleiner Tipp: Hinter Passwort die Nr. 15 hätte auch so einer Ehefrau passieren können bzw. hätte auch so mit einem minderjährigen Kind passieren können um die Ehefrau zu „kriegen“… Da kannste einen Thriller raus machen…)

          Relativ einfach ist das noch zu beschreiben wenn die ihr Äußeres von jetzt auf gleich verändern. Zum Beispiel Bärte, die sie zwanzig Jahre hatten abrasieren, plötzlich Sport beginnen oder den kompletten Inhalt ihres Kleiderschrankes verbrennen und ihn komplett in einem völlig anderen Stil aufstocken. Im Beisein der Frau. Als Beispiel: Mein Vater war nie Anzugmensch, urplötzlich flogen die normalen Sachen raus und die Boss-Anzüge und Mephisto-Schühchen rein. Habe ich auch umgekehrt gesehen. Jemand der nie einen Pullover unter 300 DM gekauft hätte kaufte plötzlich bei C&A, jemand, der den örtlichen Marc O’Polo leerkaufte (sah aus wie so ein Popper-Typ, also die Subkultur, nicht im Sinner von „Stecher“) rannte plötzlich in Adidas-Tretern und Sporthosen und mit Haarschnitt rum. Bei Männern war das zumindest in den mir bekannten Fällen abrupter als bei Frauen, so wurde sich halt aus der Umklammerung gelöst

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  3. Liebe? Sie war bei ihm doch nie da, es war von Anfang an Berechnung. So was können aber nicht nur Männer, Frauen sind oft auch Meisterinnen darin.
    Außerdem wo steht, dass er die Tabletten für sie vorgesehen hat? Vielleicht ist er lebensmüde😔
    Der Text vom Lied gefällt mir.
    Lieber Gruss und Daumendrücken fürs Hafenfest sende ich Dir

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  4. Liebe Christiane, eine tolle und eigenwillige Interpretation der Paradeiser, mein Kompliment und nun hocke ich hier und grübel über die falschen Tabletten nach, vielleicht solltest du Krimis schreiben 😉
    herzlichste und sonnige Grüsse
    Ulli

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    • Liebe Ulli, danke schön für das „eigenwillig“, aber was gibt es denn da nachzugrübeln? (Er überlegt, ihr („die falschen“) Tabletten unterzuschieben und sie damit zu meucheln.) Nein, ich möchte keine Krimis schreiben, dazu bräuchte man Ahnung von dem, worüber man schreibt, was ich definitiv nicht habe … 😉
      Vergnügte Grüße
      Christiane

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  5. Ok, eigentlich wollt ich sagen: schöne Geschichte, man kann da noch viel viel mehr in allen Varianten drumherum stricken, und dennoch steht sie für sich alleine. Und die Paradeiser, tja, auch eine interessante Variante!

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    • Jaha, das kann man, das ist wahr. Das sind viele meiner Geschichten, Ausschnitte aus dem … Irgendwas.
      Ich war mir nicht sicher, ob die Paradeiser so verstanden würden, wie ich es wollte, aber danke für die Rückmeldung!
      Liebe Grüße
      Christiane, grinsend

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      • ‚Irgendwas‘ ist gut. Und ja, ich hab über mögliche Paradeiser-Varianten nachgedacht… ansonsten sitze ich hier in der Zwickmühle (Achtung, live Bericht). Sprich: draußen unterm Sternenhimmel mit voller Ausstattung, habe eben Jupiter gefilmt, der Mond ist hinter den Bäumen und für Saturn müsste ich noch 2h warten…. tststs.., und jetzt kommt noch der kleine Nachtkrabb vorbei, miaut mich an und streift um mich rum…. kalt isses auch. Ob mir jemand grad Tabletten in den Tee mixt??? Da kommt man auf Gedanken, tststs…
        Viele Grüße von mir, schwerst grinsend.

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        • Guten Morgen! Du FILMST Jupiter? Das erklär, bitte. Oder schmeißt du das Ergebnis auf deinen Blog? (Hoffentlich.)
          Das mit dem Katzenbesuch finde ich klasse, würde meiner bestimmt auch machen – und dann beschließen, sich inmitten des Geraffels hinzulegen, so, dass er am meisten stört vermutlich. Oder er nähme seine Aufgabe als Wärmekatze wahr …
          Dass du schwerst grinst, ist hoffentlich nicht irgendwelchen Tabletten im Tee geschuldet 😉
          Fröhliche Grüße
          Christiane

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        • Oh ja, Planeten werden gerne gefilmt. Mit einer speziellen Minikamera (wie eine Webcam) am Teleskop wird eine Sequenz von mehreren Hundert oder Tausend Bildern gefilmt und dann per Software die besten Bilder zu einem Gesamtfoto gestackt. Ein Einzelfoto ist relativ kontrastarm und unscharf, ein Summenbild addiert alle Vorteile und verliert das Rauschen.
          Zur Katze: du scheinst ihn zu kennen, er hat sich mitten auf die Kabel gelegt und mich groß angesehen…
          Späte Grüße!

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        • Wow, das hört sich wirklich nach einem großen Aufwand an. Bin gespannt, ob du davon irgendwann mal was zeigst.
          Ach, und was Katzen angeht: So individuell unterschiedlich, wie wir als Dosenöffner immer tun, sind die Biester gar nicht 😉 Aber ich lasse das meinen Herrn Fellträger (den schönsten, besten, großartigsten Kater des Universums) auch nicht hören …
          Vormittägliche Grüße
          Christiane 😉

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  6. Pingback: Tschüss dann!* | Fädenrisse

Ja, eben. Und du so?

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