Rosen | Sommer

Rosen

Ach, gestern hat er mir Rosen gebracht,
Sie haben geduftet die ganze Nacht,
Für ihn geworben, der meiner denkt –
Da hab’ ich den Traum der Nacht ihm geschenkt.

Und heute geh’ ich und lächle stumm,
Trag’ seine Rosen mit mir herum
Und warte und lausche, und geht die Thür,
So zittert mein Herz: ach, käm er zu mir!

Und küsse die Rosen, die er gebracht,
Und gehe und suche den Traum der Nacht …

(Thekla Lingen: Rosen, aus: Am Scheidewege, 1898, Quelle)

 

Sommer

Sieh, wie sie leuchtet,
Wie sie üppig steht,
Die Rose –
Welch satter Duft zu dir hinüberweht!
Doch lose
Nur haftet ihre Pracht –
Streift deine Lust sie,
Hältst du über Nacht
Die welken Blätter in der heissen Hand …

Sie hatte einst den jungen Mai gekannt
Und muss dem stillen Sommer nun gewähren –
Hörst du das Rauschen goldener Aehren?
Es geht der Sommer über’s Land …

(Thekla Lingen: Sommer, aus: Am Scheidewege, 1898, Quelle)

 

Da ich diese Schriftstellerin noch gar nicht kannte, hier ein Link zu mehr Gedichten und zu einer Kurzbiographie.

Die Rosen habe ich vor dem Regen in Planten un Blomen (hallo, Blumenmädchen), einem großen Hamburger Park, fotografiert. Kommt gut in die neue Woche!

 

Quelle: ichmeinerselbst *stolzguck*