Das gescheiterte Handarbeitskränzchen | abc.etüden

Phu schmiss die Nadeln hin und verkniff sich den Wunsch, darauf herumzutrampeln. Nichts mit der gemütlichen, kuscheligen Nummer mit Tee und Plätzchen! Warum nur musste er (bei aller Achtsamkeit) immer wieder und wieder alle Fäden verwurschteln, oder, zugegeben, beim Ausatmen ankokeln?
Dabei hatte er die Schlagzeile doch schon vor sich gesehen: „Drachen für ein friedliches soziales Miteinander!“ Selbst „Integration gelungen! Drache strickt Sofadecke!“ konnte er vergessen, Stricken würde er nie so beherrschen wie die alten Damen, die ihn freundlich in ihr Handarbeitskränzchen aufgenommen hatten.

Phu rülpste resigniert, wobei ihm ein rosa-grünes Wölkchen entwich, das sogar für seine Begriffe ziemlich stank. Wie er sein Scheitern dem Komitee für Intermenschdrachangelegenheiten beibringen sollte, war ihm schleierhaft. Bestimmt würde man ihn dort wieder zur Waldarbeit abkommandieren, ein anstrengender Job, der leider die Krallen furchtbar ruinierte und ihm nach spätestens zwei Tagen Flügelschmerzen bescherte.
Er war als Botschafter für interkulturelle Angelegenheiten wohl doch noch nicht an der richtigen Stelle.

 

2017_38.17_1_eins_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 38.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Herbert und lauten: Achtsamkeit, verwurschteln, rosa-grün.

 

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62 Kommentare zu “Das gescheiterte Handarbeitskränzchen | abc.etüden

  1. Fein! Tipp für Phu: Mach’s wie dein Kollege Poldi, der ist der beste „Drachensteiger“ der Welt, der holt den Menschen nämlich immer die Papierdrachen aus Bäumen und von Dächern, die sich irgendwo verwurschtelt haben und sollte sogar rosa Pflaster auf seine grüne Haut bekommen, weil er bei aller Achtsamkeit nicht fliegen kann. (Bei Interesse/Langeweile, eventuell findet sich diese Folge Hallo Spencer auf dem Video-Kanal).

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  2. Er darf zu mir auf’s Dach kommen, ich gewähre ihm Asyl ganz ohne Papiere; er muß nur lernen, den Kamin ohne Katastrophen anzufa(u)chen. Ich werde ihm von Fuchur vorlesen und wir werden uns unendliche Geschichten erzählen und allem Wahlspuk aus dem Wege gehen.
    Schmunzelgruß an den Verwurschtler -:))

    *natürlich erfülle ich meine staatsbürgerlichen Pflichten am 24. und drei Monate später ist Weihnachten…schöne Bescherung -:)))

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  3. das mit der Bescherung hatte ich auch mit galgenhumorigem Hintersinn geschrieben, denn was für den einen schön ist, muss es für den anderen nicht sein…..aber Weihnachten mit einem Drachen an der Seite kann nur schön sein. (auch wieder doppeldeutig -:)))
    Dir auch einen lieben Gruß…ich harre der angesagten Sonne….

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      • Eine Art feuerspeiendes Urmel? Und Frau Mahlzahn war doch auch ein Drache (ich mochte Jim Knopf nie, kenne mich von daher da nicht aus)? Oder der aus „Die vergessene Tür“? (Das Buch ist stinklangweilig, die Verfilmung so schön.)

        Leute, die noch jünger sind als ich mögen auch schonmal „Drachenzähmen leicht gemacht“. Frag mich nicht was das genau ist, irgend so ein Disney-Zeugs nachdem die Kinder alle verrückt sind, unsere zum Glück nicht so.

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        • Ich weiß es nicht, ganz ehrlich. Ist mir auch egal.
          Jim Knopf liebe ich, allerdings die Bücher, nicht die Puppenkiste, ich fand meine eigenen Bilder im Kopf immer schöner. Und Jim Knopf gehörte zu meinen frühesten Bücherbekanntschaften, könnte sogar noch Vorschule sein.
          Modernes Drachengedöns bekomme ich recht wenig mit, wenn, dann über Fantasy, und da gibt es recht wenig, was mich über die Jahre beeindruckt hat. Ich rede von Büchern, über Filme rede ich nicht, ich bin zu selten im Kino.
          Liebe Grüße
          Christiane

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    • Pah, sagt er, das wäre eine seiner leichtesten Übungen, er hätte Ideen genug für zehn – aber weißt du, er hat Schwierigkeiten, mit den Krallen die gewünschten Tasten auf der Tastatur zu treffen, Handy etc. geht schon mal gar nicht, und bei den PC-Tastaturen reißt er immer die Tasten raus, weil die Krallen bisschen gebogen sind. Wir brauchen also eine echt große Tastatur oder ein Sprachensoftware, die drachischen Akzent kann … Alles nicht so leicht … 😉
      Liebe Grüße
      Christiane

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  4. Beim Namen Phu stutzte ich und da war er auch schon, der kleine grüne Drache, der rosa-grüne Wölkchen rülpst, der sich im Handarbeitskränzchen übt und dabei an seine Drachengrenzen gerät 🙂 Ich hoffe, er wird andere Aufgaben entdecken, die ihm mehr liegen. Ich mochte sie auch nie, die üblichen Handarbeitskränzchen. Pa, Häkeln und igitt, Stricken

    Er sollte Irma und Otto mal wieder besuchen, wenn ihm bei Karin langweilig wird *g*. Irma ist die Hexe mit den großen Füßen, die so klein ist, daß sie auf einer Zahnbürste fliegen kann und Otto ist ein besorgter kleiner Drache, der Irma sucht, denn Irma ist ausgebüxt aus dem Hexenwald 🙂

    Eine Geschichte nach meinem Gusto, liebe Christiane! (Ich meine, Deine *g*)

    Herzliche Gutenachtgrüße von Bruni

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    • Also, wenn es ihn bei Karin irgendwann langweilen sollte, geht er erst mal das Blumenmädchen besuchen, die hat ganz viele Pflanzen und baut ein kreatives Nest für ihn, so was mag er.
      Aber wer sind Irma und Otto? Tiefdruckgebiete? Hurrikane? Ich weiß nicht, aber Schlechtwetter findet er auf jeden Fall nicht witzig.
      (Ja nee, im Ernst. Irma? Otto?)
      Liebe Grüße und gute Nacht
      Christiane, auf dem Weg früh ins Bett

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  5. Wieder soooo schön und einfühlsam geschrieben. Falls Phu mal was anders handwerkliches versuchen mag kann er bei mir vorbeischauen. Ich hab noch viel Holz da und zum Schmieden für Messer wäre er ja hervorragend geeignet. Ich denke das könnte ihm noch mehr Spaß machen. Ein rosa-grünes Rülpserchen finde ich auch ein schönes Bild.

    Ich danke dir sehr für deine wunderschöne Geschichte.
    Vielen Dank auch, dass ich dir Worte spenden durfte.
    Einen lieben Gruß
    Herbert

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    • Ja, Phu findet, im Feuermachen wäre er spitze, aber er sagt, es kann sein, dass sein Feuer noch nicht heiß genug ist, obwohl er es gern mal ausprobieren würde. Er ist noch nicht sooo alt, weißt du? Und in der Schmiede dürften sonst immer nur die ganz alten Drachen arbeiten.
      Und das mit den rosa-grünen Rülpserchen findet man nur so lange entzückend, wie man nicht daneben sitzt. Ich sage nur: Schwefel …. der Rest ist Schweigen.
      Liebe Grüße
      Christiane 😉

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