Die Lösung

Wenn was nicht klappt, wenn was nicht klappt,
dann wird vor allem mal nicht berappt.
Wir setzen frisch und munter
die Löhne, die Löhne herunter –
immer runter!
Wir haben bis über die Ohren
bei unsern Geschäften verloren …
Unser Geld ist in allen Welten:
Kapital und Zinsen und Zubehör.
So lassen wir denn unser großes Malheur
nur einen, nur einen entgelten:
Den, der sich nicht mehr wehren kann,
Den Angestellten, den Arbeitsmann;
den Hund, den Moskau verhetzte,
dem nehmen wir nun das Letzte.
Arbeiterblut muß man keltern.
Wir sparen an den Gehältern –
immer runter!
Unsre Inserate sind nur noch ein Hohn.
Was braucht denn auch die deutsche Nation
sich Hemden und Stiefel zu kaufen?
Soll sie doch barfuß laufen!
Wir haben im Schädel nur ein Wort:
Export! Export!
Was braucht ihr eignen Hausstand?
Unsre Kunden wohnen im Ausland!
Für euch gibts keine Waren.
Für euch heißts: sparen! sparen!
Nicht wahr, ein richtiger Kapitalist
hat verdient, als es gut gegangen ist.
Er hat einen guten Magen,
Wir mußten das Risiko tragen …
Wir geben das Risiko traurig und schlapp
inzwischen in der Garderobe ab.

 

Was macht man mit Arbeitermassen?
Entlassen! Entlassen! Entlassen!
Wir haben die Lösung gefunden:
Krieg den eignen Kunden!
Dieweil der deutsche Kapitalist
Gemüt hat und Exportkaufmann ist.
Wußten Sie das nicht schon früher –?
Gott segne die Wirtschaftsverführer!

 

(Kurt Tucholsky/Theobald Tiger, Die Weltbühne, 25.08.1931, Nr. 34, S. 293, Quelle)

 

Frage | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

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20 Kommentare zu “Die Lösung

  1. Mein jahrzehntelanges Erleben nach Wahlen:
    Der Untergang des Abendlandes, wenn sich politisch etwas in Deutschland ändert -:))) ich kann mich noch gut an das Geschrei erinnern, als damals die SPD erstarkte und sie alle zu Kommunisten, nicht Sozialdemokraten, erklärt wurden, CDU/CSU/FDP waren die Herrgötter und führten sich lange so auf; dann traten die Grünen auf den Plan, mit der ähnlichen Häme empfangen wie die AfP, bis als neue Drohung die Linke Aufmerksamkeit forderte; auch sie wieder anfangs mit Häme überschüttet und jetzt ist es die AfD. Man soll doch erst einmal abwarten, wie deren demokratisches Verständnis im Parlament aussieht und wie sie selber mit den eigenen Ultrarechten umgehen. Sie nur zu befeinden, weckt nur größere Aufmerksamkeit. Ging es gestern Abend in den Medien um Zukunft? Nein, man hatte fast nur ein Gesprächsthema: die AfD und alle ließen ihren Frust an ihr aus. Mir haben die Aussagen von Frau Göring-Eckhardt gefallen, die zur Mäßigung aufrief.
    Ich bin beileibe kein Anhänger des Gedankengutes, der Aussagen und der Hetze dieser Partei, mein Herz schlägt schon immer gemäßigt links, mich stört nur dieses Gegeifere, der Stil der alten Parteien im Umgang und das Gehacke der Medien.
    Wir können stolz auf unsere so unterschiedliche Parteienlandschaft sein, in die endlich Bewegung kommt; das regt ALLE zum Nachdenken an und sie werden zu- und abgeben müssen. In etlichen Bundesländern regieren Parteien zusammen, deren Mischung man früher nie für möglich gehalten hat und es funktioniert.
    Wir sind nicht einem unberechenbaren Herrscher an der Spitze ausgeliefert, wir haben zum Glück auch sehr kluge Köpfe in den Parteien und die sind in den nächsten vier Jahren gefordert: außenpolitisch und innenpolitisch…geben wir ihnen doch die Chance. Aus Parolen und Schlagworten kluges Handeln zu machen, vielleicht gelingt es ja.
    Ein kunterbunter Herbst erwartet uns, gelb, rot,grün und braun mit viel Blättergeraschel und wir leben immer noch in einer Demokratie.
    Die ewig Dummen aus Tucholskys Gedicht bleiben sowieso die ewig Dummen und das Kapital hat die Macht, daran ändert keine Partei etwas, nirgendwo auf der Welt…egal wer regiert!
    Du hättest kein besseres Gedicht heraussuchen können!

    Gefällt 5 Personen

  2. Obwohl es so alt ist, ist es so, als hätte er es gestern geschrieben.
    Tucholsky schrieb sich so vieles von der Seele und doch reichte es nicht aus, ihn zufrieden zu machen.
    Erich Kästner sagte über ihn:
    Er wollte mit der Schreibmaschine eine Katastrophe aufhalten.
    Die Katastrophe hatte einen Namen: Hitler

    Eines meiner ersten Bücher, als junge Erwachsene war
    Panther, Tiger und Co.
    Ich muß es mir mal raussuchen, so lange nicht reingeschaut.

    Liebe Abendgrüße von Bruni

    Gefällt 1 Person

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