Der Wintertyp | abc.etüden

Alles war endlich wieder offen. Der Himmel hoch, die Sicht klar. Dass seine Freunde derartige Metaphern für den Herbst- und Winterhimmel … fragwürdig und seine Abneigung gegen Monate ohne -er am Namensende (den Januar ausgenommen) zumindest ein wenig befremdlich fanden, nahm er gelassen hin. Poser nervten ihn sowieso, die hysterische, oberflächliche Geselligkeit der Sommer-Anbeter verursachte ihm körperliche Übelkeit.

„Und es gehen die Menschen hin, zu bestaunen die Höhen der Berge, die ungeheuren Fluten des Meeres, die breit dahinfließenden Ströme, die Weite des Ozeans und die Bahnen der Gestirne und vergessen darüber sich selbst.“

Wäre es doch noch so, o Petrarca, dachte er bedauernd, heutzutage diente doch alles dazu, den eigenen Instagram-Account zu hypen. Es war entschieden schade, dass Selbstvergessenheit so aus der Mode gekommen war. Aber was kümmerte ihn die Gesellschaft, die seine Werte ablehnte; er wusste jedenfalls genau, was gut für ihn war.
Er verließ das Hamsterrad, verschmolz mit den farbdurchwehten Wäldern und atmete tief durch. Sollten doch die anderen, er war raus bis zum Frühling.

 

2017_41.17_eins_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 41.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Bernd von Red Skies over Paradise (redskiesoverparadise.wordpress.com) und lauten: Monat, fragwürdig, gehen.

Zum Zitat siehe den Wikipedia-Artikel zu Petrarca.

 

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