Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

(Rainer Maria Rilke, Herbst, aus: Das Buch der Bilder, 1906, Quelle)

 

Herbstbaum | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Es ist kein Geheimnis, dass ich dieses Gedicht mag, und ja, Rilkes anderes allseits bekanntes Herbstgedicht (Herbsttag) liebe ich ebenfalls sehr.

Möge euch die neue Woche gut gelingen!

 

39 Kommentare zu “Herbst

  1. Das ist auch eines meiner Lieblingsgedichte, wenn man das so nennen will. Eins der schönsten, glaub ich, die es gibt. Wenn’s denn so was überhaupt gibt. Wie auch immer, Rilke war und ist … hm, wirklich ein wunderbarer Stern. Was auch immer. Wunderbar. Jedenfalls.

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  2. Danke, liebe Christiane,
    dies ist eines meiner rilkschen Lieblingspoeme, das ich sogar in- und auswendig kann … 🙂
    Es ist immer wieder interessant, wie unterschiedlich es erklingt, jenachdem, wer es spricht.
    Sonnige Grüße mit Blätterrascheln von
    Ulrike

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    • Das finde ich auch. Ich habe andere Sprecher gegengehört, auch zu „Herbsttag“, und bin mit den meisten sehr unglücklich. Gedichte vorzutragen, vorzuleben ist eine echte Kunst.
      In diesem Fall wäre ich dir für Lieblingslinks sehr dankbar.
      Liebe Grüße
      Christiane

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      • Die stimmliche Verpackung spielt beim lyrisch-medialen Transport von Poemen eine nicht zu unterschätzende Rolle.
        Mit Otto Sander, finde ich, ist man meist gut bedient, und auch Okskar Werner kann sich wohl hören lassen. Einen Link-Wink habe ich gerade nicht parat, aber ich behalte es im Hinterköpfchen …
        Herzliche Grüße 🙂

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        • Stimmt, Oskar Werner auch. Wobei ich mich mit dem „Herbsttag“ von Otto Sander längst nicht so anfreunden kann wie mit diesem hier. Persönlicher Geschmack, sicher, aber deshalb frage ich ja bei dir nach … 😉
          Liebe Grüße
          Christiane

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  3. Ein Wunder ist es für mich, wie dieser Mann schrieb. Dies ist eines der besten Herbstgedichte, die es gibt. Bei Rilke läuft mein Herz über. Als ich ihn bewußt hörte vor ca. 15 Jahren erst, da wußte ich, wie Lyrik sich für mich anfühlen muß.

    Liebe Grüße in die Nacht von Bruni

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    • Das klingt ja wie ein richtiges „Erweckungserlebnis“! 😉
      Schön, Bruni, das freut mich sehr zu lesen. Ich mag Rilke auch sehr, aber ich bin nicht jeden Tag in der Stimmung, dass ich diese gesammelte, feierliche Intensität abkann.
      (Doppelter Kommentar gelöscht, Mecker gelöscht.)
      Ganz lieber Morgengruß
      Christiane

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  4. Danke fürs Löschen, liebe Christiane
    Ich hatte eine CD des Rilke-Projektes geschenkt bekommen, schon als Überraschung verpackt, und ich legte sie mir zum Bügeln auf … Das was dann, ich weinte tatsächlich und bügelte so gut wie noch nie 🙂 DAS war dann eine Riesenüberraschung *lächel*

    Herzlichst, Bruni

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    • 14 Grad aktuell hier, danke, aber die Sonne kommt gerade durch. Tja, der Norden … 😉
      Ich finde das Gedicht auch so toll, und soooo ist mein Lieblingsherbst, ja, ja …
      Liebe Grüße
      Christiane

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