Terzinen III

Wir sind aus solchem Zeug, wie das zu Träumen,
Und Träume schlagen so die Augen auf
Wie kleine Kinder unter Kirschenbäumen,

Aus deren Krone den blaßgoldnen Lauf
Der Vollmond anhebt durch die große Nacht.
… Nicht anders tauchen unsre Träume auf,

Sind da und leben wie ein Kind, das lacht,
Nicht minder groß im Auf- und Niederschweben
Als Vollmond, aus Baumkronen aufgewacht,

Das Innerste ist offen ihrem Weben;
Wie Geisterhände in versperrtem Raum
Sind sie in uns und haben immer Leben.

Und drei sind Eins: ein Mensch, ein Ding, ein Traum.

(Hugo von Hofmannsthal, Terzinen über Vergänglichkeit III, 1895, Quelle)

 

Vollmond hinter Zweigen | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Kategorie: Lieblingsgedicht, der eine oder die andere erinnert sich vielleicht. Und wenn nicht, macht es auch nichts …  ;-)
Kommt gut in die neue Woche!

 

13 Kommentare zu “Terzinen III

  1. Liebe Christiane, dreimal habe ich nun diese Zeilen gelesen und von Mal zu Mal sank ich tiefer und ward umso berührter-
    hab vielen Dank fürs Teilen,
    dir eine schöne Woche
    Ulli

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  2. Der hübsche Herr mit dem adeligen Namen –
    wie fein sind doch seine Zeilen über die Träume, die wie kleine Kinder unter Kirschenbäumen ihre Augen aufschlagen und uns in eine andere Welt entführen.
    Schöne Träume lieben wir alle, denn sie entspannen sehr und lassen uns am Morgen erholt erwachen.
    Bitte, nächste Nacht, bescher uns solche Träume und keine anderen!

    Liebe Grüße von Bruni

    Gefällt 2 Personen

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