Laternenumzug | abc.etüden

„Na, Sie haben ja wohl keine Kinder, wenn Sie das hier alles noch lustig finden können!“
Ein giftiger Blick traf Nicola, die, immer noch lächelnd, beiseitetrat und die Mutter mit drei quengelnden Kindern im geschätzten Kindergarten-/Grundschulalter im Schlepptau vorbeistapfen ließ. Unerhört, wie konnte sie auch guter Dinge sein, wo doch gerade ein Wolkenbruch den seit einigen Wochen an jeder Straßenecke angekündigten Laternenumzug grandios unter Wasser gesetzt hatte? Die lange Reihe aus tapferen „Laterne, Laterne“-Sängern und -trägern, die man vorher noch im Halbdunkel mit ein bisschen gutem Willen als herbstfarbenbunt (nein, Rosa ist keine Herbstfarbe) und textsicher (wohl eher die Mütter) hatte einstufen können, stob jetzt jedenfalls wie Blätter im Sturm auseinander.

Nicola betrachtete mitleidig die Mädchen, die jener Frau hinterhertrotteten. „Chill mal, Mama“, hätte ihre Große gesagt und recht damit gehabt. Loslassen, fünfe gerade sein lassen oder bei jeder Kleinigkeit überfordert durchdrehen – diese Entscheidung stand eindeutig noch aus. Wobei das kleinste Mädchen offensichtlich beschlossen hatte, die Laune der Anführerin zu ignorieren und platschend mit beiden Beinen in eine große Pfütze sprang. Alle nass, wirklich alle, Nicola hob anerkennend den Daumen und grinste breit.

Den Regen kümmerte ihre Laune sowieso nicht, warum sollte sie aus dem Chaos, in das sie geraten war, also nicht das Beste machen?

 

2017_43.17_eins_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 43.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Sandra Matteotti (denkzeiten.com) und lauten: Laterne, herbstfarbenbunt, loslassen.

Neee, ich habe übrigens wirklich keine Kinder.  ;-)

 

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22 Kommentare zu “Laternenumzug | abc.etüden

  1. Ich glaube nicht, dass Kinder haben (ob nun erwachsen oder nicht) irgendetwas mit der Einstellung zu Regen zu tun hat. Die kann nämlich von Kindern in die eine oder andere Richtung beeinflusst werden – oder eben auch nicht. :)

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  2. Ein hübsches Bild in meiner Erinnerung, von länger her,als die großen Kinder klein waren: Ein Laternenumzug,der eher ein Regenschirmumzug war, es sah einfach toll aus,all die Laternen unter den Regenschirmen.
    Danke fürs wieder-in Erinnerung-rufen
    Natalie

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  3. eine klasse Geschichte, liebe Christiane! Ein verregneter Laternenumzug ist doof genug. Da muß man nicht mit schlechter Laune noch ein Tüpfelchen draufsetzen :-)
    Das Beste draus machen, heißt die Devise!

    Liebe Grüße von Bruni

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    • Genau! Okay, manchmal ist es schwer. Aber eigentlich bringt es genau null, sich wegen was aufzuregen, gegen das man nichts machen kann. Und WETTER gehört eindeutig dazu. ;-)
      Liebe Grüße
      Christiane

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  4. Aufregung nutzlos, ändert nichts. Aber gemein ist es schon, wenn ein Martinszug ins Wasser fällt *g*. Aber man könnte ihn auf einen anderen Tag verschieben…

    Herzlichst, Bruni

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    • Nachdem er „seit einigen Wochen an jeder Straßenecke“ angekündigt war, glaube ich das nicht. Wetter ist halt immer ein Risiko.
      Ich denke, in so einem Fall verlegt man sich als Veranstalter aufs Beten, dass es nicht schlimmer als Nieselregen wird …
      Gruß zur Nacht
      Christiane

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