Hamsterrad | abc.etüden

Die SMS einer Freundin fiepte: „Denk dran, ein Hamsterrad sieht von innen aus wie eine Karriereleiter.“ Berühmte letzte Worte, dachte sie, als sie ihr Handy wegsteckte.
Sie stand am offenen Fenster und sah hinaus, bis ihr plötzlich der Sog auffiel, den die Tiefe auf sie ausübte. Sie hatte doch nicht wirklich gerade ans Aufgeben gedacht, ans Loslassen, ihren Körper unten liegen gesehen, malerisch verkrümmt? Ihr Herz schlug schneller, ihr wurde leicht schwindelig, sie schlug den Fensterflügel zu und lehnte sich dagegen. Gerade noch mal die Kurve gekriegt, verdammt, was sollte denn das?

Draußen verdunkelte die Dämmerung das Herbstfarbenbunt und knipste die Laternen an. Wie lange eigentlich, fragte sie sich nachdenklich, war es her, dass sie nicht ständig fremdgelebt hatte, wie lange war es her, dass sie nicht ständig diese bleierne Müdigkeit gefühlt hatte, wann hatte sie zum letzten Mal so richtig Zeit für sich gehabt und wann war der Spaß an der Aufgabe, der Leistung ausgeblieben?

Sie war nicht länger bereit und fähig, sich diesem Druck auszusetzen, gab sie still zu und fühlte sich sofort leichter. Sie fuhr den Computer herunter, ignorierte die klingelnden Telefone, löschte das Licht und verließ ihren Arbeitsplatz mit unbekanntem Ziel.

 

2017_43.17_zwei_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 43.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Sandra Matteotti (denkzeiten.com) und lauten: Laterne, herbstfarbenbunt, loslassen.

 

 

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