Heilig

Hälfte des Lebens

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm’ ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

(Friedrich Hölderlin: Hälfte des Lebens, 1804, aus: Nachtgesänge, Quelle)

 

Menschenbeifall

Ist nicht heilig mein Herz, schöneren Lebens voll,
Seit ich liebe? warum achtetet ihr mich mehr,
Da ich stolzer und wilder,
Wortereicher und leerer war?

Ach! der Menge gefällt, was auf den Marktplatz taugt,
Und es ehret der Knecht nur den Gewaltsamen;
An das Göttliche glauben
Die allein, die es selber sind.

(Friedrich Hölderlin, Menschenbeifall, 1798, Gedichte 1784-1800, Quelle)

 

Herzkerze | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst, eines meiner Lieblingsbilder

 

Ich verdanke das zweite Gedicht Gerda, die es bei Ulli zu ihrem Beitrag „Heilig“ (31.10., sehr lesenswert, besonders der Kommentarstrang) gepostet hat (hier klicken). Und die klirrenden Fahnen aus dem ersten, viel bekannteren Gedicht nehmen mein (Sturm- und Fahnen-) Thema von letzter Woche auf …, abgesehen davon, dass es mich auch schon seit meiner Jugend begleitet.

Was ist heilig, was ist mir heilig? Ich würde es auf jeden Fall anders definieren als Ulli, deren Gedanken, dass „heilig“ und „profan“ zwei Seiten einer Münze sind, ich auch bejahe. Diese ihre Frage ist auch meine, ich grüble noch über meiner Antwort.

Kommt gut in die neue Woche!

 

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