Scheitern | abc.etüden

Ihre Freundinnen hatten sie schon gewarnt gehabt, dass das Ende manchmal sehr banal daherkäme. Das hatte sie ihnen nicht so recht geglaubt, warum auch? Sie hatten gemeinsam das Haus gebaut und abbezahlt, die Kinder groß gezogen und zu prächtigen Menschen heranwachsen sehen, die wiederum eigene Familien gründeten, hatten Krankheiten überstanden, die ihnen beiden Angst eingejagt, sie aber auch zusammengeschweißt hatten. Immer hatten sie gemeinsam nach vorn geblickt. Dachte sie.

Als er anfing, für den besser bezahlten Job länger zu arbeiten und öfter mal auf Dienstreise zu gehen, belegte sie Yogakurse. Es schien beiden gutzutun.

Bei einem ihrer hässlichen Streits, die in der Folgezeit immer häufiger aufbrachen, bezeichnete er ihren Yogalehrerkurs als Jodeldiplom. Da er das völlig ernst gemeint hatte – sie kannte ihn schließlich lange genug –, realisierte sie endlich, dass sie vielleicht in die gleiche Richtung geschaut, aber einander aus den Augen verloren hatten, und brach zusammen. So ein kleiner Satz: eine Stilblüte, nichts als eine traurige Fußnote in der Geschichte ihrer Scheiterns.

 

2017_46.17_zwei_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 46.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Petra Schuseil (wesentlichwerdenblog.wordpress.com) und lauten: Stilblüte, banal, jodeln.

Als Nicht-mal-Süddeutsche habe ich wenig Bezüge zum Jodeln, und der stärkste scheint bei mir tatsächlich das Jodeldiplom zu sein, an dessen Erfinder Bernd in seiner Biographie-Etüde erinnert hat …

 

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