Kriegsgewinnler | abc.etüden

Die wochenlangen Baggerarbeiten am Flussbett – Vorbereitungen für den Brückenausbau – waren für die kleine Anliegergemeinde schon mit viel Lärm und Schmutz verbunden gewesen. Als man jedoch die Leiche verdreht hängend in der Baggerschaufel entdeckte, kamen sie abrupt zum Stillstand. Dass der Tote als bekannter Politiker identifiziert wurde, der in den letzten Tagen als Held der Nation gefeiert worden war, weil er unerwartet in einer viel beachteten Umweltfrage (aus Gewissensgründen, wie breit gestreut wurde) im Europaparlament mit Nein gestimmt hatte, brachte das Dorf endgültig in alle Schlagzeilen. Die Wahrscheinlichkeit eines nicht-natürlichen Todes erhöhte sich mit jeder Spekulation darüber, wem er auf die Füße getreten war – und warum.

Der Einzige, der sich auf die langwierigen Untersuchungen geradezu freute, war der Inhaber der Bäckerei im Ort. Ob Kripo, Medien oder Bauarbeiter, für ihn waren sie alle gleich: Zahlende Kunden, die rund um die Uhr Kaffee und seine frischen, belegten Brötchen wollten. Er ging davon aus, dass jemand dem Toten Betonschuhe verpasst hatte, weil dieser nicht gespurt hatte, und er nahm nicht an, dass das jemals ans Licht der Öffentlichkeit gelangen würde. Sollten sie sich alle doch ein Ergebnis nach Wunsch zusammenklöppeln, es kümmerte ihn nicht, Hauptsache, sein Laden lief.
Ob das Ferienhaus des Politikers am Ortsrand wohl demnächst zum Verkauf stehen würde? Er musste mal mit seiner Bank sprechen, nur für alle Fälle.

 

2017_48.17_eins_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 48.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Frau Myriade (laparoleaetedonneealhomme.wordpress.com) und lauten: Flussbett, langwierig, klöppeln.

Ich kenne „klöppeln“ tatsächlich am ehesten in der oben genutzten Bedeutung von „sich etwas zurechtmachen/-schieben“, und ja, ich HABE mich geärgert …

 

44 Kommentare zu “Kriegsgewinnler | abc.etüden

  1. Gruselig und doch gut vorstellbar, wenn man das Gezeter ‚da oben‘ so verfolgt, wie jeder jedem Bedingungen stellt…
    Fein umgesetzt, liebe Christiane :-)

    Herzlich
    Anna-Lena

    PS: Wieso hast du dich geärgert?

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  2. Ach so, jetzt kenne ich mich auch aus. Ich hatte den Zusammenhang mit dem Ärger auch nicht kapiert. Ich finde aber, dass es sich um einen derart krassen Skandal handelt, dass Ärger viel zuwenig ist. Wenn die Bienen alle tot sein werden und noch mehr Menschen Krebs haben, werden sicher die Politiker die Pflanzen bestäuben und die gesunden Lebensmittel anbauen. Oder glaubst du das etwa nicht ?

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    • Natürlich, ich sehe schon Frau Merkel und Herrn Seehofer im Biene-Maja-und-Willie-Shirt losziehen! Danke für den Lacher! :-D

      Ich fühle mich insgesamt und allgemein – Entschuldigung – verarscht, es gibt kein Wort, das es auch nur annähernd korrekter beschreibt. Im konkreten Fall zwar auch, aber grundsätzlich generell. Ich bin in einem Ausmaß sauer darüber, schon lange, dass ich kaum Worte dafür finde, und schon mal gar keine, die ich öffentlich auf meinem Blog äußern würde, auch das deswegen, weil ich hier keine politischen Diskussionen haben will, das entartet a) leicht und zieht b) immer Trolle an.
      Außerdem gehöre ich zu dem sesselfurzenden Stimmvieh, ich glaube nämlich auch nicht (mehr) an Demos etc., und schon deswegen (aus Mangel an Taten) reiße ich das Maul nicht so weit auf, weil ich mir einfach kein Mäntelchen umhänge, das mir nicht zusteht.
      Das ist jetzt natürlich schon mehr, als ich sagen wollte, aber was solls. ;-)

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  3. Eine sehr passende Etüde und daß Du an das unsägliche Glyphosat-Drama dachtest, war gut erkennbar, liebe Christiane.
    Geärgert hast es mich schon nicht mehr, aber sehr gewundert und wollte diese Entscheidung nicht glauben.
    Hier versagt mein Verstehen komplett. Was ist da geschehen?
    Ich bin entsetzt.
    Dein Bäcker ist nur geschäftstüchtig, einer, der sich die Hände reibt. Die Gründe WARUM sind ihm wurscht. Morden würde er nicht, hochstens, wenn ihm einer sein Mehl verunreinigt … *hüstel*

    Liebe Grüße von Bruni

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  4. Guten Morgen, liebe Christiane, nein, glaube ich natürlich nicht, denn sie geben sich alle mehr oder weniger nichts, wenn die mächtige Wirtschaftslobby dahinter steckt, das war rein ironisch gemeint. Ich habe schon bei pflanzwas geschrieben: Monsanto=Bayer=Weltkonzern, wer hat als Politiker den Mut, sich dem zu widersetzen? Lieber die Augen zumachen und denken, wird schon nicht so schlimm werden und wenn, bis dahin bin ich ja weg vom Fenster.
    Mir tut nur wirklich die SPD leid, die jetzt umso mehr in einer Zwickmühle steckt, sie weiß doch genau, wie sie in den nächsten Jahren über den Tisch gezogen wird.
    Es ist alles so verdammt verlogen.
    Meine Wut wächst immer mehr, je mehr Hintergründe über dieses abgekartete Spiel (wobei das nichts mit Spiel zu tun hat, es ist eine Katastrophe)ans Tageslicht kommen.
    Gestern in der Tagesschau gab es einen kurzen Auszug aus der Plenarsitzung zu sehen, da saß Frau Hendricks neben Frau Merkel und allein die Körpersprache, der Gesichtsausdruck von Frau Merkel war purer Widerwille gegen diese Frau, die es wagte , parlamentarische Grundregeln einzufordern.

    Lieber Gruß von der zornigen Karin

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