Wunschzettel | Adventsetüden

Es heißt zwar, es gäbe euch nicht, lieber Weihnachtsmann, liebes Christkind, aber an wen soll ich mich denn bitte wenden, mit der Kirche habe ich es ja sonst nicht so. Ich bin es doch, das Sensibelchen, das von jedem kalten Blick Frostbeulen bekommt, die Doofe, die immer das heiße Backblech anfasst, die ewige Verliererin, die nicht nur in der allgemeinen Geschenklotterie immer die Niete zieht, nein, die gefühlt die Niete IST – ihr kennt mich bestimmt, meine Geschenke haben immer Lieferschwierigkeiten.

Wenn ich also mal gleich mit meinem Wunsch mit der Tür ins Haus fallen darf: Ich habe die Einsamkeit so satt – und ihr seid meine letzte Hoffnung, dass sich das noch ändert.
Nee, ich bin optisch und psychisch eigentlich schon noch gut in Schuss, nur bisschen in die Jahre gekommen und bisschen in die Breite gegangen vielleicht; mein Typ wird einfach nicht nachgefragt, oder wenn, dann lediglich wegen meiner Gutmütigkeit: Meinen selbst gebackenen Christstollen wollen immer alle, dann können sie auch nett zu mir sein – und ich falle jedes Mal drauf rein und sitze doch über die Feiertage nur in Gesellschaft von einem fetten Weihnachtsblues herum (wenigstens nicht alleine, haha, selten so gelacht), wenn all die Freunde auf Familie machen, wozu ich dann selbstverständlich nicht gehöre, schon klar, oder?

Wisst ihr, man spricht zurzeit so viel über die Weihnachtsblase und diese Zuckerorgien aus geheuchelten Gefühlen. Ich sehe das bisschen anders, ich denke, die meisten Leute meinen den Rummel schon ehrlich, die wollen wirklich, dass zu Weihnachten alle, die sie mögen, happy und gut drauf sind, und haben im Gegenzug aber oft tierisch Angst, dass einer keine gute Miene zu dem manchmal ganz schön scheinheiligen Spiel macht, wenn man sich mal wirklich nicht ausstehen kann, kann ja gute Gründe haben, nicht? Dass das Klappehalten letztendlich mit Geschenken erkauft wird und dass das streng genommen nicht funktioniert, wenn man kein Kind mehr ist, das wissen zwar alle, vergessen zu Weihnachten aber geflissentlich, dass Harmonie Zeit und Mühe kostet, und zwar hauptsächlich vorher; Glück kann man eben nicht last minute preisreduziert kaufen, faulen Zauber schon.

Also richte ich mal einen privaten Spendenaufruf an euch, als Vertreter der himmlischen Heerscharen oder so: Schenkt mir doch ein bisschen Freude (nein, keinen Vibrator, danke schön), gerne mit Stern und Glöckchengebimmel von CD, das Wie überlasse ich euch.
Ansonsten besaufe ich mich an Heiligabend mit Feuerzangenbowle, überfresse mich mit Dominosteinen und gröle so laut und falsch peinliche Lieder, dass mich all die feierlichen Kirchgänger hören, die zur Christmette an meinem Fenster vorbeigehen, und mein Ruf vollends dahin ist. Und das Risiko wollt ihr doch zum Fest der Liebe bestimmt nicht eingehen, oder?

 

2017 advent 2 lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die Adventsetüden, Woche 49 + 50 + 51.17: (mindestens) 3 Worte, maximal 10 Sätze. Meine Wörter stammen dieses Mal aus der Adventsetüden-Wörterliste und sind alle, die ich in den beiden vorherigen Etüden noch nicht verbraten hatte, also insgesamt … Trommelwirbel … 14: Angst, Backblech, Blues, Christstollen, Dominosteine, Einsamkeit, Feuerzangenbowle, Frostbeule, Geschenklotterie, Hoffnung, Spendenaufruf, Stern, Zauber, Zuckerorgie.

Ja, ich weiß, ich bin nicht die Einzige, die so was gemacht hat. Ja, ich weiß auch, das sind alles in allem ziemlich überstrapazierte 10 Sätze, aber ich musste einfach der Versuchung nachgeben, es hat so Spaß gemacht!

Und falls wer vergessen haben sollte, dass Sonntag … Sonntag ist: Sonntag, also Heiligabend, gibt es neue Wörter für die Weihnachts-/Neujahrsetüden. Nur dass ihr über Weihnachten und zwischen den Jahren schreiben könnt, wenn ihr mögt.

 

53 Kommentare zu “Wunschzettel | Adventsetüden

  1. Allein feiern ist nicht dasselbe wie einsam feiern. Betrinken hilft nicht gegen Weihnachtsblues. Was oft hilft, ist Johanniskrautextrakt, sollte man aber ca. ab Oktober regelmäßig nehmen, weil es kein kurzfristig wirkendes Zaubermittel ist. Man kann auch Krankenhäusern oder Altenheimen ehrenamtliche Heiligabend- und/oder Feiertagshilfe anbieten. Ist auch eher mit Vorlauf aussichtsreich, weil man sich vorher kennenlernen und aufeinander einstellen muss. Gute Musik und leckeres Essen lassen sich dagegen auch kurzfristig besorgen, ebenso wie ein gutes Buch oder ein schöner Film oder ein Puzzlespiel und, wenn man mag, ein Legobaukasten. Legt frau sich unter den Baum und baut am nächsten Morgen los wie einst als Kind. Ein paar ungewöhnliche Rezepte aus dem Internet oder dem Rezeptordner der verstorbenen Vorfahrin können die Weihnachtsfreude ebenfalls steigern, noch ist sogar Zeit, die Zutaten zu besorgen. Am eigenen Herzensprojekt herumplanen, in aller Ruhe, ist ein weiterer Vorschlag. Und den doofen und unnützen Weihnachtsblues aus der Bude schmeißen. Bei mir hat er jedenfalls Hausverbot. Und falls er sich im Eissee ertränken sollte, würde ich ihm keine Träne nachweinen.

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    • Liebe Elke, vielen lieben Dank für deine Vorschläge. Meine Etüde war nicht so autobiographisch, wie sie sich liest, obwohl ich die Zustände alle kenne, bis darauf, an Weihnachten allein betrunken peinliche Lieder zu singen, nein, wirklich nicht, aber ich fand die Idee für die Etüde witzig.
      Ich bin skeptisch, was das Johanniskraut angeht, aber für den Rest ähneln sich unsere Strategien schon, ich werde kochen, mein (jetzt noch verpacktes) Weihnachtsbuch genießen, Filme gucken, Pläne schmieden, vielleicht schreiben und die Katze am Bauch kraulen. Lediglich der Weihnachtsblues wird sich bestimmt einschleichen, das liegt in der Natur der Sache, aber eigentlich mag ich Blues, es schreckt mich nicht mehr so wie noch letztes Jahr und die Jahre davor.
      Ich spüre die Sorge hinter deinen Worten und weiß das zu schätzen. Vielen Dank dafür, wirklich!
      Liebe Grüße
      Christiane

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      • Liebe Christiane,
        ich hatte schon gehofft, dass die autobiografischen Anteile nicht allzu akut sind, aber manchmal verstecken sich hinter fiktiven Etüden handfeste seelische Verletzungen, und da ich einige Strategien für mich entwickelt habe, fand ich es sinnvoll, sie auszusprechen, für dich und/oder die Menschen, denen es ähnlich geht, wie du es so gekonnt beschreibst. Ja, ich habe mein Vorgehen auch von langer Hand überlegt, und nein, ich weiß auch nicht, ob ich den Weihnachtsblues wirklich ausblenden kann. Aber es geht mir ähnlich wie dir: Er schreckt mich nicht mehr so wie noch letztes und vorletztes Jahr. Die schneidend scharfen Dissonanzen fügen sich mehr und mehr zu einem Lied in Moll, sozusagen, einem Blues in der musikalischen Bedeutung des Wortes, und dafür bin ich dankbar. In diesem Sinne: friedliche Weihnachten!
        Liebe Grüße
        Elke

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        • Ich fand das auch völlig richtig und gut, liebe Elke, und da auch ich ja schon bei dir gelesen habe, dass und warum es dir manchmal nicht so gut geht, wusste ich, dass du auch aus eigenem Erleben schreibst.
          Danke dir für deine guten Wünsche, schöne, friedliche und erfüllte Tage wünsche ich auch dir!
          Liebe Grüße
          Christiane

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  2. Oh du arme einsame Maus, komm ins Lehrercafe, hier gibt es nette Leute, Cappuccino und Ramazotti, gute Laune und viel Musik. Unser Toni kocht was kleines Leckeres und wir machen es uns gemütlich🤗. LG Alexa und Ela🎅

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  3. Guten Morgen liebe Christiane, also ich schenke dir gerne ein wenig Freude und drücke dich mal sanft. Zu Weihnachten überfuttern sich bei mir einfach alle, zum einen die, welche das ganze Jahr nix auslassen, wenn sie an meinem Tisch sitzen und zum anderen die geschätzten Gäste, die das schon immer vorhatten :D Und natürlich gibt es das Christkind und den Weihnachtsmann, denn Milch und Kekse sind am heiligen Morgen immer verschwunden und es herrscht am Abend ein besonderer Glanz in unserer Hütte ;-) Ich verabschiede mich jetzt mal nicht in dem ich dir good Vibrations wünsche, sondern hab einfach einen entspannten Tag :-)

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    • Guten Morgen, lieber Arno, das glaube ich dir sofort, dass sich die Leute bei dir überfressen, wenn du einlädst! :-)
      Und deine Beweisführung zum Thema Existenz des Christkindes ist unschlagbar, das KANN ja dann gar nicht anders sein.
      Ich muss heute noch bisschen was arbeiten, aber eigentlich bin ich schon ziemlich im Weihnachtsmodus, habe die letzten Tage lauter tolle Sachen in meine Hütte geschleppt und freue mich meines Lebens. Na ja, meistens.
      Hab Dank für die guten Wünsche!
      Liebe Grüße
      Christiane

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  4. Wenn Du ja nicht gefühlte 100.000 km weg wohnen würdest, packte ich meinen Vierbeinigen ein und käme zu Dir, dann wäre sicher Leben in der Bude, ob harmonisch weiß ich ja nicht, je nachdem ob Dein Fellträger meinen als Konkurrenten oder Sohn ansähe. 🤗🐈
    Bluesig wird es bei mir auch, ich werde an Dich denken und etwas mitseufzen 😌wollte Dir hier etwas Groenemeyer mitsenden,aber die Lieder, die ich mag, machen nur sehnsüchtiger.
    Hachundachundeigentlichtrotzdemschön, Karin

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    • Meine bisherigen Erfahrungen mit anderen Fellträgern besagen, dass das für den meinen Stress pur ist, liebe Karin, der Test mit einem Katzenkind steht dabei allerdings noch aus. Ich halte eine fremde Katze in meinen vier Wänden also prinzipiell nicht für die geeigneste Idee, leider. :-(
      Ich bin ja bekennender Last-Christmas-Hasser, aber mein Weihnachtsblues wird von Chris Rea und seinem „Driving home for Christmas“ getriggert, das gefühlt alle zwei Stunden aus meinem Radio tröpfelt (ein Weihnachtslieder-Sender). Ich würde mich also als leicht dauerbluesig, aber durchaus guter Dinge bezeichnen.
      Hachundachundeigentlichtrotzdemschön. Genau.
      Liebe Grüße
      Christiane

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  5. Ich kann mir vorstellen, dass du denen, die an Weihnachten allein sind, aus der Seele sprichst, liebe Christiane.

    Ob autobiografisch oder nicht,
    ich wünsche dir ein schönes, erholsames und friedvolles Fest <3

    Herzliche Grüße
    Anna-Lena

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    • Ja, ich glaube, dass es so einige gibt, die sich dabei ein Stückchen weit wiederfinden können.
      Danke dir für die Wünsche, auch dir und deinen Liebsten schöne (entspannte, fröhliche, friedliche) Weihnachtstage!
      Liebe Grüße
      Christiane

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    • Viele meiner Kommentatoren, liebe Christa, lesen schon zum Teil seit Jahren bei mir. Daher wissen sie, dass in dieser Etüde eine Menge Autobiographisches steckt und dass lediglich die Frage ist, wo geht die Realität in die Phantasie über, was ich natürlich unerwähnt lasse. (Hiermit bekenne ich übrigens, dass die Erwähnung des Christstollens den Etüdenwörtern geschuldet war – aber meine Mutter konnte hervorragenden Stollen backen.)
      Wenn du dich also auch gefragt hast, ob ich okay bin, danke der Nachfrage, ja, ich schlittere gerade so rein; wenn nicht, danke für das Feedback: „überzeugend“ klingt für mich wie „glaubwürdig“, und das stecke ich mir gern an meinen imaginären Hut.
      Liebe Grüße
      Christiane

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  6. ein toller Text, trotz weihnachtlicher Nietenstimmung, liebe Christiane. Autobiografisches mischen wir immer unter das Fiktive. Man sich darin verstecken und gleichzeitig etwas von der Seele schreiben. In der Lyrik klappt das auch vorzüglich *g*

    Du backst doch keinen Christstollen? *g* Ich auch nicht.
    Ich mag weder Zitronat und Orangeat im Kuchen.

    Eine wundervoll gelöste Etüde, die weihnachtlich daherkommt und leicht etwas Schwieriges anspricht. Das Alleinesein an Weihnachten.
    Das ganze Jahr ist alles ok, nur Weihnachten ist anders… Seltsam. Wetten, daß Du es richtig gemütlich haben wirst?

    Herzliche Grüße von Bruni an Dich und den kuscheligen Fellträger, ach, und noch etwas:
    Schöne Weihnachten, liebe Christiane, und entspannte gute Stunden

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    • Ach, liebe Bruni, du hast schon recht mit dem Mischen, klar ist das so. Und ja, ich stimme dir auch darin zu, dass Weihnachten eben etwas Anderes ist – sofern man es anders kannte und es vermisst, zum Beispiel. Klar, kulturelles Gedöns und so, aber ist so, Weihnachten ist besonders, eine Ballung emotionaler Ausnahmezustände, unendlich glücklicher und entsetzlich trauriger. Ich werde es gemütlich haben, und, na klar, das Kuscheltier auch, für den ich gefühlt mehr zu fressen gebunkert habe als für mich ;-)
      Mal sehen, was kommt.
      „Driving home for Christmas“ hörende Grüße
      Christiane, leise hachend und dir auch schöne, friedliche Tage wünschend

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  7. Liebe Christiane, das ist mein Wort für dieses Weihnachten:
    eine Ballung emotionaler Ausnahmezustände…“
    Herzlichen Dank, meine Liebe, diese Worte sagen einfach die Wahrheit in jeder Beziehung … und irgendwie ist dieses Weihnachten nie so, wie man es sich erträumt … aber was immer geht ist: gute filme, Buch, Musik, ein bisschen weinen und je nach Film auch lachen … ich wüsste nicht, was gegen das Singen spräche außer, daß jeder Fellträger (natürlich auch Kater Herbert!!) sofort mit ausgefahrenen Krallen seinen Platz am Schoß verläßt, mißmutig und gekränkt, noch schlimmer ist Pfeifen)
    Na ja, ich würde am liebsten seit vielen Jahren schon eine Rocknacht machen am Hl. Abend, mit vielen angenehmen Menschen, vielen Kerzen, großem Baum viel Geschenke, Gelächter, waaaahnsinnig guter Musik, Getanze oder nicht, wie´s beliebt, also alles eher weniger besinnlich sondern laut und fröhlich … aber wie Du schon ahnst, da geht nix, absolut nix, man kriegt weder die, die traurig alleine in der Bude hocken, noch die, die ihre aufgezwungenen Familienprogramme durchziehen, auf Gedeih und Verderb …also, meine Sehnsucht nach Rocknächten kann ich wohl in diesem Leben vergessen, vor allem jetzt mit 65 , kicher, wer mag sich da in ein Weihnachtsrockspektakel stürzen?

    Oh, sorry, hab mich schon wieder verquatscht!
    Bei uns ist schon wieder Föhnsturm und der Schnee ist zu brauner Matschpampe verkommen. Ich werd morgen mal am Abend hinter das Haus gehen und nach Norden winken mit ner Laterne, und solltest Du nach Süden schaun: ich hab ne Rote Kerze brennen! Und dazu schick ich Dir paar gute Gedanken und was Warmes aus meinem Herzen. Und wer weiß das schon, vielleicht kommt ja Tomte und flüstert geheime Wichtelworte ins Ohr … über ein wenig süßen Milchreis vor der Türe würde er sich angeblich freuen, so sagt man zumindest in Schweden.

    Alles Liebe für Dich und Frohe Weihnachten!
    Und überhaupt ist Dein Text unglaublich gut!!!
    Gruß Margarete

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    • Liebe Margarete,
      ein Rockspektakel zu Weihnachten … nee, daran glaube ich auch nicht und ich gestehe, ich würde auch keins wollen. Ich mag diese „Innerlichkeit“, das Innehalten zwischen den Jahren, das Zurückgezogensein zwischen den Jahren, wo das Wichtige innen abläuft und nicht mit und bei irgendwelchen Geschenkebergen … und dabei mag ich es still, also auch äußerlich, und dem Fellträger ist das eh recht.
      Es hat Vorteile, älter zu werden. ;-)
      Herzliches in den Süden, frohe Weihnachten und viele gute Gaben, ich schau nach dir, meine Kerze ist regenbogenbunt …
      Liebe Grüße
      Christiane

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