Lebenspläne | abc.etüden

„Siehst du das, ich meine, was ist das für ein Leben?“ Er konnte nicht still stehen, wenn er sich aufregte, also rannte er zum Fenster, riss die schlüsselblumengelben Vorhänge auf und deutete hinaus. „Es graupelt wie blöde, deine Mutter, gestandene Diplom-Ingenieurin, fährt immer noch Pakete in der Stadt aus und ich, immerhin irgendwann mal Dr. phil., muss bald los zu meiner Schicht in der Bar, wo sich die Leute am Tresen über fast nichts anderes als Fressen, Saufen und F…“, er stockte kurz, „… Fußball unterhalten. Schatz, Talent hin oder her, reicht dir unser schlechtes Beispiel nicht, um dich davon abzubringen, ausgerechnet Kunst studieren zu wollen, die brotlose Profession schlechthin?“

Sie saß wie üblich auf ihrem Bett und verdrehte die Augen, aber er sah es nicht, da er inzwischen auf einen leeren Fleck an der lindgrünen Wand starrte: „Hier hing doch immer das Tränenkrüglein, deine Illustration von diesem Rilke-Gedicht, auf die du so stolz warst, wo ist denn die hin?“

„Die ist in meiner Mappe, Papa“, sagte sie sanft, „und ja, ich werde ab dem kommenden Wintersemester Kunst an der HFBK studieren, ich habe gestern den Zulassungsbescheid bekommen und noch mal ja, Mama weiß es schon. Du darfst mir gratulieren, ich habe verdammt Glück gehabt, ich bin eine von nur hundertdreißig, das ist nicht gerade viel.“

Er überlegte sich gerade, ob sie diese vernichtend freundliche Art wohl von ihm hatte und warum er eigentlich nichts von dieser Bewerbung wusste, als sie aufstand, nach ihrer altrosa eingefärbten Jeansjacke griff und seiner heilen Welt endgültig den Todesstoß versetzte.
„Wenn du gestattest, komme ich übrigens mit dir in die Bar, dein Freund und Partner Klaus hat mir versprochen, wenn die Prinzessin von der Erbse steigen darf, dann arbeitet er mich bei euch als Kellnerin ein. Papa, hey, Papa, was ist denn, ist dir nicht gut?“

 

2018_05_2_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 05.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Elke H. Speidel und lauten: Krüglein, schlüsselblumengelb, graupeln.

Also, ich muss zugeben, hier die Zeiten ein bisschen manipuliert zu haben. Entweder es graupelt noch im April, oder die HFBK Hamburg hat ihre Bewerbungsfristen verändert. Laut Homepage beginnt der Bewerbungszeitraum gerade erst, sie kann also die Zulassung auf keinen Fall schon haben. Ferner wird ziemlich unerbittlich gesiebt, realistisch gesprochen wäre ich durchaus nicht sicher, wie groß die Chancen für Papas Prinzessin sind, beim ersten Mal ausgerechnet dort durchzukommen. Anyway.

Hier nun das von mir gesuchte Gedicht mit „Krüglein“ (hallo, Bruni). Ja, es hat echt gedauert. Ja, der Husten. Aber macht ja nix. Irgendwann waren die „Tränen“ zu dem „Krüglein“ da, und dann war es einfach.

Tränenkrüglein

Andere fassen den Wein, andere fassen die Öle
in dem gehöhlten Gewölb, das ihre Wandung umschrieb.
Ich, als ein kleineres Maß und als schlankestes, höhle
mich einem andern Bedarf, stürzenden Tränen zulieb.

Wein wird reicher, und Öl klärt sich noch weiter im Kruge.
Was mit den Tränen geschieht? – Sie machten mich schwer,
machten mich blinder und machten mich schillern am Buge,
machten mich brüchig zuletzt und machten mich leer.

(Rainer Maria Rilke, Tränenkrüglein, gewidmet Elisabeth Salomon; entstanden 16.09.1923; Erstveröffentlichung im Insel-Almanach 1924, S. 181–182; Quelle online)

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Winterkrankheiten

Es war einmal ein schlimmer Husten,
Der hörte gar nicht auf zu pusten.
Zwar kroch er hinter eine Hand,
Was jedermann manierlich fand.
Und doch hat ihn der Doktor Lieben
Mit Liebens Malzbonbon vertrieben.
Bemerkt sei noch: Für dies Gedicht
Bezahlte mich Herr Lieben nicht.

(Joachim Ringelnatz, Es war einmal ein schlimmer Husten, aus: Die Schnupftabaksdose, 1912, Quelle)

 

Der Einsame

Wer einsam ist, der hat es gut,
Weil keiner da, der ihm was tut.
Ihn stört in seinem Lustrevier
Kein Tier, kein Mensch und kein Klavier,
Und niemand gibt ihm weise Lehren,
Die gut gemeint und bös zu hören.
Der Welt entronnen, geht er still
In Filzpantoffeln, wann er will.
Sogar im Schlafrock wandelt er
Bequem den ganzen Tag umher.
Er kennt kein weibliches Verbot,
Drum raucht und dampft er wie ein Schlot.
Geschützt vor fremden Späherblicken,
Kann er sich selbst die Hose flicken.
Liebt er Musik, so darf er flöten,
Um angenehm die Zeit zu töten,
Und laut und kräftig darf er prusten,
Und ohne Rücksicht darf er husten,
Und allgemach vergißt man seiner.
Nur allerhöchstens fragt mal einer:
Was, lebt er noch? Ei, Schwerenot,
Ich dachte längst, er wäre tot.
Kurz, abgesehn vom Steuerzahlen,
Läßt sich das Glück nicht schöner malen.
Worauf denn auch der Satz beruht:
Wer einsam ist, der hat es gut.

(Wilhelm Busch, Der Einsame, aus: Zu guter Letzt, 1904, Quelle)

 

Wintergenesung | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

Der eine oder die andere mag hier auch noch Christian Morgensterns Gedicht „Der Schnupfen“ („Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse, auf daß er sich ein Opfer fasse“) erwartet haben. Ich auch. Bloß leider, leider hat das Suchen nach einer belastbaren Quelle den Hinweis ergeben, dass dieses Gedicht, welches aus einem Brief stammt, nach wie vor dem Urheberrecht unterliegt (es spricht nicht für das Projekt Gutenberg, das nicht zu wissen). Daher danke ich für die Quellenangabe zu diesem Gedicht Reinhard Röhrs, der es in seinem Abendprogramm hat und vermutlich dafür Tantiemen bezahlt, es zu nutzen. Das YT-Video dazu darf man allerdings verlinken: verkehrte Welt.

 

 

Ach so: Ja, ich auch. Husten und nachts Fieber. Noch kein Schnupfen, noch hoffe ich, dass ich drumherum komme.

Kommt ihr dennoch gut in die neue Woche!

 

Schreibeinladung für die Textwoche 05.18 | Wortspende von Elke H. Speidel

Nachdem die Discokugel euch hoffentlich nicht geblendet und verschreckt hatte, liebe Etüdenfans, -schreiber*innen und -leser*innen, wenden wir uns jetzt wieder der Tatsache zu, dass es zumindest in den Etüden doch noch winterlich sein könnte. Vorschub leisten da die Wörter von unserer dieswöchigen Wortspenderin, Elke H. Speidel, die auf transsilabia.wordpress.com immer wieder die schönsten schwermütigen, aber oft auch sehr humorvollen Etüden und Beiträge hinzaubert. Elke wünscht sich, dass wir uns in der nun folgenden Textwoche 05.18 mit folgenden Wörtern herumschlagen:

Krüglein
schlüsselblumengelb
graupeln.

Wie ihr wisst, gilt es, diese 3 Wörter in maximal! 10! Sätzen unterzubringen, und auch dieses Mal hat sie der werte Herr lz. (danke, Ludwig!) in Szene gesetzt, der erwähnte, dass er die zugrunde liegenden Fotos extra für die Etüden aufgenommen habe. Sehr löblicher Einsatz, vielen Dank!
Euren Beitrag verlinkt ihr dann bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüde auch ganz sicher von Elke und mir und von allen, die es interessiert, gefunden werden kann.

 

2018_05_1_lz | 365tageasatzaday

 

2018_05_2_lz | 365tageasatzaday

 

Zaubertrank: Räumlichkeiten DRINGEND gesucht

Wenn ich versuche nachzurechnen, wie lange ich Hans-Georg Schaaf, den Inhaber vom Zaubertrank, bereits kenne und mag, dann kommt da eine zweistellige Anzahl von Jahren heraus. Ich habe in seinem Laden an wechselnden Standorten herumgesessen, habe an seinem Stand auf diversen Festlichkeiten wohlschmeckende und erstaunliche Dinge getrunken und gegessen und habe mit ihm so manche Stunde über lustige, erstaunliche und haarsträubende Dinge gesprochen – und mehr als einmal hat er mir geholfen, nicht lang dumm rumgelabert, sondern geholfen, so wie es seine Art ist, wer ihn kennt, weiß das. Kurz: Ich gehöre zur Fanbase.

Jetzt steckt der Zaubertrank in Schwierigkeiten: Es gab Dauerstress mit dem Vermieter, der nicht gütlich beigelegt werden kann, und Hans-Georg hat zwischenzeitlich (immer unermüdlich arbeitend) größere gesundheitliche Probleme weggesteckt und noch mehr. Leider sind die Dinge inzwischen so weit gediehen, dass der Zaubertrank umziehen muss, weil der Vermieter mit Zwangsräumung droht, und das SCHNELLSTENS – und bisher nichts findet.

Daher, liebe Hamburger-und-Drumherum-Leser und -Leserinnen, veröffentliche ich hier einen Teil eines Newsletters, den Hans-Georg herumgeschickt hat. Wenn ihr was wisst, wenn ihr eine Adresse habt, wo er fragen kann, wenn ihr euch irgendwie einbringen könnt: Es wäre so toll.

„Wir brauchen dringend eine Ausweich-Immobilie! Wir benötigen Ladenräume, Lagerräume, Herstellungsräume, eine Wohnung und evtl. auch eine Freilandfläche für den Anbau von Pflanzen. Idealerweise alles zusammen, etwa 600 – 800 qm Fläche und in erreichbarer Nähe einer U- oder S-Bahnstation.
Wenn es dann so weit ist, benötigen wir auch helfende Hände für den Umzug, den Rückbau hier und den Aufbau dort (Klempner, Gas-, Wasser-, Heizungs- und Kälteinstallateure, Maurer- und Fliesenarbeiten).
Zur Bewältigung der finanziellen Lage (Rückstand hier, Mietsicherheit und Neuinstallation dort) bitten wir um Kredit, Konditionen verhandelbar.“

Die Webseite des Zaubertranks ist unter zaubertrank-hamburg.de erreichbar, dort finden sich auch Kontaktmöglichkeiten, ansonsten stelle auch ich gern den Kontakt her. Uuuuund: Um noch mal auf den Maskenzauber am Wochenende zu verweisen, jawohl, dort ist er zu finden, seit 15 Jahren schon …

Update: 27.01.2018: Das mit der Zwangsräumung scheint für 2, 3 Monate aufgeschoben. Hans-Georg bedankt sich für alle Ideen und Hilfsangebote, die bisher aufgelaufen sind. Die Lage sei zwar furchtbar ernst, sagt er, aber er sei guter Dinge, was ich ihm sofort glaube, er ist kein Typ, der aufgibt.

 

Quelle: ichmeinerselbst, na klar

 

Ja, falls jemand streng guckt, die Bilder sind weder vom letzten noch vom vorletzten Jahr, schon wahr. Aber die Bude (und ihr Standort) ändert sich deshalb nicht wesentlich …  ;-)

 

 

Vom selben Stern | abc.etüden

„Wir alle sind aus Sternenstaub, in unsren Augen war mal Glanz. Wir sind noch immer nicht zerbrochen, wir sind ganz …“
Wie sehr sie sich das wünschte, dass alles wieder gut werden würde! Dass sie seine hässlichen Worte nur geträumt hatte, sein Lachen über ihre Tränen, das sie schier wahnsinnig machte, wenn sie daran dachte. Immerhin war sie davongestürmt und hatte seine Autoschlüssel mitgenommen – er würde sicher von „klauen“ sprechen und sie als „hysterische Kuh“ beschimpfen –, sodass er ihr nicht folgen konnte, jedenfalls nicht schnell.

Um nicht in ihren Tränen zu ertrinken, war sie in die Stadt gefahren und schließlich in diesem Club gelandet, wo sie alte Sachen spielten und sich eine einsame Discokugel an der Decke drehte. Seitdem war sie auf der Tanzfläche, gefangen in ihrer eigenen Blase, das Herz voller Risse.
„Du bist vom selben Stern, ich kann deinen Herzschlag hörn, du bist vom selben Stern wie ich.“
Ach, Illusion, all ihre Liebe nur Illusion, die Tränen liefen über ihr Gesicht.
Sie würde heute bestimmt nicht mehr zurückgehen, zu ihm schon gar nicht, aber sie wusste nicht, wohin mit sich.

 

2018_04_1 | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

Für die abc.etüden, Woche 04.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von wortgeflumselkritzelkram und lauten: Discokugel, wahnsinnig, klauen.

 

Mir war grad so. Einer dieser Abende, um sich Heulfilme anzuschauen und an der Welt zu verzweifeln. Und ja, Gerda (und Ulli!), ein bisschen Sternenstaub ist auch für euch!  :-D

Wer das Lied dazu nochmals nachhören möchte: Ich + Ich – Vom selben Stern

 

 

Chidher

Chidher, der ewig junge, sprach:
»Ich fuhr an einer Stadt vorbei,
Ein Mann im Garten Früchte brach;
Ich fragte, seit wann die Stadt hier sei?«
Er sprach und pflückte die Früchte fort:
»Die Stadt steht ewig an diesem Ort
Und wird so stehen ewig fort.«
Und aber nach fünfhundert Jahren
Kam ich desselbigen Wegs gefahren.

Da fand ich keine Spur der Stadt;
Ein einsamer Schäfer blies die Schalmei,
Die Herde weidete Laub und Blatt;
Ich fragte: »Wie lang‘ ist die Stadt vorbei?«
Er sprach und blies auf dem Rohre fort:
»Das eine wächst, wenn das andre dorrt;
Das ist mein ewiger Weideort.«
Und aber nach fünfhundert Jahren
Kam ich desselbigen Wegs gefahren.

Da fand ich ein Meer, das Wellen schlug,
Ein Schiffer warf die Netze frei;
Und als er ruhte vom schweren Zug,
Fragt‘ ich, seit wann das Meer hier sei?
Er sprach und lachte meinem Wort:
»So lang‘ als schäumen die Wellen dort,
Fischt man und fischt man in diesem Port.«
Und aber nach fünfhundert Jahren
Kam ich desselbigen Wegs gefahren.

Da fand ich einen waldigen Raum
Und einen Mann in der Siedelei,
Er fällte mit der Axt den Baum;
Ich fragte, wie alt der Wald hier sei?
Er sprach: »Der Wald ist ein ewiger Hort;
Schon ewig wohn‘ ich an diesem Ort,
Und ewig wachsen die Bäum‘ hier fort.«
Und aber nach fünfhundert Jahren
Kam ich desselbigen Wegs gefahren.

Da fand ich eine Stadt, und laut
Erschallte der Markt vom Volksgeschrei.
Ich fragte: »Seit wann ist die Stadt erbaut?
Wohin ist Wald und Meer und Schalmei?«
Sie schrien und hörten nicht mein Wort:
»So ging es ewig an diesem Ort
Und wird so gehen ewig fort.«
Und aber nach fünfhundert Jahren
Will ich desselbigen Weges fahren.

(Friedrich Rückert, Chidher, aus: Friedrich Rückert: Werke, Band 1, Leipzig und Wien [1897], S. 291-293, Quelle)

 

Chidher | 365tageasatzadayQuelle: Ichmeinerselbst unter Verwendung von zwei Bildern von Pixabay

 

Friedrich Rückert, gestorben 1866 im heutigen Coburger Stadtgebiet, war „ein deutscher Dichter, Sprachgelehrter und Übersetzer sowie einer der Begründer der deutschen Orientalistik. Rückert beschäftigte sich mit mehr als 40 Sprachen und gilt als Sprachgenie“, weiß die Wikipedia. Das Vorbild für die von ihm geschaffene Figur des Chidher Grün, des ewigen Wanderers, dessen Ballade ich gefühlt schon sehr lange kenne, geht jedoch auf die islamische Mythengestalt al-Chidr zurück. Der wiederum ist ein „islamischer Heiliger, der als Symbol für die sich zyklisch erneuernde Vegetation und Personifikation des Guten einen festen Platz in der Vorstellungswelt der Muslime hat“ (Wikipedia, ein höchst interessanter Artikel, wie ich finde).

Eine Anmerkung zum Thema gute (Foto-) Vorsätze: Nicht, dass ich das jetzt jedes Mal großartig thematisieren werde, aber hier bin ich bereits zum ersten Mal genötigt, auf fremde Vorräte zurückzugreifen, und es ist noch nicht mal Ende Januar! Aber so ist das halt, ich habe Vorstellungen, womit ich etwas bebildern möchte (eine SchafHERDE, keine Einzelgänger auf einem Deich, ein HolzSTAPEL, kein einzeln gefällter Baum, wobei das vielleicht noch gegangen wäre). Dafür sind dann die anderen Fotos von mir. Und manchmal habe ich schlicht zum Suchen keine Zeit, auch das wird in Zukunft bestimmt noch häufiger wieder der Fall sein, stattdessen habe ich dem In-den-Kreis-Basteln den Vorzug gegeben …

Lange Rede, kurzer Sinn: Kommt gut in die neue Woche …

 

Schreibeinladung für die Textwoche 04.18 | Wortspende von wortgeflumselkritzelkram

Was für eine spacige Woche, liebe Etüdenfans, -schreiber/innen und -leser/innen, liegt hinter uns!?! Ich danke euch allen, die ihr euch des Themas angenommen und es zu eurem gemacht habt: eine ganz schöne (im Doppelsinn) Herausforderung, nicht wahr? Nun, mit den neuen Wörtern kehren wir wieder in vermutlich vertrautere Gefilde zurück. Sie stammen für diese nun folgende Textwoche 04.18 von Sabine aus dem Hause wortgeflumselkritzelkram (wortgeflumselkritzelkram.wordpress.com) und lauten:

Discokugel
wahnsinnig
klauen.

Wie ihr wisst, gilt es, diese 3 Wörter in maximal! 10! Sätzen unterzubringen, und auch dieses Mal hat sie der freundliche Herr lz. (danke, Ludwig!) in Szene gesetzt. Euren Beitrag verlinkt ihr dann bitte wie gewohnt hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüde auch ganz sicher von Sabine und mir und von allen, die es interessiert, gefunden werden kann.

 

2018_04_1 | 365tageasatzaday

 

2018_04_2 | 365tageasatzaday

 

THE END | abc.etüden

Nachts, wenn er die Augen schloss, war das ultraviolette Rauschen in seinem Kopf inzwischen so stark, dass er nicht mehr schlafen konnte. Aber er machte sich davon nicht abhängig, er fand, Schlaf wurde sowieso überbewertet. Stattdessen vertiefte er sich lieber exzessiv in Konzentrations- und Meditationsübungen, um seinen Geist zu klären und von den Schlacken des Alltags zu befreien. Dass sein Herz schließlich zu stolpern begann, hätte ihn ernsthaft irritiert, wenn er in dem Pulsieren nicht Morsezeichen erkannt hätte: dit-dit-dah-dit  dit-dah-dit  dah-dit-dit-dit und so weiter, was in sehr langsamen, sich wiederholenden Sequenzen FRB 121102 ergab.

Noch ein Beweis mehr dafür, dass er auserwählt war.

Die breite Öffentlichkeit war des Geredes über 3 Milliarden Lichtjahre entfernte Strahlungsquellen, Schwarze Löcher, Supernovaüberreste und andere abstrakte astronomische Theorien allerdings schon längst wieder überdrüssig geworden und beschäftigte sich stattdessen mit dem nächsten Supermond.

Er hingegen lief Tag für Tag mit seinem stotternden Herzen durch die Stadt, ein menschlicher Funkturm im Dauereinsatz. Als sich sein körperlicher Zustand verschlechterte, brach er auf der Straße zusammen und wurde in ein Krankenhaus geschafft. Da er sich den empfohlenen Maßnahmen gegenüber völlig uneinsichtig zeigte, ordneten die Ärzte zunächst Zwangsernährung, später Zwangseinweisung an und sprachen von einer schwerwiegenden Persönlichkeitsstörung.

Das riesige Raumschiff tauchte in die Erdatmosphäre ein und stand, von allen irdischen Systemen unbemerkt, über der Stadt, aber es war bereits zu spät für ihn.

 

2018_03_3_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 03.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Ludwig Zeidler und lauten: FRB 121102, ultraviolett, Supernovaüberrest.

Okay, ich bin spät, ich weiß, aber ich musste es einfach zu Ende bringen, es hat mir keine Ruhe gelassen … Ja, der Arme.

Es gibt zwei Vorläufer, hier (1) und hier (2). Wer alle drei nicht kennt, sollte mit der ersten anfangen, sie steigern sich.

 

Stay tuned | abc.etüden

Es war notwendig, das RICHTIGE zu tun, damit sie ihn erkannten, wenn sie kamen, und das beschäftigte ihn Tag und Nacht.

Den Gedanken, sich FRB 121102 auf den Kopf zu tätowieren, hatte er verworfen, schließlich war dies ein menschgemachter Name und er wusste noch nicht, wie die Fuhrmänner kommunizierten. Zwar glaubte er nicht daran, dass der Körper, den er kannte, nach dem Start der Raumschiffe noch von Nutzen sein würde, dennoch wollte er das unvollkommene Vehikel, das seinem Geist hier zur Verfügung stand, nicht unnütz beschädigen.

Irgendwann explodierte schließlich eine Gewissheit in ihm und bescherte seinem Geist quasi als Supernovaüberrest die Antwort: Blut.

Sofort begann er damit, sein Blut bestrahlen zu lassen. Nachts, wenn er die Augen schloss, sah er das angereicherte Blut ultraviolett leuchtend durch das Netz seiner Adern pulsieren und fühlte, wie es ihn für die höheren Frequenzen empfänglicher machte.

Das Blut war der Schlüssel.

Immer hatte er auf den Ruf gewartet, sein kleines, bedeutungsloses Leben aufzugeben, nun rauschte er in seinem Innersten und seine Stimme wurde jeden Tag verständlicher.

HALTE DICH BEREIT! WIR SIND NAH!

 

2018_03_1_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 03.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Ludwig Zeidler und lauten: FRB 121102, ultraviolett, Supernovaüberrest.

Falls jetzt jemandem unbehaglich wird und sich wer fragt, ob der Typ (oder ich) vielleicht einen klitzekleinen Schatten hat: Das ist beabsichtigt. Und nein, sag mir keiner, dass das mit dem „Blut bestrahlen“ Schwachsinn ist. Es gibt eine (ähnliche) Methode der Eigenbluttherapie, die hat allerdings nicht diesen Effekt.  ;-)

Den Vorläufer gibt es hier. Den Nachfolger hier. Wer alle drei nicht kennt, sollte mit der ersten anfangen, sie steigern sich.

 

Nach Hause | abc.etüden

Bald würde es offenbar sein.

Nachts, wenn er die Augen schloss, zuckten neuerdings ultraviolette Blitze durch seinen Kopf und kamen stetig näher.

In den vergangenen Tagen und Wochen waren die einschlägigen Medien voll davon gewesen, voll von Berichten über schnelle, sich wiederholende Radiowellen im Millisekundenbereich, die sensationellerweise aus ein und derselben Quelle stammten. Das war das Zeichen, das musste es sein, er hätte schreien können vor Glück, so lange wartete er bereits darauf. Man hatte jener Quelle weit weg im Sternbild Fuhrmann sogar einen Namen gegeben, man nannte sie schlicht FRB 121102 und formulierte Hypothesen über Hypothesen über ihren Ursprung. Aber ob nun Pulsare, Supernovaüberreste, die Verschmelzung Weißer Zwerge, verdampfende Schwarze Löcher oder der Antrieb von Sonnensegel-Transportern von Kardaschow-II-Zivilisationen – ihm war das alles egal.

Denn er … WUSSTE.
Er war einer von ihnen.
Sie waren unterwegs, um ihn zu holen.

Endlich.

 

2018_03_4_lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 03.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Ludwig Zeidler und lauten: FRB 121102, ultraviolett, Supernovaüberrest.

Es geht auch kurz (also halbwegs), nur mal so am Rande erwähnt  ;-)

Es gibt Nachfolger, lest bitte hier und hier.

 

Winter oder so

Weg am Winterstrand

Das Meer hat die Spuren des Sommers gelöscht
bald wird auch die Sonne vereisen
in der Januarnebelwand …

(Hier stand bis eben das Gedicht einer Lyrikerin, deren Name von aphorismen.de mit „Betty Paoli“ angegeben wird (Quelle), obwohl es sprachlich eigentlich zu modern für eine Frau anmutet, die 1894 starb. Das stimmt dann auch prompt nicht (danke für die Hilfe, Bernd), es stammt aus der Feder von Annemarie Schnitt (Quelle, auf der Seite nach „Winterstrand“ suchen, die Versionen differieren).
Da Frau Schnitt noch lebt und da sich auf ihrer Webseite kein Hinweis findet, ob sie das Zitieren erlaubt, und weil ich ihre Erlaubnis gern vorher eingeholt hätte, nicht nachträglich, habe ich es also gelöscht. Dies nur für diejenigen Leser, die sich wundern, wenn sie die Kommentare lesen.
Stattdessen habe ich ein bisschen Ringelnatz eingefügt, es möge gefallen  ;-) )

 

Lebhafte Winterstraße

Es gehen Menschen vor mir hin
Und gehen mir vorbei, und keiner
Davon ist so, wie ich es bin.
Es blickt ein jedes so nach seiner
Gegebenen Art in seine Welt.

Wer hat die Menschen so entstellt??

Ich sehe sie getrieben treiben.
Warum sie wohl nie stehenbleiben,
Zu sehen, was nach ihnen sieht?
Warum der Mensch vorm Menschen flieht?

Und eine weiße Weite Schnee
Verdreckt sich unter ihren Füßen.
So viele Menschen. Mir ist weh:
Keinen von ihnen darf ich grüßen.

(Joachim Ringelnatz, Quelle)

 

Winter, du rauher Mann,
Winter, ich lieb’ dich nicht!
Zitternd vor deinem Frost
Strebe ich auf zum Licht.

Fritz Lemmermayer, Quelle

 

winter nordfriesland | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst

 

Kommt gut und warm  ;-) in die neue Woche!

 

Schreibeinladung für die Textwoche 03.18 | Wortspende von Ludwig Zeidler

Vor einem knappen Jahr, liebe Etüdenfans, -schreiber/innen und -leser/innen, erschien auf dem inzwischen eingestellten Blog von Ludwig der erste Aufruf zu seinem neuen Projekt, den abc.etüden. Der Rest ist längst Geschichte (aber nicht vergessen), einige von euch schreiben seit damals schon mit, ich auch, aus reiner Nostalgie verlinke ich hier mal meine erste Etüde, die ich immer noch sehr mag, weil sie einige (damals aktuelle) Buchtitel listete. Danke, Ludwig, mein letztes Blogjahr war eindeutig ein Etüdenjahr, ich ziehe immer noch wirklich viel für mich da raus.

Ich schwöre, ich habs nicht speziell geplant, aber zu diesem Jubiläum hat Ludwig nicht nur wieder die Illustrationen gestaltet (4! Alles oder nichts!), sondern er  ist heute auch wieder mit seiner Wortspende am Start, so wie wir beide jeweils immer eine neue Wortspendenrunde mit unseren Wörtern eröffnen. Und da er sich um Konventionen nur sehr ungern schert, fallen seine Wörter aus allen meinen Vorgaben und entführen uns für die Textwoche 03.18 in den Weltraum (ja, ich musste sie auch nachschlagen): abc.etüden go space!

FRB 121102 (FRB = Fast Radio Burst, hier speziell zu FRB 121102 nachlesen)
ultraviolett
Supernovaüberrest.

Wie ihr wisst, gilt es, diese 3 Wörter in maximal! 10! Sätzen unterzubringen. Euren Beitrag verlinkt ihr dann bitte hierhin und/oder (am besten „und“) postet den Link unten in einen Kommentar (oder gleich die ganze Etüde, wenn ihr keinen Blog habt oder es bei euch nicht passt), damit eure Etüde auch ganz sicher von Ludwig und mir und von allen, die es interessiert, gefunden werden kann.

(Musik auf eigene Gefahr.)

 

2018_03_1_lz | 365tageasatzaday

 

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