Plötzlich knallalt | abc.etüden

Er war zu alt für so was. Wenn sie Streit wollte, wie er es nannte, fragte sie ihn manchmal, ob er denn vielleicht schon zu alt für das Leben sei.

Wie jetzt, als sie wieder das knallenge Unterhemd trug, was er missbilligte und prompt als knallhässlich bezeichnete, denn er hatte es nicht mehr so mit der fleischlichen Verführung, und wenn schon, dann doch bitte richtig, nicht diesen Feinripp-Kram. Warum nur lachte sie so komisch, lachte sie ihn etwa aus?
Ach ja, die Fleischeslust, na ja – die Hochzeit war ja auch schon ein paar Jährchen her und jetzt, jetzt war eher Ruhe eingetreten in, äh, ihrem Eheleben. Er hatte immer geglaubt, das wäre völlig in ihrem Sinn, stimmte doch auch!

Früher, ja, als sie noch knallverliebt gewesen waren, da hatten sie es wild getrieben, hatten die Finger nicht voneinander lassen können, nirgendwo, hatten auf nichts verzichten wollen, nicht auf Küsse auf offener Straße und waren auch schon öfter mal knallerregt im Stadtpark hinter einem Busch gelandet.

Aber jetzt? Ach, alles dahin, die ganze schöne knallvergnügte Verrücktheit von damals.
Was mit ihnen geschehen war, er verstand es nicht, er hatte doch nichts Böses getan.

 

2018_06_2_zwei lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 06.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Anna-Lena und lauten: Unterhemd, knallvergnügt, verzichten.

Update! Die gehört dazu: Verkehrsberuhigte Zone