Chill mal, Mama | abc.etüde

Ich habe zu Hause ein blaues Klavier, und kenne doch keine Note.

Kaum auszudenken, die Reaktion, wenn sie den frischgebackenen Pubertieren so etwas wie KLAVIERUNTERRICHT auch nur antragen würde.

Es steht im Dunkel der Kellertür, seitdem die Welt verrohte.

Seit sie täglich mitanhören durfte, mit welchen Bezeichnungen ihre Töchter einander anschrien – Wörter, für die ihre Großmutter ihr den Mund mit Kernseife ausgewaschen hätte, wenn sie sie überhaupt verstanden hätte –, begriff sie, warum so viele Philosophen mit jeder neuen Generation den Untergang des Abendlandes heraufbeschworen. Dass sie ziemlich oldschool war, okay, geschenkt, Mütter durften das sein, ihre war es auch gewesen. Wie man aber heutzutage scheinbar miteinander sprach, und das dann auch noch als „JugendKULTUR“ bezeichnete, das würde sie nie akzeptieren, da mochte noch so viel Zeit vergehen.

Zerbrochen ist die Klaviatür … ich beweine die blaue Tote.

Woher sollten ihre Kinder die feinen Abstufungen lernen, wie die Kommunikation mit Nicht-Gleichaltrigen, wenn es offensichtlich ihr einziges Bestreben zu sein schien, einander immer abstruser zu beleidigen? Sie fand sich in der Rolle der Sprachpolizei und hasste es aus vollem Herzen, aber sie verzweifelte schier daran, ihnen zu vermitteln, dass der von ihnen ständig und laut eingeforderte RESPEKT sich auch und zuallererst in der Wahl der Ausdrucksweise manifestierte. Und wenn man ihr noch ein einziges Mal abschätzig dieses „Ey, chill mal, Mama“, entgegenschleuderte, dann … ja, dann würde sie sich vielleicht auch mal in der Sprachebene vergreifen, und sie freute sich wirklich nicht darauf.

 

2018_27_2_zwei lz | 365tageasatzadayVisuals: ludwigzeidler.de

 

Für die abc.etüden, Woche 27.2018: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Werner Kastens und lauten: Sprachpolizei, verroht, vergehen.

Sollte sich jemand fragen, was ich da zitiere (kursiv): Else Lasker-Schüler, Mein blaues Klavier, aus dem gleichnamigen Gedichtband (Quelle).

Ich las neulich, dass es ein Buch mit folgendem Titel geben solle: „Am Ende der Geduld ist noch jede Menge Pubertät übrig“ – oder so. Das kommt mir ziemlich wahrscheinlich vor …  ;-) Ihr, die ihr an vorderster Front seid, ist es bei euch auch/wirklich so schlimm?

 

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52 Kommentare zu “Chill mal, Mama | abc.etüde

  1. Zu deiner Frage: ja – teilweise schon, allerdings gelten dazu hier relativ strikte Regeln. Ich weiss, dass bei meinem um etliche Jahre jüngeren Bruder auch mal die Sch…-Kassette einführt wurde (damals waren es eben andere Wörter). Da durfte jeder 50 Pfennig rein schmeißen, wenn er das böse Wort gesagt hat. Was ich bei uns tw viel schlimmer finde, ist das weglassen von Artikeln – da stellen sich mir die Nackenhaare auf, ich werde dann auch zur Sprachpolizei und lasse den Satz richtig wiederholen 😎

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    • Ich denke mal, da bist du nicht die Einzige, die derartige Regeln eingeführt hat: Hier nicht so, was du draußen machst, kann ich eh nicht kontrollieren.
      Ich schlucke trotzdem, wenn ich das höre, selbst wenn ich mir vorstelle, dass die alle sorgfältige Elternhäuser hätten. Na ja.
      Liebe Grüße
      Christiane

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      • Ja – ich schlucke auch. Schön ist es nicht. Andererseits war „Scheiße“, als ich jung war ein ganz unmögliches Wort – heute ist es schon fast Alltag, es zu gebrauchen. Ob mir dieses Sprachentwicklung gefällt? Nein – bestimmt nicht. Ob sie aufzuhalten ist? Ich weiß es nicht. Letztendlich kann jeder nur auf sich achten (und bei den Pubertären hoffe ich noch ….)

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        • Jede Generation verändert die Umgangssprache. Meine Mutter beklagte das viele Englisch, das ich ins Haus brachte, auch durch die Musik. Aber wir wussten, auch bedingt durch die Reaktionen der Eltern, dass „Scheiße“ ein Schimpfwort ist, also eigentlich 😉
          Bei den Kids heute frage ich mich das ernsthaft, ob denen überhaupt klar ist, dass jedes zweite Wort zum Teil in den Öffentlich-Rechtlichen mit einem Piepton belegt würde oder worden wäre 😏

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  2. An vorderster Front stehe ich ja nicht mehr, aber die Pubis um mich herum brauchen das in ihrer jeweiligen Altersphase wohl.
    Und was sich in den letzten Tagen verbal hinter den Regierungstüren abgespielt haben mag, würde wohl auch jeder Beschreibung spotten. „Chill mal“ hätte da ein Dauerbrenner sein können …

    Eine Etüde nach meinem Geschmack, liebe Christiane :-) .
    Liebe Grüße,
    Anna-Lena

    Gefällt 4 Personen

    • Dass die das brauchen, dieses verbale Kräftemessen, unbenommen. Aber muss es so verroht, teilweise so extrem verroht sein? Wo bleiben die Nuancen, wenn es nur darum zu gehen scheint, wer dem anderen rein sprachlich den größten Haufen vor die Füße kotzt, egal, welchen Inhalts? Sprechen ist auch ein Ausdruck des Denkens, wie denken die, wenn sie denken, was in der Pubertät zugegeben vielleicht keine Priorität hat? 😉
      Okay, ich hör schon auf.
      (Ach so, Politik: Affentheater. Mit sehr alten Affen. Macht es nicht besser.)
      Liebe Grüße
      Christiane

      Gefällt 4 Personen

  3. Bei uns war es anders schlimm damals, vor 15 bis 20 Jahren. Mit Selbsthass des betroffenen Pubertiers und sinkendem Überlebenswillen desselbigen. Ich hoffe, die Kinder der erwachsen gewordenen Betroffenen haben es in zehn Jahren leichter (aber meine Hoffnung ist gering).

    Gefällt 3 Personen

    • Hast du eine Idee, woher das kam? Das ist schlimm, das mitzuerleben. Wie konntet ihr helfen? (Und inwieweit hatte das alles mit Sprache zu tun? Wurde er/sie gemobbt?)
      Und dass deine Hoffnung gering ist, ist auch keine tolle Perspektive.
      Liebe Grüße
      Christiane

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      • Ja, Mobbing war mit im Spiel, aber vor allem waren die typisch pubertären Reaktionen eher nach innen als nach außen gerichtet. Das betroffene „Pubertier“ hielt eben SICH für verkehrt – und nicht die Welt. Wir hatten viele Gespräche, auch professionell unterstützt, um diese Weltsicht zurechtzurücken und eine Passung Mensch-Welt zu erreichen. Bei der Folgegeneration rechne ich allerdings eher mit einem selbstbewussteren „die-Welt-ist-falsch“-Gehabe, jedenfalls wenn ich Rückschlüsse aus kleinkindlichen Trotzreaktionen hochrechnen darf. In der jetzigen Elterngeneration gab es nämlich ein kleines Wesen, das sich schon als Siebenjähriges selbst nach eigener Aussage nicht lieb hatte. Es ist wohl eine Frage der Persönlichkeit, und zum Glück hat der Nachwuchs ZWEI Elternteile, grins.

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  4. Ein Text passgenau auf die Wörter zugeschnitten wie ein handgemachter Handschuh. Ich finde die kleine Form gut, sie fordert heraus, und dir gelingt es ohne Bandwurmsätze, die ganze Substanz unterzubringen,.
    Dass ich selbst lange nix gemacht habe, hat andere Ursachen. Es täte mir leid, wenn ich nicht wieder einsteigen könnte.

    Gefällt 4 Personen

    • Ich finde auch, die Etüden sollten genau so bleiben wie sie sind. Auch wenn auch mir nur noch alle paar Wochen mal eine einfällt im Gegensatz zu anfangs, als ich anfing, mitzumachen. Da hatte ich fast jede Woche sofort eine Idee, auch zu den kuriosesten Wortspenden fiel mir was ein (Beispiel meine „Hausaufgaben“, dass mir zu den Wörtern was eingefallen ist, finde ich immer noch enorm 😉).
      Nein, aber die Etüden müssen bitte die Etüden bleiben 😊😊.
      Was ja nicht heißt, dass man nicht parallel dazu noch andere Konzepte ausprobieren kann.
      Liebe Grüße 🙋

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      • Ja, kommt ja bald wieder der Sommer mit dem Sommerpausenintermezzo, das ist Experimentierfläche … ;-)
        Ich freue mich jedenfalls immer, dich zu lesen, ob mit Etüde oder ohne. Und danke für deine Meinung zur Etüden-Form!
        Liebe Grüße
        Christiane

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    • Ich vermisse deine Kata-Strophen auch, liebe Gerda, aber wenn es nicht geht, geht es nicht. Ich habe immer gesagt, dass die Etüden Kür sein sollen und nicht Pflicht … irgendwas ist immer.
      Herausforderung, ja, ist es, und ich finde es selbst spannend, ob ich es schaffe, meine Bandwurmsätze so zu stricken, dass sie leserlich bleiben und trotzdem das ausdrücken, was ich gesagt haben möchte. Daher werde ich die Etüden NICHT ohne Beschränkungen laufen lassen, aber ob es jetzt unbedingt 10 Sätze sein müssen oder eine bestimmte Anzahl Wörter, das könnte man sich ja vielleicht mal überlegen, ich nehme/nähme dazu gern Meinungen entgegen.
      Liebe Grüße
      Christiane

      Gefällt 2 Personen

  5. Chill mal! hat zumindest hier in der Gegend genau so wie Heul doch!, die Pubertät längst überlebt, das sagen 30-40-jährige Büromenschen (aber in derselben Intonation wie Pubertiere.)

    Ich persönlich komme mit den ganzen Abkürzungen in der gesprochenen Sprache nicht klar: YOLO (dürfte schon wieder out sein), ABF, BBF etc. Für mich klingt „Die Luisa hatte Beef mit der Laura, jetzt sind die nicht mehr ABF, sondern nur noch BBF“ abenteuerlich. Was ich viele störender finde sind die kuriosen Blüten, die was ist akzeptabel/was nicht mittlerweile treibt. Wenn jemand „Du Jude!“ über den Schulhof schreit und meint „Du Blödkopf!“, dann ist das diskriminierend und abwertend und nicht der heiße Scheiß von Slang, der keinem weh tut, weil sowieso keine jüdischer Mensch auf der Schule ist . Auf Gymnasien sind zum Teil auch das N-Wort, das K-Wort, das Sch…tel-Wort, „Pussy“ für einen ruhigeren Jungen, „Amazone“ für ein Mädchen, das sich nicht rumschubsen lässt verbreitet. Dass so etwas salonfähig ist hat sicher auch mit bestimmten Musikgenres zu tun, wie auch damit dass diese Generation als über angepasst gilt, so dass „keiner“ gegen sagen will oder sich traut zu reflektieren was da eigentlich gerade abgeht. Dass das schon Mobbing sein kann oder Mobbing so anfangen kann geht leider oft auch an Lehrkräften, Psychologen etc. vorbei.

    Meine Meinung zur Etüden-Form: Mach das mit Ludwig aus, wenn etwas geändert werden soll. Er hat sie erfunden und für mich sind sie daher immer sein Baby (deins natürlich auch), ihr seid die Hosts, wir die Mitspielenden.

    Gefällt 2 Personen

    • Ich habe von der angesagten Jugendsprache NULL Ahnung. „Chill mal“ kenne selbst ich seit Jahren (allerdings von den Pubertieren einer Freundin), ich bin da also absolut die falsche Adresse für irgendwas Aktuelles, ich höre es nur von anderen, wenn überhaupt.
      Was ich tatsächlich meine, sind die Phänomene, die du ansprichst, sowie die Tatsache, dass alle möglichen englischen Slangbegriffe und deren deutsche Übersetzung scheinbar nicht mehr als herabsetzend und damit beleidigend empfunden werden und man sie daher „einfach so“ verwenden kann. Für mich völlig unverständlich. Und ja, auch beim Thema Mobbing stimme ich dir zu, wobei ich mich frage, ob das an den entsprechenden Personen wirklich vorbeigeht oder die nur einfach nicht wissen, was sie dagegen unternehmen könnten.

      Etüden: Für mich sind die Etüden auch immer noch Ludwigs Etüden und ich „nur“ die Statthalterin, auch wenn ich sie seit über einem Jahr durch Bloghausen schleppe, von daher würde ich so was selbstverständlich mit ihm besprechen. Ich habe allerdings eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was er dazu und zum Thema Etüden generell sagen würde. Okay, kann trügen, ich glaubs aber nicht. Mal sehen.
      Liebe Grüße
      Christiane

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  6. Ich habe sprachmässig mehrere Epochen durchgemacht: die von meinem 8 Jahre älteren Bruder, meine eigene als Jugendlicher, die von meinem ersten Sohn und dann 16 Jahre später die von meinem zweiten Sohn. Zwischendurch die von den Kindern meines Ältesten und jetzt – auch wieder mit einer Spanne von 16 Jahren dazwischen – die von dem Nachkömmling meines Ältesten.
    Bei der kann ich es natürlich noch nicht beurteilen: alle anderen sind (wieder) auf das „Chill“-Neveau zurück, aber keiner ist ernsthaft geschädigt worden und hat die härteren Slangs noch drauf, weder im Arbeits- noch im Privatleben.
    Ich bin daher dieser Situation gegenüber ganz gelassen. Vor allen Dingen, weil ich es einfach – wie bei den türkischen Rappern, die wir so lieben – als eine Emanzipierungsphase sehe.

    Lassen wir sie doch einfach lernen, etwas Eigenes zu machen, sich abzugrenzen, sich abzutasten.

    Immer schön locker bleiben! Und weiter in Christianes Etüden-Blog mitschreiben!
    Isch geh Fussball!

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    • So, jetzt aber! Lieber Werner,
      erst mal danke für die beiden Videos. Ich kann die Letten schon verstehen, dass/wenn sie möchten, dass ihre Polizeibeamten auch die Landessprache beherrschen – ich meine, es ist immerhin die offizielle Exekutive. Ansonsten maße ich mir da kein Urteil an, Lettland hat als Land einfach eine andere Vergangenheit als Deutschland.
      Die Rede im Bundestag ist einfach nur gut. Natürlich ist das immer das Problem: Wehret den Auswüchsen, seid nicht zu gleichgültig, seid nicht zu ängstlich. Sprache muss sich verändern, Totgesagte leben länger, all der ganze Kram.
      Dennoch frage ich mich, ob du nicht verharmlost bzw. die Lage einfach nicht korrekt einschätzt. Da ich dich nicht kenne, mag ich dir das nicht unterstellen, aber ich stelle mir deine Erfahrungen so ähnlich vor wie aus dem „Yalla“-Funkspot (leider nicht mehr online nachzuhören, aber hier gibt es die Abschrift, oberes Viertel der Seite, Stichwort „Yalla“ suchen). Das würde ich zwar irritierend finden, aber auch nicht mehr. ;-)
      Nein, was ich meine, ist das, was z. B. Karin beschreibt, was auch dergl anspricht und was Bernd auch ausformuliert hat. Da ist einiges dabei, was sich nicht so einfach wieder verwächst, wo über die Sprache Werte (ja, bitte nicht schon wieder eine Werte-Diskussion) geäußert werden, wenn auch überspitzt und provokant, die wir kritisch sehen sollten und wo wir aufgerufen sind, gegenzusteuern, denke ich. Natürlich NICHT abgewälzt auf den Rahmen eines amtlich bestellten Tugendwächters, das ginge todsicher nach hinten los, halt da, wo wir es können.
      Bleib du auch locker!
      Liebe Grüße
      Christiane

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      • Hallo Christiane,
        Sprache darf nach meiner Auffassung experimentieren, muss nicht immer nach in absolut starren Regeln geführt werden.
        Sprache darf meiner Meinung nach auch instrumentalisiert werden, um auf Missstände aufmerksam zu machen, um Blicke auf sich zu ziehen, um zu zeigen: ich will zu euch gehören.
        Allerdings bin ich strikt gegen die Benutzung von Fäkal-Wörtern oder die Herabsetzung von Personen, Religion oder Ethnien. Das kommt gar nicht in Frage.

        Kein Grund, sich über mich Sorgen machen zu müssen!

        Schönen Abend noch!
        Gruß Werner

        Gefällt 1 Person

  7. Zuhause bei uns gab es keine Schimpfwörter, in der Schule mit immerhin 32 Jungs in der Klasse wirkten wir Mädchen zivilisierend und ich habe ausgerechnet das Sch..wort zum ersten Mal oft gehört in der Führungsetage ,in der das Konsulat untergebracht war. Ich kann es bis heute nicht in den Mund nehmen. Als es die Tochter mit aus der Schule brachte, habe ich sie gefragt, ob sie das, was da täglich ins Klo fällt in den Mund nehmen möchte. Sie hat es nie wieder benutzt..Im Berufsleben war es überall Umgangssprache und wenn ich heute öffentliche Verkehrsmittel benutze, sträuben sich mir die Haare, wie sich die Jugendlichen betiteln, Mädchen stehen den Jungen in nichts nach. Ich weiss nicht, ob das unbedingt zum Pubertieren dazu gehören muss, ich werde es an meinem Enkel erleben.
    Ich verstehe die Mutter aus Deiner Etüde sehr gut, Toleranz fiele mir da sehr schwer.
    Aber wenn diese Worte jeden Tag im Rundfunk, Fernsehen, in den Musikstücken, die sie hören , verinnerlicht werden, dann sind sie sich der eigentlichen Bedeutung gar nicht mehr bewusst und dann liegt es an uns Erwachsenen das zu ändern! Wir müssen sie vor der Verrohung beschützen.

    Gefällt 3 Personen

    • Du sprichst aus, was auch ich höre. Ich weiß auch nicht, ob das dazugehören muss, in einem bestimmten Umfang sicher, aber ich finde es einfach nicht witzig, es überschreitet einfach meine Grenze. Okay, das ist an und für sich nichts Schlechtes, aber ich komme zu demselben Schluss wie du: Wissen die denn eigentlich noch, was sie da sagen? Ist denen auch nur ansatzweise bewusst, welche Einstellungen sie da mit der Musik etc. aufsaugen und verinnerlichen? Und an dem Punkt ist das nicht mehr allein mein Problem, denn diese „Kinder“ sind irgendwann unser aller Zukunft.
      Liebe Grüße
      Christiane

      Gefällt 1 Person

  8. Liebe Christiane,
    Das Gedicht von Else Lasker-Schüler liebe ich sehr. Wie hatten zu Hause ein blaues Klavier, auf dem ich nie spielen lernte, aber das Gedicht kann ich auswendig.
    Meine Wahrnehmung der meisten Jugendlichen, die ich näher kenne, ist, dass ich die verrohte Sprache als Schutzschale wahrnehme unter der man durchaus sehr differenzierte und auch differenziert ausgedrückte Wahrnehmungen finden kann.
    Wenn das Gespräch gut läuft( es also nicht um die klassischen Konfliktthemen aufräumen, Schule, Pünktlichkeit, Zahnklammer geht), kann man durch behutsames Nachfragen erstaunliche Nuancen hören, die den Erwachsenen entgehen. und gleichzeitig ehrliches Erstaunen ernten, wenn man auf die Herkunft der Wörter verweist. Mit meinem Ältesten hatte ich Lord of the Rings zur Verbesserung der Englischkenntnisse im Original gelesen und „the chilling winds of Mordor“ sind in die Familiensprache eingegangen
    Beim Großen Fundevogel bleibt es schwierig. Ihre Schale ist eine Extrasuperhartversion und das Sprachvermögen ist ohnehin eingeschränkt. Da achte ich schon drauf, dass nicht nur in Vulgärvokabular kommuniziert wird und führe auch konkrete Formulierungen quasi zum Auswendiglernen ein.

    Was anderes: Ich bin also nicht die Einzige mit Etüdenkoller. Wobei mein Hauptproblem ist weniger das Format, als das da soviel anderes ist, was ich gern schriebe, bei wenig Zeit als eher langsame Schreiberin.
    Und wenn sich dann das, was eigentlich raus will in die Etüden schleicht, führt das wie letzte Woche zu zwei eliminierten „Drachenei“-Etüden .
    Aber ich bin sicher, ich bald wieder an Bord. Ein Wort- statt Satzlimit fände ich allerdings auch chic. Denn. Ich. Setze. Gerne. Punkte.
    Alles Liebe
    Natalie

    Gefällt 2 Personen

    • Weißt du, liebe Natalie, so lange man miteinander ins Gespräch kommen kann und der/die eine dem/der anderen zuhört und nicht gleich abblockt, ist doch noch alles möglich. Man kann nicht alles wissen, das gilt auf beiden Seiten.
      „Schutzschale“, das denke ich eigentlich immer zuerst bei derartigen Verhaltensweisen. Aber irgendwann wird die Schale zum Panzer, und dann? Oder/und es fällt gar nicht mehr auf, weil alle so drauf sind, und dann? Wann/wo beginnt das Nachdenken?
      (Ach *grrr*. Ich habe das Gefühl, ich wiederhole mich in jedem Kommentar. Lies gern auch mal bei den anderen, ja?)

      Ich habe den Eindruck, als ob die Etüden gerade schwächeln, andererseits kommt es mir so vor, als ob die ganze Bloglandschaft gerade schwächelt – und dann ist auch noch Sommer. Ich übrigens eingeschlossen, mir fehlen zurzeit gerade auch ein bisschen Herzblut und Zeit. Kein gutes Jahr bisher.
      Ich. Setze. Auch. Gern. Punkte. Von daher wäre das die Möglichkeit, die ich mir vorstellen könnte. Aber ich breche nichts übers Knie, und ich werde mich ganz gewiss auch mit dem Etüdenerfinder darüber austauschen. Hat ja alles noch Zeit.
      Sei lieb gegrüßt
      Christiane

      Gefällt 2 Personen

  9. Ich mache auch mit zehn Sätzen ganz bestimmt wieder mit!
    Ja, der Fundevogel Superpanzer hatte mal Sinn und ist jetzt nur noch eine Last.,So ein elfenzartes Wesen, das am liebsten mit 80 kg Übergewicht durch die Straßen walzen und allen die Ghettofaust unter die Nase halten würde. „Respekt, Aldda, Respekt“
    Und dann höre ich bei der Abschlussfeier, wie toll sie Theater gespielt hat und hatte doch nur die Info, die Aufführung findet nicht statt, weil niemand gelernt hätte. Ich hätte die Vorstellung ja gelungen finden können und sowas beschädigt evtl. den Superpanzer…
    Ein Einziger kann da durch – der Kleine Fundevogel fliegt offensichtlich unter Radar, Katzen auch.
    So das war jetzt sehr abgeschweift, beschäftigr mich nur sehr und bestätigt mich in der Einschätzung, dass unter solchen Panzern große Vielfalt blühen kann – die sich einer Sprachpolizei nie zeigen würde.
    Natalie

    Gefällt 1 Person

    • Du bist zu nah an ihr dran, du bedeutest ihr zu viel. Das heißt, alles, was du sagst, hat ein unverhältnismäßig großes Gewicht. Und weil das so ist, könnte es sie aus ihrer fragilen Bahn werfen, sie beeinflussen – und damit wäre es nicht mehr ihrs. In etwa so?
      Das mit den Katzen verstehe ich übrigens gut. Katzen haben diese unnachahmliche Art zu SEIN.
      Ich freue mich immer, von dir zu lesen.

      Gefällt 1 Person

  10. Liebe Christiane, ich erinnere mich gut an die Zeit als meine Kinder Pubertierende gewesen sind und ich so manches Mal zur Sprachpolizistin geworden bin: halbe Sätze, unverständliche Floskeln, Kraftausdrücke, es hat sich gelohnt (einzuschreiten)!
    Danke für deine Zeilen, die, wie eigentlich immer, sehr gelungen sind.
    Herzliche Grüße, Ulli

    Gefällt 1 Person

    • Weißt du, liebe Ulii, man muss es anscheinend ja immer wieder sagen: Es geht nicht darum, die Veränderungen der Sprache aufzuhalten, das ist unausweichlich. Aber es geht darum, ein WIE zu kommunizieren, gewisse Grenzen zu setzen, auf die jede*r ein Anrecht hat und sprachliche Mittel an die Hand zu geben bzw. daran zu erinnern, dass es sie gibt. Und, verdammt noch mal, es ist die Rolle der Älteren, den Jüngeren zu sagen: Nicht alles, was neu ist, ist automatisch gut und muss so sein.
      Wenn du sagst, dass es sich gelohnt hat, dann ist doch alles gut, oder?
      Herzliche Grüße in deinen Süden
      Christiane

      Gefällt 1 Person

  11. Eine tolle Etüde, liebe Christiane!
    Eines meiner Lieblingsgedichte hast Du hier eingebaut und das gefiel mir natürlich sehr.
    Das Enkelchen hatte die Angewohnheit, z.B. *kann ich bitte einen Fruchtzwerg*, zu sagen.
    Da er aber ständig von Mama und Oma mit dummen Ergänzungen gehänselt wurde, hat er es inzwischen gelassen und seine Sätze wurden vollständig.
    In den öffentlichen Verkehrsmitteln höre ich auch grauslige Sachen und kaum einer steht für einen älteren Menschen auf. Das, was selbstverständlich sein sollte, ist es wohl schon lange nicht mehr…

    Liebe Grüße von Bruni

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  12. Pingback: 10 aus 15 | Etüdensommerpausenintermezzo | Irgendwas ist immer

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