Vom Sommer und dem Glück

 

Das Glück

Schlafen möcht’ ich,
Der Wind wiegt mich ein,
Und die Sehnsucht singt mich zur Ruh’.
Weinen möcht’ ich.
Schon die Blumen allein
Flüstern Tränen mir zu.

Sieh die Blätter:
Sie blinken im Wind
Und gaukeln Träume mir vor.
Ja und später –
Lacht wo ein Kind,
Und irgendwo hofft ein Tor.

Sehnsucht hab’ ich
Wohl nach dem Glück?
Nach dem Glück.
Fragen möcht’ ich:
Kommt es zurück?
Nie zurück.

(Selma Meerbaum-Eisinger, Das Glück, 18.08.1941, aus: Ich bin in Sehnsucht eingehüllt. Gedichte eines jüdischen Mädchens an seinen Freund. Online-Quelle)

 

Hörst du wie die Brunnen rauschen

Hörst du wie die Brunnen rauschen,
Hörst du wie die Grille zirpt?
Stille, stille, laß uns lauschen,
Selig, wer in Träumen stirbt.
Selig, wen die Wolken wiegen,
Wem der Mond ein Schlaflied singt,
O wie selig kann der fliegen,
Dem der Traum den Flügel schwingt,
Daß an blauer Himmelsdecke
Sterne er wie Blumen pflückt:
Schlafe, träume, flieg’, ich wecke
Bald Dich auf und bin beglückt.

(Clemens Brentano, Hörst du wie die Brunnen rauschen, aus: Das Märchen von dem Myrthenfräulein, in: Die Märchen des Clemens Brentano. Zum Besten der Armen nach dem letzten Willen des Verfassers. (Hrsg. Guido Görres) 2 Bände, Stuttgart und Tübingen 1846–1847, S. 485-86, Online-Quelle)

 

Ueber die Welt hin ziehen die Wolken.
Grün durch die Wälder
fliesst ihr Licht.

Herz, vergiss!

In stiller Sonne
webt linderndster Zauber,
unter wehenden Blumen blüht tausend Trost.

Vergiss! Vergiss!

Aus fernem Grund pfeift, horch, ein Vogel. . . .
Er singt sein Lied.

Das Lied vom Glück!

Vom Glück.

(Arno Holz, Ueber die Welt hin ziehen die Wolken, aus: Phantasus, I. Heft, Berlin, 1898, Online-Quelle)

 

Quelle: ichmeinerselbst

 

Ich bin mir nicht mehr sicher, ob das Bobby ist, Bobby der Bartkauz, der im Wildpark Lüneburger Heide lebt und dort im Frühling 30 Jahre alt geworden ist. Kann natürlich auch ein*e jüngere*r Kollege/Kollegin gewesen sein. Der Falkner hört allerdings sicher auf Michael Kirchner.  :-)

Kommt gut in die neue Woche!

 

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20 Kommentare zu “Vom Sommer und dem Glück

  1. Bobby scheint die Welt auch nicht mehr zu verstehen, wenn man seinen Gesichtsausdruck auf den größeren Foto interpretieren möchte. Der Kerl ist bildschön!
    Lieber Gruß vom was-ist-ein-Gewitter-geschweige denn Regen- Dach, Karin
    Deine wehmütige Gedichtauswahl heute macht ganz melancholisch, obwohl sie soooooo schön sind!

    Gefällt 4 Personen

    • Ich mag Greifvögel, liebe Karin, ich bin gern bei Flugshows in Tierparks etc., wenn ich denn mal in einen gehe. Und so schwierig wie es ist, die Biester im Flug gut abzulichten, so viel Spaß macht es mir doch, mit der Kamera dabei zu sein.
      Mir ist auch melancholisch. Vermutlich schlägt mir der Sommer aufs Gemüt. Oder der Montag.
      Liebe Grüße aus dem noch recht kühlen Hamburg
      Christiane

      Gefällt mir

    • Glück. Vorratshaltung. Einigermaßen solides Grundwissen. Suchmaschine. Viele Faktoren, es klappt mal besser, mal schlechter.
      Ich versuche, die Montagsgedichte mit eigenen Fotos zu bebildern. Freut mich, wenn sie dir gefallen 😀
      Liebe Grüße
      Christiane

      Gefällt 2 Personen

    • Wenn du öfter meine Montagsgedichte liest, wird dir vielleicht auffallen, dass ich mich immer um einen großen Bogen oder, wie du sagst, unterschiedliche Blickwinkel bemühe. Freut mich, dass es dir gefällt, Gedichte sind ja nicht immer jedermanns/-fraus Sache.
      Liebe Grüße
      Christiane

      Gefällt 1 Person

  2. Welch große Namen hast Du heute wieder versammelt, liebe Christiane. Schon bei der Zeilen *schlafen möcht ich* wußte ich, jetzt kommen Selmas Worte, die unglaublich schön und fein sind. Über ihr Schicksal schweige ich jetzt mal… Es ist so entsetzlich und Glück hatte sie leider keines.
    Brentano, oh ja, ihn muß man ja mögen und der Arno Holz mit seinem Phantasus… Eines der wenigen Gedichtbüchlein, die ich oft in der Hand halte und darin mal wieder das eine oder andere Gedicht lese. Ihm war auch die Gestaltung sehr wichtig und das gefilel mir sehr bei ihm
    Dein Bartkauz hat einen seltsamen spröden Charme, liebe Christiane, man möchte ihm leicht über seine Federchen streichen, aber ich würde mich nie trauen …

    Liebe Abendgrüße von Bruni

    Gefällt 1 Person

    • Ja, Selma ist nicht untergegangen mit ihren federleichten und tieftraurigen Gedichten, das freut auch mich sehr. Von Brentano war ich kurz davor, dieses berühmte „Lied, Leid und Zeit und Ewigkeit“ zu zitieren, hab mich dann aber doch dagegen entschieden. Und ja, der Phantasus ist immer wieder schön, der ist einfach ganz besonders.
      Bei dem Vogel merke ich, wie leicht man (ich) ihm aufgrund des Gesichts und der großen Augen Charakterzüge unterstellt, die er bestimmt nicht hat. Ich mochte meine Bilder einfach sehr.
      Noch kühle Morgengrüße
      Christiane

      Gefällt 1 Person

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