Etüdengedanken

Als ich im Frühjahr 2017 die Etüden von ihrem Erfinder übernahm, waren sie ein ambitioniertes Schreibprojekt mit klaren Regeln: 3 Wörter, unterzubringen in (maximal) 10 Sätzen. Nicht mehr, nicht weniger, Textart egal. Ich fühlte mich geehrt, die Auserwählte zu sein, ich bin es noch, die Etüden-Idee ist prima, und dass Ludwig sie immer noch mit seinen Illustrationen begleitet, macht sie besonders.

Auf meinem Blog wuchsen die Etüden vielleicht weniger in eine (literarische) Höhe als in die Breite, sie zogen jedenfalls mehr und andere Leute an als zu der Zeit, als Ludwig sie aus dem Boden gestampft hat, und klar, die Bandbreite der Texte veränderte sich. Ich war ja bei Ludwig auch von Anfang an dabei, ich fand es großartig, das zu sehen und zu begleiten.

Ich habe die Etüden dabei nie als „literarisches“ Projekt gesehen, hätte ich das, hätte ich vermutlich vor dem immanenten Anspruch kapituliert und sie gar nicht angefasst. Mich reizen elitäre Clubs mit ihren Zwanghaftigkeiten nicht. Ich probiere rum. Für mich sind die Etüden ein heiß geliebtes Blogkind, und die Texte, die ich dafür schreibe, sind so gut, wie ich sie im Moment gerade hinbekomme. Nicht-Beliebigkeit, das ist mein Anspruch. An mich! Wer teilnehmen will, wer es ernst meint, wer Sprache liebt und sie gern einsetzt, der soll hier bei den Etüden eine Art Zuhause finden, und herzlich willkommen! Ja, das unterscheidet die Etüden, und ja, ich finde, dass es sie verbindlicher macht, und ja, ja, ja, ich bin sehr glücklich über die, die regelmäßig dabei sind.

Nachdem ich neulich einen Text las, der sich kritisch mit den Etüden und meiner Rolle auseinandersetzte, begann ich, an allem zu zweifeln und ernsthaft darüber nachzudenken, ob ich die Etüden auf- oder abgeben will.  Nein, will ich nicht.
Ich habe den Etüden keine Blog-Heimat gegeben, damit ich den Aufkleber auf der Stirn herumzeigen kann, ich sei „Schriftstellerin“ oder „literarisch tätig“, echt nicht. Ich schreibe, weil ich schreiben will, und die Etüden (oder die Intermezzos oder sonstige Schreibaufrufe, egal ob hier oder woanders) sind die Form, in die mein Schreiben gerade fließt, wobei ich die Herausforderung total spannend finde, die darin liegt, die vorgegebenen Wörter sinnvoll zu verbauen. Und es macht mir Spaß, meine Ergebnisse zu teilen, die Texte von anderen zu lesen und Meinungen dazu auszutauschen.
Tatsache ist aber, dass der Hype um Die-deren-Name-nicht-genannt-werden-soll (also die DSGVO) vielen das Bloggen verleidet hat. Tatsache ist auch, dass dieser sonnige Sommer die Leute nicht gerade vor die Computer zerrt. Ich gehe davon aus, dass ab September, spätestens Oktober auch hier wieder mehr Schwung in der Bude ist.

So weit, so schön. Last but not least habe ich jedoch in meinem Leben außerhalb meines Blogs seit geraumer Zeit mehr um die Ohren, als ich gut abkann. Dies für alle, die sich wundern, warum ich manchmal nach 5 Minuten und manchmal erst nach 15 Stunden lese und/oder kommentiere. Liegt nicht an euch, ich bin dann einfach nicht online.

 

Vor diesem ganzen Hintergrund jetzt also ein paar Fragen an euch:

  1. Ja, mir ist klar, dass es für so was eine schlechte Zeit ist, weil Sommerpause, aber wie sieht es mit eurer Etüdenbegeisterung aus, so ganz generell?
  2. Wäre das für euch okay, wenn es die Etüden nur noch zweimal pro Monat gäbe, oder fändet ihr das als Intervall zu lang?
  3. Wir hatten es vor der Sommerpause mal in den Kommentaren andiskutiert: Was hieltet ihr davon, wenn die Regel nicht mehr „3 Wörter, (unterzubringen in maximal) 10 Sätzen“, sondern „3 Worte, (unterzubringen in maximal) 300 Wörtern“ hieße? Ich habe nämlich in dem Intermezzo wieder mal bemerkt, wie sehr ich es genieße, sehr kurze Sätze zu formulieren, das wäre eine Änderung, die ich gern ausprobieren würde. Und sollen es 300 Wörter sein? Weniger? Für mich wären 300 Wörter üppig, ich habe mal gezählt.
  4. Was ich auf jeden Fall ändern werde, ist die Auswahl der Wortspender. Bisher habe ich relativ willkürlich die fleißigen Schreiber um Spenden angeschrieben, plus den Etüdenerfinder, plus mich selbst. Mir ist erst in diesem Jahr aufgefallen, dass man das reichlich untransparent finden kann, beste Absichten hin oder her. Und wenn ich dafür eure Namen auf Zettel schreiben und blind ziehen (lassen) muss, ist mir das auch recht. Dazu kommt also auf jeden Fall noch was.

 

Langer Text, schon klar. Ich bin auf eure Meinungen gespannt.

 

Füße ... | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay

 

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