Schöpfung | abc.etüden

Die Muse ist keine sanfte Geliebte. Jedenfalls ihre nicht, sie springt sie nächtens an und bezwingt sie, verbeißt sich in sie, bis sie gequält zum Stift greift, wie von Sinnen Sätze aufs Papier schleudert, die Idee verfolgt und vorantreibt und sich dem Rausch mit seiner inneren Logik hingibt. Im Licht des Morgens starrt sie dann auf das Ergebnis: Manchmal erkennt sie es, manchmal nicht. Nur der Einfluss der Wilden macht daraus Kunst, ihren Kuss versucht sie zu locken, bis sie in den durchwachten Stunden über sich hinauswächst und später nicht mehr so recht weiß, woher das stammt, was da steht.
Kurzfristig verschmolzen. Mit wem? War ich das? Keine Antwort.

Hinterher ist sie erschöpft, wieder allein, zutiefst müde. Aber sie ist gut, diese Mattigkeit, sie fühlt sich richtig an. Sie hat das Ihre großzügig verschwendet und ist selbst zum Gefäß geworden. Hat aufs Neue Himmel und Erde erschaffen und ihnen ihre Namen gegeben. Und dann ruht sie.

 

2018_37+38_1_250 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung: ich

 

Für die abc.etüden, Woche 37/38.2018: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von mir und lauten: Kunst, müde, verschwenden.

Na, die ist mal kurz, alles, was recht ist. Ich habe zur Sicherheit nachgezählt, ob ich über 10 Sätze hinaus bin – geübt ist geübt – ja, bin ich. Ach, diese Freude, Zweiwortsätze schreiben zu dürfen. Aber irgendwie … sehr interessantes Ergebnis des Experiments, das da oben.

 

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