Tödliches Schweigen | abc.etüden

Mit dem Begreifen, was das bedeutete, was er fühlte, kam die Scham. So war man nicht. Krank. Pervers. Er gab sich selbst das Versprechen, ES nie auszuleben. Nie. Er hatte schließlich hohe Ansprüche an sich, auch moralische. Und wenn auch alles um ihn herum verderbt war, er würde standhalten.
An manchen Tagen rettete ihn nur Komasaufen. Er sprach niemals darüber, mit wem denn? Zum Glück gab es das Internet, aber war das wirklich Glück? Nein, musste er sich eingestehen. Das war wie Pizza-Werbung für Leute auf Diät.

Dann hatte er den Ruf verspürt. Sein Leben änderte sich. Lange Jahre war er mehr als froh, alle Energien in diese Richtung konzentrieren zu können. Er dankte Gott täglich inbrünstig, dass er ihm half, seine übermenschliche Last zu tragen.
Alle Freunde waren der Meinung, er hätte sein Schäfchen im Trockenen: Das Kirchenamt sei eine fette Pfründe, und solange man nicht versuchte, sich eine mondäne Hütte hinzustellen wie jener Scheinheilige, habe man ein gutes Auskommen, oder nicht? Allerdings gab es da einen Schönheitsfehler … obwohl von angenehmem Äußeren, blieb er ledig. Nun ja, leben und leben lassen war die einhellige Meinung in seiner Gemeinde, schließlich mochte man ihn.

Irgendwann geschah das, wovor er sich immer gefürchtet hatte: Ein bestimmtes Menschenkind trat in sein Leben. Die Versuchung war so massiv, dass ein einziger Blick reichte, ihn in Flammen zu setzen und tagelang zu verstören. Als er spürte, dass sein ehernes NEIN zu wanken begann, war das der Moment, wo er ernsthaft anfing, über Selbstmord nachzudenken.

Die Rettung nahte in Form eines Freundes, der eines alkoholreichen Abends wortlos einen Flyer des Präventionsnetzwerks „Kein Täter werden“ auf seinem Wohnzimmertisch hinterließ. Der Flyer sprach von Verantwortung, von Therapie, von Schweigepflicht und nannte eine Telefonnummer.
Am nächsten Tag schon nahm er allen verbliebenen Mut zusammen und rief an.

 

2018 43+44 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay (hier und hier), Bearbeitung von mir

 

Von allen Tabus in unserer nur scheinbar tabulosen Zeit ist das, eine Sexualität zu haben, die sich auf Kinder richtet, mit Sicherheit eines der schlimmsten, da es sofort Hass und Aggression auslöst. Ich bin selbst nicht frei davon.
Ich bin allerdings auch ein Verfechter der Ansicht, dass man sich nicht bewusst dafür entscheidet, wen man begehrt. Verantwortung setzt für mich in dem Moment ein, wo man beschließt, diese Veranlagung auszuleben – oder eben nicht, wie in meiner Etüde.

Die Etüde spielt mit dem gängigen Vorurteil, dass viele Priester/Pfarrer mit ihrem Kirchenamt nur pädophile Neigungen verdecken, um sie darunter ungestört auszuleben. Klar, die gibt es. Wir wissen aber auch, dass es überall egoistische, machtbesessene Vollpfosten beiderlei Geschlechts gibt, deren emotionaler Horizont bei ihrem eigenen Unterleib aufhört und denen alle anderen ziemlich egal sind. Diese Leute müssen aufgespürt und gestoppt werden, für unser aller Wohlergehen als Gesellschaft, und man muss sich nicht nur ausreichend(!) um die Opfer kümmern, sondern auch (überall) um die Strukturen, die den Missbrauch vereinfachen und verharmlosen – und darum, mögliche Täter gar nicht erst zu Tätern werden zu lassen.

Wen man nämlich meist nicht sieht, sind die, die verzweifelt darum ringen, kein Täter zu werden, weil sie wissen/fühlen, was Missbrauch bedeutet, und das keinem antun wollen, schon gar nicht einem Kind. Ein quälendes Leben, das häufig in absolutem Schweigen stattfindet. An diese Menschen (und an „Aussteiger“) wendet sich das erwähnte Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ (Link zur Homepage).

 

Für die abc.etüden, Woche 43/44.2018: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Bernd und lauten: Pfründe, mondän, lassen.

Diese Etüde zu diesen Worten musste jetzt noch raus, sonst wäre ich geplatzt. Sorry, ich bin heute und morgen wenig online, nehmt es mir bitte nicht übel, wenn meine Kommentare auf sich warten lassen.

 

 

 

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Zaubertrank, Hamburg, Hilfe, sofort und dringend

Ihr Lieben (aus Hamburg und drumherum),

im Januar bereits habe ich euch um Hilfe für den Zaubertrank gebeten. Jetzt ist die Bombe geplatzt: Der Gerichtsvollzieher war da, sie werden geräumt, sie brauchen immer noch DRINGEND neue Räumlichkeiten, aber mindestens genauso dringend Möglichkeiten, Sachen irgendwo unterzustellen, und natürlich auch Hilfe bei Umzug. Wer etwas weiß, der möge bitte schnellstmöglich reagieren.

Hans-Georg schreibt:

„Jetzt am Sonnabend ab 07:30 Uhr will der Gerichtsvollzieher mit der Räumung unseren Ladens beginnen. Wenn Du Platz hast von mir Sachen bei Dir zu lagern, z.B.: Kisten, Fässer o.ä., dann melde Dich bitte sofort. Wenn Du mithelfen kannst, diese Dinge bei mir mit rauszuräumen ebenfalls.
Telefonisch erreicht Ihr uns wieder unter den Zaubertranknummern. Auch unter der Handynummer 0160/xxxxxxx.
Einige wichtige Dinge konnten wir mitnehmen und können die auch liefern. Telefonische Orts- und Zeitabsprache vorausgesetzt.
Wir brauchen für die Dinge in unserem Laden ab sofort etwa 400 qm bis 600 qm, je nach Raumschnitt und Deckenhöhe. Wenn es geht im Hamburger Stadtgebiet nördlich der Alster und nicht im Überschwemmungsgebiet. Und günstig sollte die Miete auch sein, nicht dass wir nach wenigen Monaten pleite sind.
Hoffentlich finden wir bald Räume, sonst gibt es den Zaubertrank bald nicht mehr und das wäre sehr schade.“

Der Zaubertrank (Link zur Homepage) ist erreichbar unter der Festnetznummer 040 22 00 60 4. Wer die Handynummer braucht, von der ich annehme, dass sie halb privat ist, melde sich bitte in den Kommentaren, damit ich die Mailadresse habe, ich bin heute und morgen viel unterwegs.

 

Zaubertrank Hans-Georg Schaaf | 365tageasatzadayQuelle: ichmeinerselbst, allerdings schon bisschen älter