Von Herbst und Vergehen

 

Dorthin geh, wo die Andern nicht sind

Dorthin geh, wo die Andern nicht sind,
Weit hinaus in die freie Einsamkeit,
Wo dir Wolken, Berge, Bäume und Wind
Großes reden von Später und Ewigkeit.

Und dort schöpfe, fasse und füll dir die Brust,
Daß – kommt einst die Stille zu dir als Braut –
Daß du die Hand ihr gibst in tiefster Lust,
Weil du schon lange mit ihr vertraut.

(Joachim Ringelnatz, Dorthin geh, wo die Andern nicht sind, aus: Gedichte, 1910, Online-Quelle)

 

Kühle

Alles das ist nur ein Träumen,
Und ich sollte nie erwachen:
Das wär schön.

Denn der Tag hat kalte Farben,
Und die Wahrheit geht in Wolle,
Rauh und grau.

Wirklichkeit, die alte Vettel,
Zückt schon ihre Klapperschere
Und sie grinst:
Weg die bunten Seidenbänder,
Weg die langen Ringellocken,
Weg den Tand!

Und ein kurzer Krampf im Herzen
Und das alte böse Lachen:
Siehst du wohl?

(Otto Julius Bierbaum, Kühle, aus: Gesammelte Werke. Band 1: Gedichte, München 1921, S. 187, Online-Quelle)

 

O Herr, gib jedem seinen eignen Tod

O Herr, gib jedem seinen eignen Tod,
das Sterben, das aus jenem Leben geht,
darin er Liebe hatte, Sinn und Not.

(Rainer Maria Rilke, O Herr, gib jedem seinen eignen Tod, aus: Das Stunden-Buch/Das Buch von der Armut und vom Tode, Online-Quelle)

 

Quelle: ichmeinerselbst

 

Kommt gut in die neue Woche!
(In einem der Bilder sind drei Graureiher versteckt. Ja, ich hab sie beim Vorbeilaufen gesehen. 😁)