Wahrheit | abc.etüden

Lumi ist abgehauen in Richtung Wald (hier lesen), weil ihre Tante so nervt. Sie will zur Familienblockhütte und begegnet dort dem geheimnisvollen Keijo (hier lesen), der ihr das Raureifproblem damit erklärt, dass ihr Vater ein Elf wäre (hier lesen) …

***

„Was?“ Sie entriss ihm die Hände, sprang auf und wich ein paar Schritte zurück. „Mein Vater war was? Du spinnst! Es gibt keine Elfen!“
„Lumi!“
Sie verschränkte die Arme vor der Brust und musterte den Boden um ihre Füße böse, auf dem sich bereits nasskalt-frostig ein Raureifkreis abzeichnete. „Ich habe ja wohl jedes Recht, mich aufzuregen!“
„Hast du. Es war für mich auch ein Schock. Ich wusste bis dahin nicht mal, dass ich adoptiert war.“
Plötzlich tat er ihr leid. „Wusste ich immer. Okay. Erzähl von meinem Vater.“
„Elfen leben in einer anderen Art Welt, es ist so, als ob sie zusätzlich zu unserer noch eine Dimension mehr hätten. Frag mich nicht, wie das geht, sie antworten darauf nicht. Obwohl sie besondere Fähigkeiten haben, sehen sie eigentlich so aus wie wir auch. Das Problem ist bloß, wenn Menschen und Elfen aufeinandertreffen, verlieben sie sich oft fürchterlich ineinander.“
„Ja, und?“
Er verzog das Gesicht. „Die Kinder, Lumi. Wenn dabei Kinder rauskommen, überleben entweder die Mütter oder die Kinder die Geburt nicht. Es gibt da irgendetwas, was nicht passt. Genetisch, was weiß ich. Hat noch keiner herausgefunden. Du und ich, wir sind beide bei Menschenfamilien gelandet, weil unsere elfischen Verwandten ihren verlorenen Familienmitgliedern nachgetrauert haben und sich nicht zutrauten, uns artgerecht aufzuziehen.“
Sein Lächeln saß schief.
„Liebe ist ihnen kostbar, Lumi. Sie leben länger als wir, bleiben immer im Verborgenen. Aber trotz all dieser Liebe erinnern wir Kinder sie natürlich ständig an ihren Verlust.“

„Ich muss darüber nachdenken, Keijo“, sagte sie leise. „Und jetzt will ich heim. Bringst du mich ein Stück?“
„Klar.“ Er hatte genauso wenig eine Jacke an wie sie und beide lächelten unwillkürlich.

Das Letzte, was sie von ihm sah, nachdem sie sich getrennt hatten, war, wie er an einen Winterbaum, eine Birke, gelehnt dastand und ihr Winken erwiderte.

 

2018 49+50 | 365tageasatzadayQuelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Woche 49/50.2018: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Worte stammen dieses Mal von Elke H. Speidel und lauten: Winterbaum, nasskalt, nachtrauern.

 

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28 Kommentare zu “Wahrheit | abc.etüden

  1. Ich lese sehr gespannt, liebe Christiane, und Deine Elfengeschichte gefällt mir sehr. Ich bitte um Fortsetzung und werde keine verpassen!
    Wir wäre es mit Hustensaft und Bienenhonig, heißer Zitrone?
    Hustenbonbons lutschen lindert normalen Hustenreiz, unterbricht ihn, aber es scheint ja schlimmer zu sein.
    Wenn ich mich recht erinnere, müßte der Sud von schwarzem Rettich gut sein.
    Fies, so eine dicke Erkältung, liebe Christiane.
    Ich wünsche Dir möglichst schnelle Besserung und grüße Dich lieb.
    Bruni

    Gefällt 3 Personen

    • Hustenbonbons lutsche ich genau einen Tag, liebe Bruni, danach spinnt mein Magen, egal ob zuckerfrei oder nicht. Und, nichts für ungut, aber eine gute Erkältung hat laut Volksmund mit Medikamenten eine Verweildauer von zwei Wochen und dauert ohne Medikamente 14 Tage. Ich bin heute bei Tag 5, und die Erkältung ist nervig, besonders der Husten, aber zumindest heute keineswegs mehr dick.
      Hustentee dagegen ist … lecker. In Maßen genossen. Honig sowieso.
      Freut mich sehr, dass dir die Elfengeschichte gefällt!
      Liebe Grüße zurück
      Christiane

      Gefällt 2 Personen

  2. Liebe Christiane,
    ich bin Feuer und Flamme bzw. Eis und Schneeflocke für Deine Elfengeschichte! ❄❄❄
    Deine Erklärung für die Überlassung der elfmenschlichen Kinder bei den Adoptiv-Menschen finde ich sehr einleuchtend.
    Begeisterte Grüße von
    Ulrike

    Gefällt 2 Personen

  3. Pingback: Schreibeinladung für die Textwoche 51.52.18 | Wortspende von dergl | Irgendwas ist immer

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